WM14
Argentinien gewinnt das Penaltyschiessen und steht im WM-Final

Argentinien folgt Deutschland in den WM-Final 2014 in Rio de Janeiro. Die Gauchos setzen sich im äusserst langweiligen zweiten Halbfinal nach torlosen 120 Minuten gegen Holland mit 4:2 im Penaltyschiessen durch.

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Die Entscheidung Argentinien steht im WM-Final
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Holland-Argentinien, Halbfinal: Die Bilder zum Spiel
Die argentinischen Fans jubeln mit den mitgereisten Fans
Cillessen geschlagen am Boden Im Hintergrund feiern die Argentinier überschwänglich
Argentinien steht im WM-Final
Messi rennt zu Argentiniens Helden: Torhüter Romero
Romero hält den ersten Elfmeter von Vlaar
Vlaar schiesst seinen Penalty schwach
Vlaar verschiesst
Romero pariert Snejiders Elfmeter
Die Reaktion des Teams nach Snejiders Fehlschuss
Die Holländer hoffnungsvoll im Elfmeterschiessen
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Messi enteilt Martins Indi
Messis Freistoss landet in den Händen von Torhüter Cillessen
Das Team der Argentinier
Das Team der Holländer
Messi wird im Stadion-Screen gross gezeigt
Arjen Robben jubelt - auch heute?

Die Entscheidung Argentinien steht im WM-Final

Keystone

Argentinien trifft wie 1986 und 1990 im WM-Final auf Deutschland. Die Südamerikaner setzten sich im Penaltyschiessen gegen Holland durch. Nach 120 enttäuschenden Minuten hatte es 0:0 gestanden.

Für dieses Penaltyschiessen hatte sich Hollands Trainer Louis van Gaal keine Auswechslung aufgehoben. Er beliess Jasper Cillessen im Tor, nachdem im Viertelfinal noch der eingewechselte Ersatzkeeper Tim Krul brilliert hatte. Cillessen konnte keinen Penaltys der Argentinier stoppen, zuletzt musste er auch jenen von Maxi Rodriguez zur Entscheidung passieren lassen. Zum Matchwinner wurde Argentiniens Goalie Sergio Romero. Bei der AS Monaco in der letzten Saison nur Ersatz hielt Romero die Penaltys von Ron Vlaar und Wesley Sneijder und führte Argentinien in seinen fünften WM-Final. 1978 und 1986 gewannen die Südamerikaner den Titel.

In der Verlängerung hatten beide Mannschaften etwas mehr unternommen als zuvor, um das Penaltyschiessen zu verhindern. Argentinien kam noch zu zwei Torchancen und auch Holland trug seine Angriffe in der letzten halben Stunde zügiger aus. Aber für ein Tor hatten die Offensivreihen auf beiden Seiten an diesem kalten Fussballabend in São Paulo zu selten die Oberhand gewonnen. Das Penaltyschiessen war der logische Folge.

Das risikolose Spiel

Der zweite Halbfinal hatte mit dem ersten wenig gemeinsam. Womöglich hatte das brasilianische Debakel vom Vortag Holland und Argentinien einen Schrecken versetzt und dazu geführt, dass beide Teams noch vorsichtiger agierten, als sie es in der K.o.-Runde bisher ohnehin getan hatten. Die oberste Devise hiess: kein Risiko eingehen, auf einen Fehler des Gegners oder einen Geistesblitz des Starspielers hoffen. Weder Messi noch Robben kamen allerdings zur Entfaltung.

Robben war in der ersten Halbzeit kaum ins Spiel eingebunden und war auch in der Folge längst nicht so wirblig und durchschlagskräftig wie auch schon in den letzten Wochen. Messi sorgte nach einer Viertelstunde mit einem Freistoss immerhin für einen Hauch von Gefahr. Doch wie der grosse Heilsbringer trat er nicht auf. Auch er leistete sich Fehlpässe und passte sich damit dem Niveau der anderen an. Es war eine Partie, die sehr wenig mehr bot als Spannung.

Die Argentinier waren zu Beginn etwas gefährlicher, wagten ab und zu ein Forechecking schon in der gegnerischen Platzhälfte. Neben dem Freistoss von Messi verzeichneten sie durch Ezequiel Garay auch die zweite Torchance der ersten 90 Minuten. Doch bald einmal liessen auch die Südamerikaner in ihrem ersten WM-Halbfinal seit 1990 nach und trugen ihren Teil zur enttäuschenden Vorstellung in der Arena Corinthians bei. Rodrigo Palacio und Maxi Rodriguez vergaben die letzten Chancen, ein Penaltyschiessen zu verhindern, in der 115. respektive 116. Minute.

Robbens Schuss

Die Brasilianer im Stadion konnten einem Leid tun. Sie hatten einen Tag nach dem 1:7 versucht, aus ihrer Abneigung gegen Argentiniens Team etwas Fussballfreude zu schöpfen, und unterstützten die Holländer eine Viertelstunde lang bedingungslos. Dann verliessen sie angesichts der Leistung des Europameister von 1988 die Kräfte.

Klar, die Holländer standen in der Defensive sicher. Ihre Dreimann-Verteidigung, die in Wahrheit oft eine Fünfmann-Mauer war, hielt den argentinischen Angriffen ohne grössere Probleme stand. Was die "Elftal" allerdings offensiv bot, war harmlos, wenn auch gegen das Ende besser als zu Beginn. Nur sehr selten musste Romero eingreifen. Seine ernsthafteste Bewährungsprobe bestand er in der ersten Hälfte der Verlängerung bei einem Schuss von Robben.

Der in den letzten Tagen für seinen Goalie-Coup im Penaltyschiessen gegen Costa Rica viel gelobte Van Gaal hatte seine Mannschaft zur Pause dazu gebracht, etwas offensiver zu agieren. Die Holländer standen höher, versuchten den Ball früher in die eigenen Reihen zu bringen. Das blieb nicht ohne Wirkung bezüglich Ballbesitz. Auf eine nennenswerte Torchance warteten sie aber bis in die 91. Minute. Da entwischte Robben ein erstes Mal gefährlich und konnte nur in extremis von Javier Mascherano am Torschuss gehindert werden.

Die deutsche Mannschaft wird sich das Spiel wohl mit einer gewissen Genugtuung angeschaut haben. Ihrer Zuversicht, den vierten WM-Titel zu holen, hat die gestrigen Leistung von Argentinien sicher keinen Abbruch getan.

Holland - Argentinien 0:0; Argentinien 4:2-Sieger im Penaltyschiessen

Arena Corinthians, São Paulo. - 63'267 Zuschauer. - SR Cakir (Tür). - Penaltyschiessen: Vlaar - (Romero hält), Messi 0:1; Robben 1:1, Garay 1:2; Sneijder - (Romero hält), Agüero 1:3; Kuyt 2:3, Maxi Rodriguez 2:4.

Holland: Cillessen; De Vrij, Vlaar, Martins Indi (46. Janmaat); Kuyt, Wijnaldum, De Jong (62. Clasie), Blind; Sneijder; Robben, Van Persie (96. Huntelaar).

Argentinien: Romero; Zabaleta, Garay, Demichelis, Rojo; Perez (81. Palacio), Biglia, Mascherano; Messi, Higuain (82. Agüero), Lavezzi (100. Maxi Rodriguez).

Bemerkungen: Holland ohne Fer (verletzt). Argentinien ohne Di Maria (verletzt). Verwarnungen: 45. Martins Indi. 49. Demichelis. 105. Huntelaar (alle Foul).

Den Liveticker von Silvan Hartmann zum Nachlesen: