Hätten die Fussballer des FC Lugano am Mittwochabend bereits gewusst, dass sie am Sonntag frei haben, dann hätten sie den Einzug in den Cupfinal wohl etwas ausgiebiger gefeiert. Weil zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht abzusehen war, dass die Super-League-Partie gegen Basel wegen der Schneefälle im Tessin ausfallen würde, hatte die rasche Erholung von neunzig kräfteraubenden Cupminuten erste Priorität gehabt. «Wir hätten nach dem grossen Sieg in Luzern gerne die Euphorie ausnützen und gegen Basel punkten wollen», sagt Antoine Rey.

Auch der nur 1,68 Meter grosse Captain des FC Lugano hatte in Luzern wieder einmal Kilometer gefressen und als unermüdlicher Lückenstopfer und Ankurbler im Mittelfeld seinen Teil zum Triumph beigetragen. «Schade, wir wären gegen die Basler mit viel Selbstvertrauen aufgelaufen», sagt Rey. Wobei die «Wir-Form» nicht ganz korrekt ist, weil der Aufbauer nach der achten gelben Karte nämlich zum Zuschauen verurteilt gewesen wäre.

Ligaerhalt als Belohnung für die Spielweise?

So muss Rey nun eben am nächsten Samstag pausieren, wenn der FC Lugano erneut in Luzern gastiert; dieses Mal in der Super League. Und dieser soll bis zum 29. Mai, dem Tag des Cupfinals im Letzigrund gegen den FC Zürich, die ganze Konzentration gehören. «Es wäre ja nicht wirklich schön, wenn wir Cupsieger würden, nachdem wir zuvor abgestiegen sind», sagt Rey. «Aber ich glaube schon, dass wir eine gute Chance haben, oben zu bleiben. Wir spielen so gar nicht wie ein Aufsteiger. Wir treten viel offensiver auf, und es wäre schön, wenn wir dafür mit dem Ligaerhalt belohnt würden», sagt Rey.

Es wäre auch ein Erfolg des prominenten Trainers Zdenek Zeman, dem man in der swissporarena als Einzigem aus dem Kreis des FC Lugano nicht angesehen hatte, ob sein Team nun soeben einen grossen Sieg gefeiert oder eine bittere Niederlage erlitten hatte. «So ist er nun mal, unser Trainer», sagt Rey und bestätigt, wie knüppelhart Zeman vor allem in der Vorbereitungsphase jeweils trainieren lässt. «Das ist für uns Spieler nicht immer einfach.»

Der 29-Jährige gibt zu, dass es auch für ihn eine Überraschung ist, wie schnell die Mannschaft zu Saisonbeginn zu einer Einheit mit einem guten Teamgeist wurde, obwohl sie nach dem Aufstieg ein völlig neues Gesicht erhalten hatte. «Wir haben es irgendwie geschafft, den Geist der Aufsteigermannschaft in die neue Saison mitzunehmen», sagt Rey. «Wir haben zwar keinen Ronaldo bei uns, dafür viele intelligente Spieler, die die Super League als Chance betrachten, um ihre Karriere zu lancieren. Es macht einfach Spass, in dieser Mannschaft zu spielen», sagt Rey.

Im Tessin vom Teilzeitfussballer zum Profi

Sechs Jahre sind es bereits her, seit er zum FC Lugano gekommen ist. Er hatte Lausanne-Sport verlassen, weil er im Tessin Profi sein konnte. Bei Lausanne hatte er neben dem Fussball studiert und den Bachelor in Biologie gemacht. «Studieren konnte ich dann aber auch in Lugano und machte den Master in Ökonomie», sagt Rey. «Aber in der Super League muss ich mich natürlich total auf den Fussball konzentrieren.»

Nicht immer ist alles so toll gewesen wie jetzt. «Gleich in meiner ersten Saison haben wir im letzten Spiel im Duell mit Thun wegen eines 1:1 zu Hause gegen Vaduz den Aufstieg verpasst. Und im nächsten Jahr hatten wir sieben Runden vor Schluss je 14 Punkte Vorsprung auf Lausanne und Servette. Aufgestiegen sind aber diese beiden Teams…»

Umso mehr geniesst der Romand nun die Zeit, in der in Lugano so etwas wie Fussballeuphorie aufgekommen ist. «Es war beeindruckend, wie viele hundert Tifosi uns nach Luzern begleitet haben», sagt Rey. «Das habe ich hier noch nie erlebt. Der Cupfinal ist im Moment überall ein grosses Thema.»

Auch wenn Rey vor vielen Jahren zu einigen Länderspielen mit der Schweizer Nachwuchsnationalmannschaft gekommen ist, so sind der Aufstieg im letzten Jahr und der Cupfinaleinzug seine bisherigen Karrierehighlights. Mit Lugano weiterhin in der Super League zu spielen, ist sein ganz grosser Wunsch. «Denn im Tessin zu leben, ist das Paradies», sagt Rey.