Andrej Schewtschenko, kann Gianni Infantino die Fifa rehabilitieren?

Andrej Schewtschenko: Das ist natürlich eine schwierige Aufgabe. Die Fifa hat in den vergangenen Jahren eine Menge Glaubwürdigkeit und Ansehen verloren. Wegen der Korruptionsskandale ging es zuletzt nicht mehr um Fussball, es ging nur noch um Politik. Gianni ist der richtige Mann, um den Sport wieder ins Zentrum zu rücken.

Ist er das? Infantino repräsentiert das alte System.

Er steht uns Spielern näher als jeder andere Kandidat. Ich kenne Gianni seit 15 Jahren. Wir sehen ihn bei den Auslosungen, wir sehen ihn in den Stadien. Diese Nähe tut gut. Er wird das System ändern. Wir sind nach Zürich gekommen, um für einen sauberen Sport zu werben.

Wie gefällt Ihnen der Fussballer Infantino?

Sagen wir es so: Er ist nicht gerade grossartig (schmunzelt). Wichtiger ist ohnehin, dass er weiss, wie man die Fifa in den kommenden vier Jahren verbessert. Gianni hat die Fähigkeiten dafür.

Sie waren Captain der ukrainischen Nationalteams und sind seit Februar Co-Trainer. Wie gehen Sie mit dem Krieg im Osten des Landes um?

Wie wir alle: Wir warten und hoffen. Uns bleibt nichts anderes übrig. Hoffentlich wird sich die Situation in ein, zwei Jahren wieder verbessern.

Wie kann die Fifa helfen?

Sie investiert in Fussballplätze und Jugendeinrichtungen. So kann die Fifa den Jungen helfen, von den Strassen zu kommen. Aber viel wichtiger ist das Spiel. Fussball gibt den Menschen in der Ukraine Kraft und Inspiration. Es ist toll, dass es das Team zur Europameisterschaft nach Frankreich geschafft hat, diesen Stolz spüre ich jeden Tag. Die Menschen lieben Fussball – weil es keine Politik ist.