Fussball
Am Samstag beginnt die Meisterschaft: Wer startet am besten?

Die meisten Experten erwarten auch in der Saison 2013/14 nichts anderes als den Meister aus Basel. Doch gerade in der Startphase nutzen oft viele Aussenseiter ihre Chancen - wer überrascht in diesem Jahr?

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Die Meistermannschaft des FC Basel mit dem Meisterkübel – am Anfang einer langen Partynacht.GEORGIOS KEFALAS/Keystone

Die Meistermannschaft des FC Basel mit dem Meisterkübel – am Anfang einer langen Partynacht.GEORGIOS KEFALAS/Keystone

Am Samstag, 13. Juli beginnt die 117. Fussballmeisterschaft der Schweiz. Gleich zum Auftakt muss Aufsteiger Aarau beim Meister FC Basel antreten. Ebenfalls viel Spannung versprechen die Duelle zwischen St. Gallen und Cupsieger GC sowie YB und Sion. In den restlichen Partien empfangen Luzern Lausanne und der FCZ Thun. Die Nordwestschweiz wagt fünf Tage vor Saisonstart einen Formcheck der 10 Mannschaften.

FC Basel

Es gehört schon fast zur Tradition, dass die Bebbi verhalten in eine Saison steigen und den Turbo erst im Herbst zünden. Einiges spricht dafür, dass dies heuer anders ist. Noch hat der FCB keinen Leistungsträger abgeben müssen - sicher scheint nur der baldige Abgang von Innenverteidiger Aleksandar Dragovic. Quintessenz: Murat Yakin kann auf die gleiche, eingespielte Mannschaft zählen wie in der letzten Saison. Wenn auch noch Raul Bobadilla durchstartet und den Baslern die Verpflichtung von Matias Delgado gelingt, dürften sie von Beginn weg kaum zu bremsen sein auf dem Weg zum fünften Titel in Serie.
Testbilanz: 4 Spiele, 4 Siege
Startbereit: zu 80 Prozent

Grasshoppers Zürich

Der plötzliche Abgang von Erfolgstrainer Uli Forte hat das Team geschockt. Fraglich ist, wie schnell sich die „Zürcher Rasselbande" auf den deutschen Michael Skibbe einstellen kann. Dieser hat bislang vor allem dort Erfolg gehabt, wo ihm eine Mannschaft aus gestandenen Profis zur Verfügung stand. Wenn Johan Vonlanthen sein grosses Potenzial abruft, kann er Steven Zuber (nach Moskau) ohne Substanzverlust für GC ersetzen. In den Testspielen machten die Hoppers einen zwiespältigen Eindruck: Auf Kantersiege gegen unterklassige Gegner folgte ein harmloser Auftritt beim 0:1 gegen Roter Stern Belgrad.
Testbilanz: 8 Spiele, 5 Siege, 1 Unentschieden und 2 Niederlagen
Startbereit: zu 60 Prozent

St. Gallen

Mit sechs Neuzugängen, die allesamt das Potenzial zum Stammspieler haben, neigt man schnell dazu, die St. Galler als Transfersieger zu bezeichnen. Wenn da nicht der Verlust von Oscar Scarione wäre: Der Topskorer der letzten Saison, der den Aufsteiger praktisch im Alleingang in die Europa League geschossen hatte, verabschiedete sich in die Türkei. Ihn 1:1 ersetzen kann keiner der Neuen; St. Gallen muss darauf hoffen, dass die neuen Offensivspieler den Verlust zusammen auffangen. Viele neue Spieler bedeutet gleichzeitig viel Integrationsarbeit. Zudem dürften die Leistungsträger der letzten Saison ihre Stammplätze nur sehr widerwillig abgeben eine Belastungsprobe für den Teamgeist. Doch das Team von Trainer Jeff Saibene hat schon in der Rückrunde der letzten Saison überrascht, als es den von vielen Seiten prognostizierten Einbruch verhindern konnte und am Schluss auf dem hervorragenden 3. Platz landete.
Testbilanz: 5 Spiele, 3 Siege, je 1 Niederlage und Unentschieden
Starbereit: zu 50 Prozent

FC Zürich

Kurz vor Saisonbeginn hat der FCZ seinen gefährlichsten Offensivspieler Josip Drmic an die Bundesliga (zu Nürnberg) verloren. Auf der Habenseite stehen die Zuzüge des neuen Abwehrchefs Alain Nef (von YB), Stürmer Franck Etoundi (St.Gallen) und Mittelfeldspieler Avi Rikan (Jerusalem). Zudem konnten die Talente Berat Djimsiti und Loris Benito gehalten werden. Wie bei Meister Basel darf man auch in Zürich darauf hoffen, dass eine eingespielte Mannschaft schnell Tritt fasst.
Testbilanz: 5 Spiele, 2 Siege, 3 Niederlagen
Startbereit: zu 70 Prozent

FC Thun

Mit Renato Steffen (zu YB) und Muhamed Demiri (St. Gallen) haben zwei absolute Leistungsträger die Berner Oberländer verlassen. Die Mittel, die beiden gleichwertig zu ersetzen, sind bei Thun schlicht nicht vorhanden. Die Neuzugänge Sekou Sanogo (von Lausanne) und Martinez (von YB) dürften es schwer haben, gleich eine tragende Rolle zu spielen. Was für die Mannschaft von Trainer Urs Fischer spricht: So oder ähnlich präsentierte sich die Situation vor dem Saisonauftakt schon oft. Und noch immer hat sie es geschafft, die düsteren Prophezeiungen zu widerlegen und die Saison praktisch jederzeit ohne Abstiegsgefahr zu bestreiten. Überzeugt hat Thun in den Testspielen.
Testbilanz: 7 Spiele, 6 Siege, 1 Unentschieden
Startbereit: zu 60 Prozent

FC Sion

Deutlich am längsten ist die Liste der Ab- du Zugänge bei den Wallisern. Gattuso weg, Gelson weg, Adailton weg, Dingsdag weg, Margairaz weg, Lafferty weg = viel Substanz weg. Können die vielen jungen Neuzugänge die Lücken stopfen? Es würde überraschen, wenn ja. Prominentester Zuzug ist Beg Ferati, der ehemalige Basler und in der Bundesliga gescheiterte Innenverteidiger. Präsident Christian Constantin hat im „Blick" das Versprechen abgegeben, Trainer Michel Decastel bis zum Ende der Saison nicht zu entlassen. Realistischer ist: Die Walliser müssten sensationell gut aus den Startlöchern kommen, wenn Decastel nur schon bis im Herbst Trainer bleiben sollte.
Testbilanz: 3 angegebene Spiele, 1 Sieg, 1 Niederlage, 1 Unentschieden
Startbereit: zu 30 Prozent

Young Boys

Uli Forte - er soll die Hauptstädter endlich aus dem Tal der Tränen führen. Die Vorbereitung verlief bislang verheissungsvoll. Der Teamspirit ist gewachsen, das aufgeblähte Kader kleiner geworden. Mit Steve von Bergen hat YB zudem nach langem wieder einen Abwehrchef, der diese Bezeichnung verdient. Man darf in Bern jetzt nur nicht den Fehler machen, schon wieder vom Meistertitel zu träumen. Der darf, verläuft alles nach Plan, frühestens in zwei Jahren ein Thema sein. Bei den YB-Fans ist dieses Verständnis vorhanden, sie verlangen vom neuen Trainer zu Beginn eine neue Spielkultur mit attraktivem Offensivfussball und eine homogene Einheit.
Testbilanz: 7 Spiele, 2 Siege, 2 Unentschieden, 3 Niederlagen
Startbereit: zu 60 Prozent

FC Luzern

„Wir sind bereit", sagt Goalie und Captain David Zibung. Viel frischer Wind bläst jedenfalls dem entgegen, der einen Abstecher rund um die swisspor Arena unternimmt. Ein Verdienst der neuen sportlichen Leitung um Sportchef Alex Frei und Trainer Carlos Bernegger. Einen Kracher haben die Innerschweizer nicht verpflichtet, vielmehr wurden laut Frei Spieler unter Vertrag genommen, die ins Team und ins Konzept passen. Gut möglich, dass die Luzerner zu Beginn der Saison dank der Aufbruchstimmung im Verein viele Siege einfahren. Schwieriger dürfte es werden, mit der bescheidenen Kadersubstanz diese zu bestätigen.
Testbilanz: 5 Spiele, 5 Siege
Startbereit: zu 70 Prozent

Lausanne

Die Waadtländer werden in der kommenden Saison den Status der grauen Maus wohl endgültig von Thun übernehmen. Dazu trugen auch die Transfers bei: Bekanntester Neuzugang ist Fambrizio Zambrella, dereinst als grösstes Talent des Schweizer Fussballs gehandelt und schon länger in der Versenkung verschwunden. Lausanne gilt neben Aufsteiger Aarau als grösster Abstiegskandidat und dürfte von Anfang an um jeden Punkt hart kämpfen müssen.
Testbilanz: 4 Spiele, je 2 Siege und Niederlagen
Startbereit: zu 40 Prozent

FC Aarau

Zu unvernünftigen Verzweiflungstaten hat sich der Aufsteiger auf dem Transfermarkt nicht hinreissen lassen. Aber: Mit Gonzalez (von YB), König (Bellinzona), Mouangue (Will), Martignoni (Locarno) und Eigengewächs Teichmann ist die Substanz der Mannschaft nur wenig grösser geworden. Zumal mit Silvan Widmer der wichtigste Spieler der letzten Saison zu Udinese gewechselt hat. Aarau darf darauf hoffen, dass die Gegner den Aufsteiger in der Anfangsphase unterschätzen. Nur wenn der Teamgeist intakt bleibt, sich keine Leistungsträger verletzen und noch ein treffsicherer Stürmer geholt wird, ist der Klassenerhalt ein realistisches Ziel.
Testbilanz: 5 Spiele, 5 Siege
Startbereit: zu 60 Prozent