Super League
Als Edeljoker will die Mauer beim FC Basel brillieren

In den nächsten Wochen darf Altmeister Walter Samuel endlich auch auf dem Platz wichtig sein. Nötig hätte er es schon lange nicht mehr. Doch der FC Basel bietet Samuel, was diesen schon immer angetrieben hat: die Freude am Fussball.

Sebastian Wendel
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Stammspieler Daniel Hoegh fehlt verletzt - die Chance für Walter Samuel, in der Innenverteidigung zu glänzen.

Stammspieler Daniel Hoegh fehlt verletzt - die Chance für Walter Samuel, in der Innenverteidigung zu glänzen.

Keystone

So kann man sich täuschen. «Il muro» rufen sie Walter Samuel. Die Mauer. Das suggeriert Abgrenzung. Kälte. Härte. Und vielleicht auch ein bisschen Boshaftigkeit. Doch Samuel ist alles andere.

Ja, Samuel spricht kein Wort zu viel, und doch suchen die jungen Spieler Rat bei ihm, hat er immer ein offenes Ohr für sie und hilft. Ja, er ist ein Verteidiger, der wehtun kann, aber es ist für ihn selbstverständlich, sich beim Gegner zu entschuldigen. Ja, Samuel erinnert mit dem Bart, der Glatze, den zu Schlitzen verengten Augen und den zusammengepressten Lippen an einen Bösewicht, dabei ist er für seine Familie der liebste Vater, den man sich vorstellen kann.

In Basel auf dem Boden geblieben

Seit der Argentinier vor gut einem Jahr in Basel unterschrieben hat, ist man dort von ihm beeindruckt. Erst einmal, weil er sich mit 37 Jahren und einer Weltkarriere im Rücken die Super League antut. Ein paar Sonderwünsche hier, einige Extrawürste dort, die würden sie dem Champions-League-Sieger und sechsfachen italienischen Meister gönnen in Basel.

Doch er will behandelt werden wie jeder andere Spieler auch und gab dies von Anfang an so zu verstehen. Im Herbst 2014 hatte Samuel ein schlechtes Gewissen, Lohn zu erhalten, obwohl er praktisch die komplette Hinrunde wegen einer Knieverletzung verpasst hatte. Als bei der Meisterfeier die Teamkollegen «muro, muro, muro» skandierten, war Samuel peinlich berührt und grinste verlegen.

Ein Mann, der sich wohlfühlt

Samuel ist in die Schweiz gekommen, weil sich ihm, seiner Frau und seinen Kindern die Möglichkeit bot, nach Argentinien, Italien und Spanien ein neues Land zu entdecken. Auf den sozialen Netzwerken dokumentieren die Ehefrau und die Tochter jeden Familienausflug und sagen: Uns gefällts hier.

Über allem stand jedoch, dass Samuel beim FC Basel weiterhin tun konnte, was er seit Kindesbeinen am liebsten tut: Fussball spielen. Mit den Teamkollegen Zeit verbringen. Neue Stadien erkunden. Es gefiel Samuel, bei heftigem Schneefall in Münsingen mitzuhelfen, dass sich der FCB für die Cupviertelfinals qualifiziert. Er spielte auf dem umgepflügten Sportplatz Sandreutenen mit dem gleichen Engagement wie einige Monate zuvor auf dem heiligen Rasen an der Liverpooler Anfield Road.

Die Wahl zu bleiben

All die Erfahrungen, die sie mit Samuel gemacht haben, hat die Basler Verantwortlichen dazu bewogen, ihm das zuzugestehen, wovor er sich so sehr scheut: eine Sonderstellung. Er allein konnte darüber entscheiden, ob er ein Jahr länger bleiben würde oder nicht. Samuel wollte. Nicht des Geldes wegen. Davon hat er bei der AS Roma, bei Real Madrid und bei Inter Mailand genug verdient.

Sondern weil er nicht zufrieden war mit seinen Leistungen im ersten Jahr beim FCB. Er wollte ein wichtiger Spieler sein – nicht nur neben dem Platz, wo er für seine Professionalität bewundert wird und ein perfektes Vorbild für die Jungen ist. Nein. Er wollte endlich auf dem Platz etwas zurückgeben.

Abwesenheit bietet Chance

Nun ist der Zeitpunkt gekommen: Stamm-Innenverteidiger Daniel Hoegh hat sich verletzt und fällt mehrere Wochen aus. Manuel Akanji ist ein Talent, aber regelmässige Einsätze auf Super-League- und Europacup-Niveau kommen für den 20-Jährigen zu früh. Und Michael Lang will Trainer Urs Fischer nicht abziehen von der Aussenbahn: «Jeder Spieler hat seine präferierte Position – und dort setze ich ihn auch ein.»

Ein Fall also für Walter Samuel. Er könnte für den FCB zum Trumpf werden. So wie am Donnerstag gegen Lech Posen, als er mit einem fulminanten 40-Meter-Pass auf Torschütze Birkir Bjarnason glänzte. Und seine schwindende Schnelligkeit vermag er in der Liga locker mit seiner Routine zu kaschieren.

Auch die Befürchtung, das Sonntagsspiel gegen den FCZ käme zu früh für die schweren Beine, bestätigte sich nicht. Der Trainer, einst selber Innenverteidiger bis ins hohe Fussballeralter, verrät das Geheimnis: «Die tägliche Freude am Fussball macht die schweren Beine vergessen.»

FCB gegen FCZ: auf der Jagd nach dem zehnten Sieg

Einst galt es als Spitzenspiel. Doch wenn heute der FC Zürich und der FC Basel aufeinandertreffen, dann trennen 20 Punkte die Erzrivalen. Und dies nach nur zehn Spieltagen. Dass es heute Abend sogar 23 Punkte zugunsten des FCB sind,
ist wahrscheinlich. Denn den FCZ und den FCB unterscheidet dieser Tage noch mehr als die Anzeige auf dem Punktekonto: Etwa die Frage, ob der aktuelle Trainer auch der richtige ist. Während Sami Hyypiä den Beweis, zum FCZ zu passen, noch nicht erbracht hat (2 Remis, eine Niederlage), hat Urs Fischer mit dem FCB den besten Saisonstart seit über zehn Jahren hingelegt. Und peilt heute einzig und allein den zehnten Sieg im elften Saisonspiel an. Fischer: «Ich will, dass die Jungs im Letzigrund alles herausholen, was noch im Motor drin ist.» Müde ist er ob der ewigen «FCZ-Kind trainiert FC Basel und kehrt jetzt in sein Wohnzimmer zurück»-Leier. Fischer: «Der FCZ ist nun mal meine Vergangenheit – aber das Thema hatten wir genug. Und ich habe jetzt doch schon einige Spiele gegen den FCZ bestritten.» (wen)

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