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Als das Zürcher Stadtderby noch mehr als ein Spiel war

Heute Samstag steht das nächste Spiel der Grasshoppers gegen den FC Zürich an. Ein Blick zurück in die Vergangenheit zeigt, wie sehr sich die Stadtderbys im Vergleich zu früher verändert haben.

Nicola Imfeld
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Für diesen GC-Fan zählt nur eines.

Für diesen GC-Fan zählt nur eines.

KEYSTONE

Dass in Zürich nur GC oder der FCZ zählt, ist schon bei der Einfahrt in den Zürcher Hauptbahnhof augenfällig. Überall sind FCZ-Graffiti und GC-Aufkleber zu sehen. Wenn man den Hauptbahnhof verlässt, wird aber augenscheinlich, dass in den Strassen der Stadt Zürich die FCZ-Sujets dominieren. Mit dem Auszug des Rekordmeisters im Sommer 2005 nach Niederhasli ging auch der direkte Bezug von GC zur Stadt etwas verloren.

Auf den Strassen treffen wir viele Anhänger des FCZ, des Cupsiegers von 2014 an. Birsad aus Zürich ist einer von ihnen, er steht bereits seit Kindheitstagen in der Südkurve. Die Derbys sind für ihn die wichtigsten Spiele der Saison. «Zürich ist schliesslich ‹unsere› Stadt, klar wollen wir dann auch das Derby gewinnen.»

Im alten Stadion war es besser

Heute Samstag ist es wieder so weit. Es ist «Derby-Time» in Zürich. Dass die Stadtzürcher Duelle interessieren, zeigt sich anhand der Zuschauerzahlen. 19 200 Zuschauer verfolgten den 3:1-Sieg des FCZ im Oktober. Zum Vergleich: im Schnitt kommen nur 9800 an die Spiele des Drittplatzierten. Bei GC sind es gar noch weniger, nur 6700 Zuschauer besuchen die Spiele des Rekordmeisters.

Trotz der gutbesuchten Stadtduelle hat sich die Atmosphäre an den Spielen verändert. Die Hauptschuld trägt das Letzigrund-Stadion, das sieht auch Ex-GC Spieler Marco Schällibaum (52) so: «Das Hauptproblem ist der Letzigrund mit der Leichtathletik-Bahn. Früher im Hardturm kam dank der Nähe der Fans eine richtige Derbystimmung auf», sagt er.

Schällibaum gewann mit GC zwischen 1980 und 1985 dreimal die Schweizer Meisterschaft und einmal den Cup. Wenn er heute ins Stadion geht, will er in erster Linie ein attraktives Fussballspiel sehen. «Aber ich freue mich, wenn GC gewinnt, schliesslich habe ich viele Jahre dort verbracht.»

Schällibaum ist in den Derbys mehrfach auf Walter Seiler (60) getroffen. Seiler spielte vier Jahre lang (1979–1983) für den FC Zürich. Auch für ihn war das Derby nicht ein Spiel wie jedes andere. «Das Interesse der Fans und der Medien war gewaltig, daher war das Spiel ein spezielles. Heute ist das aber anders, die Presse berichtet nicht mehr so ausführlich über das Derby wie früher», sagt Seiler.

Damals seien in einem Stadtduell viele Gehässigkeiten und Aggressivität im Spiel gewesen. Die Spieler hätten gekämpft bis zum Umfallen und stellten die eigenen Ansprüche in den Hintergrund. Heute gehe man nach dem Spiel zusammen in den Ausgang oder gar in die Sommerferien. Seiler hat das noch anders erlebt. «Auf dem Feld haben wir gefightet bis zum Letzten und kannten kein Pardon und privat haben wir uns nie getroffen.»

Kein Gruss für den Gegner

Auch Thomas Niggl (62) hat die Spiele gegen den FCZ in guter Erinnerung. Er kommt noch heute ins Schwärmen, wenn er von den Begegnungen in den 70er-Jahren erzählt. «Diese Spiele waren immer etwas ganz Besonderes, es ging um die Vorherrschaft in Zürich. Heute sind leider weniger Emotionen im Spiel.»

Die Derbys seien in dieser Zeit die wichtigsten Spiele für die Zürcher Vereine gewesen. Mit den Spielern des Stadtrivalen hatte Niggl, der von 1972 bis 1980 die blau-weissen Farben trug, eine professionelle Beziehung, allerdings erst nach einiger Zeit. «Zu Beginn grüssten wir uns nicht einmal auf der Strasse.»

Einer, der die Derbys ebenfalls sehr gut kennt, ist der heutige U21-Trainer von GC. Boris Smiljanic (38) lief 15 Jahre für die Hoppers auf. Für ihn wurden die Spiele durch die Fans geprägt. «Sie haben uns an den Derbys immer super unterstützt.» Smiljanic drückt GC die Daumen. «Das würde ich auch, wenn ich nicht vom Verein angestellt wäre. GC ist mein Verein.»

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