Super League
Alex Frei beendet nach 643 Minuten seine Tor-Impotenz

Im dritten Spiel unter Murat Yakin gewinnt der FC Basel erstmals – und das ausgerechnet beim Erzrivalen. Das 2:1 beim FC Zürich soll ein weiterer Schritt zur Besserung sein beim Meister. Für Alex Frei war es der Schlussstrich unter das Minutenzählen.

Sebastian Wendel, Zürich
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Die Erleichterung ist Alex Frei nach seinem Treffer anzusehen.

Die Erleichterung ist Alex Frei nach seinem Treffer anzusehen.

Keystone / Walter Bieri

Marco Streller, der Captain des FC Basel, sah es kommen. «Ich verspreche Ihnen allen, dass wir schon bald wieder Spiele gewinnen werden», sagte er am Freitag vor den wenigen mitgereisten Journalisten. Streller sagte es am Budapester Flughafen, eine Nacht nach dem mit 1:2 verlorenen Europa-League-Spiel beim FC Videoton.

Angekündigter Sieg

Zwei Tage, genau gerechnet 54 Stunden später, traf Strellers Vorhersage ein. Der 2:1-Sieg beim FC Zürich ist der erste unter dem vor zwei Wochen eingestellten Trainer Murat Yakin. Und weil er im Heimstadion des Erzrivalen errungen wurde, schmecken die drei Punkte doppelt süss. «Ich hoffe, dass das die Initialzündung für die Aufholjagd war», sagte Fabian Schär. Der im Sommer von Wil geholte Innenverteidiger ebnete mit seinem Kopfballtor nach sechs Minuten früh den Weg zum FCB-Erfolg.

Es war Schärs dritter Saisontreffer. Was insofern bemerkenswert ist, da der 20-Jährige erst das vierte Mal von Beginn an spielte und für drei der letzten sechs FCB-Tore verantwortlich zeichnete. Alle drei Treffer fielen nach dem gleichen Muster: Schär begibt sich bei einer Standardsituation nach vorne, setzt sich im Luftkampf durch und trifft per Kopf. «Als grosser Verteidiger bin ich prädestiniert, bei stehenden Bällen nach vorne zu gehen.» Schärs Kommentar zu seinen Treffern fiel trocken aus. Genau so spielt er auch. Unauffällig, abgeklärt und ohne unnötige Fehler. Murat Yakin, früher selber Innenverteidiger, attestiert der Basler Nummer 16 gar das Potenzial zum Abwehrchef.

Rettung in letzter Minute

Nach seinem Führungstor trug Schär ein zweites Mal entscheidend zum Sieg bei. Es lief die Nachspielzeit, als er einen von Yann Sommer abgewehrten Ball im letzten Moment über die Latte spedierte. Vor Zürichs Berat Djimsiti, der ohne Schärs Intervention in letzter Sekunde wohl den Ausgleich zum 2:2 markiert hätte.

Es ist Schärs Pech – oder das Glück des FCB –, dass er trotz seiner Klasseleistung im Schatten eines Teamkollegen stand. Von keinem Geringerem als Alex Frei. Basel litt in den letzten Wochen merklich unter der Torkrise des letztjährigen Topskorers. Frei liess in der Super League seit dem 24. Juli Woche für Woche beste Chancen aus.

Gestern nun stoppte die «Torlos-Uhr» – nach 643 Minuten. Ein Corner von Valentin Stocker landete via Philipp Degen und dem Bein eines FCZ-Verteidigers bei Frei, der in Torjäger-Manier vor der Linie wartete und den Ball nach knapp einer halben Stunde zum 2:0 einschoss. Der Jubel war emotional und bis auf die Tribüne zu hören. Freis Worte nach Spielschluss um einiges ruhiger. «Klar ist es irgendwo befreiend, wieder zu treffen, und dass das Minutenzählen aufhört. Aber ich hatte immer meine Möglichkeiten. Wäre das nicht so gewesen, hätte es mich stärker beschäftigt.»

Spezieller linker Flügel

Vielleicht hatte auch Yakins taktischer Schachzug, indem er Alex Frei anstatt im Sturmzentrum am linken Flügel aufstellte, Einfluss auf dessen zurückgekehrte Treffsicherheit. Yakin hatte angetönt, aus Frei mit einem Positionswechsel etwas herauskitzeln zu wollen. Tatsächlich lag es nicht nur am Tor, dass Alex Freis Leistung ein «Gut» verdiente. Auf der neuen Position wirkte er integrierter als zuletzt ins Basler Spiel, spritzig und lauffreudig. Von links trat er auch den Freistoss, der zu Fabian Schärs 1:0 führte. «Man sagt ja, dass der Goalie und der linke Flügel etwas speziell sind. Von daher passt das schon», sagte Frei.

Sein Trainer nahm seinen ersten Sieg im neuen Amt zufrieden zur Kenntnis, verwies aber auf «viel Arbeit, die wir noch vor uns haben». Gefallen habe ihm die Konzentration, mit der seine Spieler bis zur letzten Minute zu Werke gegangen seien.

Mehr Potenzial zur Analyse hatte das gestrige Spiel zwischen dem Tabellensiebten und -vierten nicht. Was an der dünnen Schneedecke auf dem Rasen im Letzigrund lag. Spielzüge über mehrere Stationen, daran durften die 22 Akteure gar nicht erst denken. Vielmehr waren Kampf und Effizienz bei Standardsituationen gefragt. Stehende Bälle waren das einzig Planbare. Kein Zufall also, dass alle Tore so fielen. Auch der Anschlusstreffer in der 87.Minute, den Zürichs Mario Gavranovic per Foulpenalty erzielte.

Erst da erwachte der FCZ aus seinem Winterschlaf und kam dem 2:2 sehr nah. Ein Punkt wäre dem Heimteam jedoch zu viel Lohn gewesen für eine Leistung, die auch unter Berücksichtigung der schlechten Wetterverhältnisse äusserst dürftig ausfiel.