Markus Brütsch

Zwei Jahre nach dem arroganten Roberto Rosetti (Schweiz-Tschechien, EM 2008) hat die Schweiz ein neues Schiedsrichter-Feindbild: Khalil Al Ghamdi. Der Mann aus Saudi-Arabien, der Valon Behrami nach einem vermeintlichen Ellbogenschlag gegen den schauspielernden Chilenen Arturo Vidal vom Platz gestellt und später das Siegtor der Südamerikaner durch Mark Gonzalez trotz einer vorausgegangenen Offsideposition von Paredes anerkannt hat. Einer hauchdünnen Offsideposition allerdings.

Wer aber ist dieser Khalil Al Ghamdi? Gibt es überhaupt einen Schweizer, der diesen Manni kennt? «Ja, Al Ghamdi ist mir natürlich ein Begriff», sagt JeanMarie Conz. Der Jurassier und frühere YB-Captain hat lange Jahre für die Fifa in Saudi-Arabien gearbeitet. «Ich habe ihn als sehr guten Schiedsrichter kennen gelernt», sagt Conz. «Al Ghamdi wird im ganzen Land geschätzt und von allen akzeptiert.» Conz ist sich sicher, dass der Schiedsrichter die angebliche Tätlichkeit von Behrami gar nicht gesehen, sondern den Schweizer einzig aufgrund der Intervention seines Assistenten vom Platz gestellt hat.

Der Lehrer Al Ghamdi aus Jeddah pfeift seit 1996 in der saudischen Profiliga und ist seit 2003 Fifa-Schiedsrichter. Er war unter anderem 2005 bei der U20-WM in Holland und bei der WM 2006 als vierter Offizieller im Einsatz; dazu wurde er in diesem Jahr für den Afrika-Cup in Angola aufgeboten. Regelmässig kommt er auch in der asiatischen Champions League zum Zug. Die grösste Herausforderung für einen Schiedsrichter seien die psychischen und die physischen Ansprüche, sagt Al Ghamdi.

Der 39-Jährige hat den Ruf, viele gelbe Karten zu verteilen. Neben der roten Karte gegen Behrami zückte er gestern sechs gelbe für die Chilenen und drei für die Schweiz. Exakt diese Bilanz schaffte er bereits beim Asien-Cup-Qualifikationsspiel zwischen den Emiraten und Oman. Ein Blick auf seine letzten Einsätze in der AFC Chamions League bestätigt das Bild: Beim Spiel zwischen Kawasaki und Melbourne verwarnte er acht Akteure und stellte zwei vom Platz, bei Peking-Seongham waren es sechs gelbe und zwei rote Karten.

Urs Meier, der frühere Schweizer Spitzenschiedsrichter und heutige Chef Ressort Oberliga, sagte zur gestrigen Leistung von Al Ghamdi: «Die rote Karte war nicht angebracht. Behramis Aktion war keine Tätlichkeit.» Christian Gross, Trainer des VfB Stuttgart, sagte indes: «Behramis Hände haben dort oben (am Hals des Gegners: die Red.) nichts zu suchen. Der Entscheid war vertretbar.»