WM 2018
Admir Mehmedi verzichtet auf WM: «Es war eine Entscheidung des Kopfes»

Admir Mehmedi verpasst die WM-Endrunde in Russland. Der Stürmer von Wolfsburg fehlt nicht ganz unerwartet im 26-Mann-Kader, das sich ab Sonntagabend im Tessin auf die Endrunde vorbereitet. Mehmedi ist nach einem Bänderriss im Fuss noch nicht fit.

Merken
Drucken
Teilen
Vladimir Petkovic im Gespräch mit Admir Mehmedi

Vladimir Petkovic im Gespräch mit Admir Mehmedi

KEYSTONE/WALTER BIERI

Nationalcoach Vladimir Petkovic liess bereits Anfang Woche in Feusisberg während des Stages mit Ausland-Professionals durchblicken, dass die Zeit für Admir Mehmedi nicht reichen dürfte. "Die Spieler müssen ziemlich schnell vollumfänglich belastbar sein", sagte er. Nach den drei Trainingstagen am Zürichsee ist klar, dass Mehmedi diese Vorgabe frühestens in rund drei Wochen hätte erfüllen können.

Deshalb entschied Mehmedi selber, auf die Endrunde zu verzichten: "Es war ein Entscheid des Kopfes, nicht des Herzens. Ich spürte einfach, dass ich dem Team kaum das bringen kann, was es von mir erwarten darf, zumal an einer Weltmeisterschaft. Wer immer meinen Platz einnehmen wird, bin ich mir sicher, er passt in das Team."

Fabian Schär
26 Bilder
Granit Xhaka
Xherdan Shaqiri
Nati-Captain Stephan Lichtsteiner mahnt: "Zurücklehnen kommt nicht infrage."
Yann Sommer
Manuel Akanji: Bringt Nati Glück Hat den Sprung zu Borussia Dortmund geschafft und damit eine gute Saison hinter sich. Er kam in ein krisengeschütteltes Team und stellte seinen Mann. Mit ihm hat die Nati in fünf Partien noch kein einziges Tor kassiert.
Johan Djourou: Am Ende okay Sein Wechsel in die Türkei zu Antalyaspor schien wegen Unruhen im Klub und einer dreimonatigen Verletzungspause unter keinem guten Stern zu stehen. Ab Mitte März stand Djourou aber stets in der Startformation. Immerhin.
Ricardo Rodriguez: Titular bei Milan Der 25-Jährige war bei der grossen AC Milan während der ganzen Spielzeit Titular und darf persönlich mit 47 Pflichtspieleinsätzen und vier Toren auf eine ordentliche erste Saison in der Serie A zurückblicken. Hat aber Luft nach oben.
Valon Behrami: Geringes Pensum Stand wegen diverser Verletzungen nur ein Drittel so lang auf dem Platz wie Rodriguez. Sorgte wegen seiner Liaison mit Skistar Lara Gut aber ohnehin für mehr private Schlagzeilen als für berufliche. Wie fit ist er für die WM?
Denis Zakaria: Wie Xhaka Ist bei Mönchengladbach gleich in seiner ersten Saison erfolgreich in die grossen Fussstapfen von Granit Xhaka getreten. Nicht nur wegen der elf gelben Karten… Er hat den Deutschen mit seiner Härte mächtig imponiert.
Blerim Dzemaili: Torflaute Er hat in der Major League Soccer bei Montreal als torgefährlicher Mittelfeldspieler eingeschlagen, ist im Winter aber zu Bologna in die Serie A zurückgekehrt. Gespielt hat er zwar fast immer, aber nur noch einmal getroffen.
Remo Freuler: Der Dauerbrenner Zweieinhalb Saisons spielt Aufbauer Remo Freuler seit seinem Wechsel von Luzern zu Atalanta Bergamo nun schon in der Serie A. Er ist zum absoluten Dauerbrenner geworden und hat die zweitmeisten Ligaeinsätze des Teams.
Steven Zuber: Form verloren Nach einem starken Start in die Bundesligasaison mit Hoffenheim und vielversprechenden Leistungen in der Nati verlor Zuber seine Form und sass in der Liga ab Februar in 14 Spielen 9 Mal durchgehend auf der Ersatzbank.
Haris Seferovic: Ohne Spielpraxis Nach dem tollen Saisonstart mit drei Toren ging es für den Stürmer bei Benfica rasant bergab. Auch als sich Toptorschütze Jonas verletzte, blieb Seferovic zweite Wahl. Er kommt ohne Spielpraxis und Selbstvertrauen zur Nati.
Mario Gavranovic: In Torlaune In der letzten Saison mit Rijeka Meister geworden, in dieser Spielzeit nach dem Transfer im Winter mit Dinamo Zagreb: Es läuft bei Gavranovic. 15 Ligatore hat er geschossen: 8 für Dinamo, 7 für Rijeka. Und es folgt noch der Cupfinal.
Breel Embolo: Nur 2x 90 Minuten Nach der unglücklichen ersten Saison mit der schweren Verletzung liess Embolo bei Schalke eine durchzogene zweite Spielzeit folgen. Nur zweimal kam er in der Bundesliga über 90 Minuten zum Einsatz. Seine Fitness ist ein Fragezeichen.
Roman Bürki Manchmal war er beim BVB Welt-, manchmal Kreisklasse. Legte sich mit den Fans an.
Yvon Mvogo Eine Saison zum Vergessen: Durfte für Leipzig nur ein Mal das Tor hüten.
Gregor Kobel Das 20-jährige Goalietalent wird in Hoffenheim aufgebaut. Spielte 8x in der Regionalliga.
Nico Elvedi Erst 21-jährig, ist der Verteidiger bereits ein echter Leistungsträger von Gladbach.
Michael Lang Schoss als Verteidiger in 44 Spielen 10 Tore für den FCB. Seit Mitte März keines mehr.
Silvan Widmer Obwohl erst 25-jährig, hat er schon fünf Saisons für Udinese bestritten. 17/18: 24 Spiele.
François Moubandje Spielte zu Beginn immer, danach selten. Muss mit Toulouse in die Abstiegsbarrage.
Gelson Fernandes Sah den Cupsieg der Eintracht im Anzug, weil gesperrt. 19 Ligaspiele.
Edimilson Fernandes Hatte bei West Ham viel Verletzungspech. Erst in den letzten Wochen voll im Einsatz.
Josip Drmic Musste viel leiden. Doch er biss sich bei Gladbach durch und schoss noch vier Tore.

Fabian Schär

KEYSTONE/GEORGIOS KEFALAS

Damit endet eine enttäuschende Saison für Stürmer Mehmedi mit einem Tiefpunkt. Im Herbst hatte er bei Bayer Leverkusen den Stammplatz verloren und wechselte im Januar zum VfL Wolfsburg. Mitte Februar erlitt der 27-jährige Zürcher im Spiel gegen Bayern München einen Bänderriss im Mittelfuss und musste einen Monat später operiert werden. Seinen letzten Einsatz in der Bundesliga hatte Mehmedi am 10. März.

Das 26-Mann-Kader der Schweiz für die WM

Schweizer WM-Kader für den ersten Teil des Vorbereitungscamps im Tessin. Tor: Yann Sommer (Borussia Mönchengladbach), Roman Bürki (Borussia Dortmund), Yvon Mvogo (RB Leipzig), Gregor Kobel (Hoffenheim); Stephan Lichtsteiner (Juventus Turin), Michael Lang (Basel), Ricardo Rodriguez (Milan), François Moubandje (Toulouse), Manuel Akanji (Borussia Dortmund), Johan Djourou (Antalyaspor), Fabian Schär (La Coruña), Nico Elvedi (Borussia Mönchengladbach), Silvan Widmer (Udinese); Granit Xhaka (Arsenal), Valon Behrami (Udinese), Blerim Dzemaili (Bologna), Remo Freuler (Atalanta Bergamo), Denis Zakaria (Borussia Mönchengladbach), Gelson Fernandes (Eintracht Frankfurt), Edimilson Fernandes (West Ham United); Xherdan Shaqiri (Stoke City), Steven Zuber (Hoffenheim), Breel Embolo (Schalke); Haris Seferovic (Benfica Lissabon), Mario Gavranovic (Dinamo Zagreb), Josip Drmic (Borussia Mönchengladbach).

Ein Tor für die SFV-Chroniken

Mit Mehmedi fehlt an der WM ein Akteur, der in den Planspielen von Petkovic immer eine wichtige Rolle besetzt hat. Er bestritt an der EM vor zwei Jahren alle vier Partien von Beginn weg und stand auch in den Gruppenspielen der WM-Qualifikation in neun von zehn Fällen in der Startformation. Erst in den Playoffs im November gegen Nordirland wurde ihm auf dem linken Flügel Steven Zuber vorgezogen.

Ausserdem ist dem 58-fachen Internationalen Mehmedi ein Eintrag in den SFV-Chroniken sicher. Mit seinem Treffer im EM-Spiel vor zwei Jahren gegen Rumänien wurde er zum ersten Schweizer, dem an einer WM- und EM-Endrunde ein Tor gelang.

Drei werden noch gestrichen

Keine Probleme sehen die Ärzte und Physiotherapeuten des Nationalteams bei Breel Embolo. Zwar hat der Basler die letzten drei Spiele bei Schalke wegen einer Muskelverletzung im Oberschenkel verpasst, doch sollte er schon in einer Woche im Testspiel in Spanien (3. Juni) einsatzfähig sein.

Von den 26 Spielern, welche am Sonntagabend in Lugano ins knapp zweiwöchige Vorbereitungscamp einrücken, werden drei am Tag nach dem Test gegen Spanien aus dem Kader gestrichen. Neben dem vierten Torhüter Gregor Kobel sind die Verteidiger Nico Elvedi und Silvan Widmer sowie Mittelfeldspieler Edimilson Fernandes die grössten Wackelkandidaten.