Super League

Achtzehn Spiele, sieben Geschichten: Die Hinrunde des FC Basel

Basler Jubel im vielleicht wichtigsten Liga-Spiel der Hinrunde: dem 3:0 über YB.

Basler Jubel im vielleicht wichtigsten Liga-Spiel der Hinrunde: dem 3:0 über YB.

Am Sonntag beschliesst der FC Basel in Luzern die Hinrunde der Saison 2019/2020. Ein Ausblick auf die Dernière und ein Rückblick auf sechs entscheidende Partien dieses Halbjahres.

Der erfolgreiche Auftakt in Sion

19. Juli Erst ist der Trainer eigentlich schon weg. Dann bleibt er plötzlich doch, nur um zuzusehen, wie der Sportchef seine Sachen packt und hin- schmeisst. Dann ist einer plötzlich aus dem Captain-Team degradiert und ein anderer vor seiner Nase zum neuen Chef ernannt worden. Und das, nachdem die zwei sich ohnehin etwas entfremdet hatten. In der Summe sind dies nicht unbedingt die allerbesten Vorzeichen für einen Saisonstart, den man auch leichter gestalten könnte als mit einer Reise ins Wallis an einem Freitagabend. Doch allen Unruhen und Unwägbarkeiten im Sommer 2019 zum Trotz zeigt der FC Basel am ersten Spieltag der neuen Super-League-Saison eine Leistung, die Freude machte. Sie bestätigte, dass die positiven Testspielresultate nicht nur Zufall waren und dass es vielleicht doch kein Fehler war, den Trainer zu behalten.

Das ernüchternde Déjà-vu in St. Gallen

27. Juli Basel 1. St. Gallen 2. Schon wieder steht dieses Resultat auf der Anzeigetafel. Schon wieder setzt es gegen die Ostschweizer einen Dämpfer ab. Schon wieder scheint sich zu wiederholen, was in den beiden Vorsaisons der Fall war: Der FCB unterliegt dem FCSG an einem der ersten Spieltage mit 1:2, verliert früh den Anschluss an die Spitze und an YB und muss bereits im Winter den Bernern fast schon zum Meistertitel gratulieren. Wer dieses Resultat am 2. Spieltag mit den beiden Vorjahren verglichen hatte, hatte unweigerlich ein Déjà-vu. Der Weg schien vorgezeichnet. Doch dieses Mal ist es keine Niederlage in Bestbesetzung, sondern eine mit der B-Mannschaft. Die Stammkräfte werden für die Champions-League-Quali geschont. Im Nachhinein ein Schachzug, der sich lohnt. Und eine Niederlage, die zu verkraften ist.

Das grosse Signal in Bern

22. September Es mag Zufall sein. Vielleicht ist er es aber auch nicht und die Swiss Football League mag gewisse Jubiläen einfach gerne. Jenes beispielsweise, an welches der FC Basel mit mindestens tausendprozentiger Sicherheit nicht gerne erinnert worden wäre. Fast exakt auf den Tag genau nach dem desolaten, peinlichen, historischen 1:7 des FCB im Stade de Suisse gegen die Berner Young Boys vom 23. September 2018 steht am 7. Spieltag erneut dieses Duell an. YB gegen Basel, im Stade de Suisse, am zweitletzten September-Wochenende. Natürlich wurde zuvor überall in Bild, Wort und Ton an die Schmach des Vorjahres erinnert. In Basel wurde nur eines gehofft: Dass es bitte, bitte nicht noch einmal ein solches Desaster absetzen möge. Man wollte eine Art Wiedergutmachung ins Auge fassen. Zeigen, dass an diesem schwarzen Tag alles gegen einen lief und man in Wahrheit nie so dermassen weit weg war wie dieses 1:7 oder die 19 Punkte Rückstand am Ende der letzten Saison implizierten.

Und tatsächlich: Der FCB konnte halten, was er sich vorgenommen hatte. Mit einem 1:1 fuhren die Basler nach Schlusspfiff heim. Zufrieden über die sehr frühe Führung durch das Tor von Silvan Widmer in der 5. Minute, glücklich über den einen Punkt. Doch noch viel wichtiger als der Punkt und das Resultat an sich war das Signal, welches das Spiel nach aussen, aber auch nach innen an die Mannschaft sendete: Ja, wir, der FC Basel, können wieder mit dem Meister aus Bern mithalten. Wir können ihn noch nicht an die Wand spielen. Aber: Wir sind langsam wieder auf Augenhöhe. Wir sind wieder da. Oder vielleicht auch noch viel mehr: Wir werden in diesem Jahr wieder um den Meistertitel mitreden und den Konkurrenten aus Bern sicher nicht schon im Winter davon ziehen lassen.

Die Demonstration gegen den FC Zürich

25. September Es hätte durchaus nachvollziehbare Gründe dafür gegeben, wenn beim FC Basel am 8. Spieltag ein gewisser Spannungsabfall und eine gewisse Müdigkeit hätte festgestellt werden können. Nur drei Tage nach dem sowohl physischen als auch mental kräfteraubenden Gastspiel in Bern steht der Klassiker an. Der FCZ ist nicht eben in Hochform, etwas, was den FCB zusätzlich zu einer Prise Nonchalance hätte verleiten können. Aber die Basler erliegen den Verlockungen der Ausreden nicht. Stattdessen schiessen sie den FCZ gleich mit 4:0 aus dem Stadion und zeigen damit innert Wochenfrist und nach dem 5:0 gegen Krasnodar zu Hause erneut, was offensiv in ihnen steckt. Dass die Spielfreude wieder da ist. Und vor allem: Dass der Fussball in Basel und auch unter Marcel Koller wieder Spass machen kann und sich ein Stadionbesuch lohnt.

Der Ausrutscher gegen Servette

23. November Eigentlich hatte der FCB ja hervorragende Erinnerungen an das Stade de Genève. Beim letzten Gastspiel gewannen die Basler den Cup. Gegen Sion. Mit 3:0. Und holten damit das Double. Es war ein Spiel für die Geschichtsbücher. Zu finden im Kapitel: «Sternstunden». Nun, das Gastspiel am 15. Spieltag gegen den Aufsteiger Servette, es wird eher Einzug im Kapitel «Peinliche Ausrutscher» finden. 0:2 unterliegt der FCB den Servettiens. Und ist damit noch sehr, sehr gut bedien. Die Basler legen den blutleersten, inspirationslosesten und fragwürdigsten Auftritt der ganzen Hinrunde hin. Danach verliert auch noch Captain Valentin Stocker die Nerven und sieht Rot. In Basel wird man hoffen, dass dieser Ausrutscher Ende Saison nicht teuer bezhalt werden muss, sondern doch noch ins Kapitel «Randnotizen» rutscht.

Das riesige Ausrufezeichen gegen die Young Boys

1. Dezember Hätte man dem FC Basel vor dem grossen Spitzenspiel gegen die Berner Young Boys vom 16. Spieltag ein Manuskript hingelegt mit jenem Spielverlauf, der sich am Nachmittag des 1. Dezember schliesslich abgespielte, die Basler hätten es mit Sicherheit unterschrieben. Denn was dieses Manuskript beinhaltete, war grandios: ein 3:0-Sieg für den FCB gegen Leader YB, die Verkürzung des Rückstandes auf nur ein Pünktchen, eine Demonstration gegen Berner, die nie, aber wirklich gar nie, Zugriff auf das Spiel fanden, ein Offensiv-Feuerwerk und eine Defensivleistung wie aus dem Lehrbuch. Natürlich gab es kein solches Manuskript, aber der FCB, er spult trotzdem genau diesen Film inklusive Happy End ab. Er holt sich auf eindrückliche Weise gegen erschreckend schwache Berner die so wichtigen drei Punkte und den ersten Sieg seit August 2016 in einem Spiel gegen YB, wenn diese nicht noch leicht angesäuslet von der tagelangen Meisterfeier sind.

Es ist ein Ausrufezeichen für diese Saison, die dank dieses Spiels - und natürlich auch dank den starken St. Gallern, die ebenfalls vorne mitmischen - endlich mal wieder ein ganz heisses und enges Meisterschaftsrennen erleben darf. Und es ist ein Ausrufezeichen auf Dauer. Oder zumindest bis zum 19. Spieltag und der Wiederaufnahme der Super League. Dann nämlich, am 25. oder 26. Januar, gastieren die Basler im Stade de Suisse zum neuerlichen Spitzenkampf. Einem, der an Feuer erneut kaum zu überbieten sein wird. Auch, weil zwei Wochen vor der Winterpause die Nähe gewahrt werden konnte. Hätten die Basler nämlich an diesem 1. Dezember verloren, sie wären schon wieder sieben Punkte zurück gefallen. Aber das sind sie nicht. Und haben damit alles für ein weiteres, spannendes Drehbuch in die Wege geleitet.

Die Dernière beim FC Luzern

15. Dezember Noch rund 90 Minuten in der Luzerner Swissporarena, und dann beschliesst der FC Basel die Hinrunde der Saison 2019/2020 und gleichzeitig das Kalenderjahr. Im besten Fall könnten die Basler am 18. Spieltag YB noch überholen und sich damit die Wintermeisterschaft krallen. Aber auch das Verharren auf dem zweiten Platz mit nur einem Punkt Rückstand wäre eine gutes Ende einer starken Hinrunde. Dazu müsste der zwölfte Sieg im 18. Spiel her, wenn man nicht darauf hoffen will, dass St. Gallen nicht gewinnt und einen plötzlich überholt. Mit dem Schwung aus der Europa League sollte ein Dreier in Luzern aber absolut im Bereich des Möglichen liegen. Das Momentum liegt beim FCB, die Luzerner haben sechs mal in Serie eine Niederlage kassiert und dabei nur gerade drei magere Tore erzielt. Gegen die beste Defensive der Liga wird es für Luzern auch nicht leichter.

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