Achtelfinal-Klassiker: Deutschland trifft auf England

Die Deutschen haben das erstmalige Ausscheiden in einer WM- Vorrunde abgewendet und sicherten sich mit einem 1:0 gegen Ghana den Gruppensieg. Trotz der Niederlage sind auch die Afrikaner weiter. Im Achtelfinal warten die Engländer auf die Jungs von Joachim Löw.

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Mesut Özil schiesst Deutschland ins Achtelfinale

Mesut Özil schiesst Deutschland ins Achtelfinale

Ghana profitiert vom Versagen der Serben und der schlechten Tordifferenz der Australier. Das Team von Milovan Rajevac hat für den gastgebenden Kontinent ein Debakel verhindert. Ghana dürfte die einzige afrikanische Nation in der K.o.-Phase bleiben. Im Achtelfinal warten die USA.

Die Deutschen standen im Johannesburger Soccer-City-Stadion nie am Abgrund. Sie bestanden die Nervenprobe ohne nennenswerte Hindernisse. Die junge Equipe von Joachim Löw war initiativer. Es war keine Kür, die Deutschland ablieferte, aber ein solides Pflichtprogramm. Den entscheidenden Treffer erzielte Mesut Özil nach einer Stunde. Nach einem unspektakulären Ballgeschiebe konnte er sich 20 Meter vor dem gegnerischen Gehäuse den «Jabulani» zurechtlegen, um ihn anschliessend mit einem satten Schuss ins Netz zu befördern.

Der Regisseur von Werder Bremen hatte bis zu jenem Zeitpunkt glücklos gekämpft, er liess jedoch im richtigen Moment seine Klasse aufblitzen. In der 25. Minute hatte er eine hundertprozentige Chance vergeben, als er allein auf weiter Flur den ghanaischen Keeper Richard Kingson anschoss. Ansonsten schaffte es Özil nicht, die Sturmspitze Cacau mit Traumpässen zu bedienen. Der eingebürgerte Brasilianer, der für den gesperrten Miroslav Klose in die Startelf gerückt war, bemühte sich redlich, ohne aber prominent in Erscheinung zu treten.

Ghana hat das Kunststück fertiggebracht, die Gruppenphase zu überstehen, ohne dabei aus dem Spiel heraus ein Tor markiert zu haben. Gegen Serbien (1:0) und Australien (1:1) hatten sie jeweils vom Penaltypunkt aus reüssiert. Die Ghanaer warteten oft zu lange auf die Passabgabe und im Strafraum wurden die Bälle teilweise leichtfertig verstolpert. Wenn sie nach dem Mittelkreis nicht mehr weiter wussten, griffen sie aus den aussichtslosesten Positionen zu Fernschüssen, die Manuel Neuer nicht beunruhigen konnten. Samuel Inkoom vom FC Basel drückte erneut die Ersatzbank.

Familienduell an Jérôme

Einen besonderen Auftritt hatte Jérôme Boateng. Der erst 21- Jährige, der vom Hamburger SV zu Manchester City wechselt, gab als Linksverteidiger sein WM-Debüt -- ausgerechnet gegen Ghana, das Herkunftsland seines Vaters. Bundestrainer Löw schenkte ihm das Vertrauen, nachdem Holger Badstuber gegen Serbien überfordert gewesen war. Somit kam es zu einem Familienduell. Jérômes Halbbruder Kevin-Prince spielte für die Westafrikaner. Auch der Mittelfeldmann vom FC Portsmouth stand unter besonderer Beobachtung. Der Berliner hatte sich einst nach Einsätzen in den Nachwuchs-Auswahlen vom DFB abgewandt, und vor einem Monat verletzte er Michael Ballack so schwer, dass dieser das Kapitel WM abhaken musste.

Zwischen den Boatengs gab es kaum Berührungspunkte. Jérôme machte seine Sache ordentlich. Sein Verteidiger-Kollege Per Mertesacker, um einiges routinierter, hinterliess den unsichereren Eindruck. Nach 72 Minuten und einer guten Leistung wurde Jérôme Boateng durch den Hamburger Marcell Jansen ersetzt. (si)

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