Super League

Abstiegskampf in Neuenburg, Duell der Gegensätze in Sitten

Vorfreude auf den Wiederbeginn: Die Thuner Ridge Munsy (rechts) und Nikki Havenaar begrüssen sich im Training vor dem Gastspiel in Neuenburg coronakonform

Vorfreude auf den Wiederbeginn: Die Thuner Ridge Munsy (rechts) und Nikki Havenaar begrüssen sich im Training vor dem Gastspiel in Neuenburg coronakonform

Für die meisten Klubs geht es in der Super League ohne Anlaufzeit in die heisse Phase. In der ersten der 13 ausstehenden Runden ist St. Gallen in Sitten gefordert und empfängt Xamax den FC Thun.

Die Vorzeichen und Umstände haben sich geändert, die sportliche Ausgangslage ist geblieben: Vor fast leeren Rängen geht nach mehr als 100 Tagen Matchpause der Titel-Dreikampf zwischen St. Gallen, den Young Boys und Basel in die entscheidende Phase, und weiter hinten verschärft sich der Abstiegskampf. Weil das Programm bis zum letzten Spieltag am 2. August diverse englische Wochen vorsieht, begeben sich die Klubs in eine sportliche Extremsituation. Der Begriff "Playoffs" taucht nun auch im Fussball auf. Jedenfalls verglichen mehrere Trainer und Spieler der Super League die neue Situation mit den Playoffs im Eishockey.

Gleich in der ersten Runde der gefühlten "Mini-Meisterschaft" (Luzern-Trainer Fabio Celestini) steht im Abstiegskampf ein Schlüsselspiel an. Neuchâtel Xamax, der Vorletzte, empfängt auf der Maladière das punktgleiche Schlusslicht FC Thun. Nimmt man die Auftritte der Rückrunde als Referenz, hält Thun die besseren Karten. Mit zehn Punkten aus fünf Spielen setzten die Berner Oberländer nach der Winterpause zur Aufholjagd an. Die Winter-Einkäufe Leonardo Bertone und Nicolas Hasler verfehlten ihre stabilisierende Wirkung nicht.

Thuns Zuversicht

Der Meisterschafts-Unterbruch kam für Thun so gesehen ungelegen. Weil die Corona-Pause aber auch Zeit gab, um Verletzungen auszukurieren, sieht Trainer Marc Schneider seine Farben trotzdem als Gewinner des Shutdowns. "Für unsere Verhältnisse sind wir ziemlich breit aufgestellt", sagte Schneider im Vorfeld der Partie bei Xamax. Nachdem die Absenzen im Saisonverlauf zwischenzeitlich ein ungesundes Ausmass erreicht hatten, fällt am Samstag mit Miguel Rodrigues nur noch ein Spieler verletzungsbedingt aus. Dass es auch ohne den zurückgetretenen Captain Dennis Hediger geht, haben die Thuner vor dem Ausbruch der Pandemie gezeigt.

Xamax hat mit den Zugängen von Xavier Kouassi und Johan Djourou in der Defensive neue Optionen und mit Djourou den vermissten Leader gefunden, vorne ist die Abhängigkeit von Raphaël Nuzzolo aber nach wie vor gross. Ob der am Freitag als Ersatz für Sion-Abgang Gaëtan Karlen aus einer halbjährigen Vertragslosigkeit verpflichtete Diafra Sakho auf Anhieb eine Alternative für Nuzzolo und Zweitstürmer Taulant Seferi ist, lässt sich noch nicht abschätzen. "Das Spiel gegen Thun wird uns zeigen, wo wir stehen", sagte Trainer Joël Magnin, der das Kellerduell als "wichtig, aber nicht entscheidend" erachtet.

Sions Fragezeichen

In den Abstiegskampf ist auch das vier Punkte vor Thun und Xamax klassierte Sion verwickelt, zumal sich um die Walliser nach der turbulenten Corona-Pause diverse Fragezeichen ranken. Mit seinem radikalen Vorgehen hat sich Sions Präsident Christian Constantin nach aktuellem Stand verzockt. Während die entlassenen Kouassi und Djourou Xamax verstärken, erhielt Zugang Geoffroy Serey Die keine Spielerlaubnis. Auch der im Juli dazustossende Gaëtan Karlen darf in dieser Saison nicht für Sion ins Geschehen eingreifen. Und: Trainer Ricardo Dionisio ist bereits wieder weg. Constantin ersetzte den portugiesischen Verfechter des Ballbesitzfussball durch den Konter-Liebhaber Paolo Tramezzani, den er im Oktober 2017 nach kurzer erster Amtszeit vor die Tür gestellt hatte.

Geradezu konträr verhielt sich in dieser Zeit Sions samstäglicher Gegner St. Gallen. Der Überraschungsleader aus der Ostschweiz agierte in der Corona-Krise besonnen und lösungsorientiert. Leistungsspieler und Talente mit auslaufenden Verträgen wurden mindestens bis zum Saisonende gebunden (Demirovic) oder unterschrieben neue Mehrjahres-Kontrakte (Ruiz, Babic, Fazliji, Guillemenot).

Die St. Galler wirkten vor der ersten Bewährungsprobe in Sitten nicht nervös angesichts der unverhofften Titelchance. Getreu der Herangehensweise von Präsident Matthias Hüppi ("Wir dürfen Meister werden, müssen aber nicht.") sprechen die Protagonisten in der Ostschweiz nicht von "Playoffs", sondern schlicht von einem "Abenteuer", auf das man sich in den kommenden Wochen einlasse. Mit zwei überzeugenden Testspielen gegen Schaffhausen (4:2) und Aarau (4:1) deutete die Mannschaft des umworbenen Trainers Peter Zeidler an, dass sie ihren Schwung konserviert hat und dass die Ersatzspieler im bevorstehenden Mammutprogramm mehr als Notlösungen sein können.

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