Bundesliga
Abschied auf Raten: Bayern-Trainer Louis van Gaal muss im Sommer gehen

Noch hält man bei Bayern München an Trainer Louis van Gaal fest. Das haben die Vereinsbosse nach einer über fünfstündigen Krisensitzung beschlossen. Den FC Bayern wird er aber nach der Saison vorzeitig verlassen müssen.

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Ottmar Hitzfeld 1. Juli 1998 bis 30. Juni 2004: Erfolge: Deutscher Meister 1999, 2000, 2001, 2003, Pokalsieger 2000 und 2003, Gewinner der Champions League 2001, Weltpokal 2001.
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Felix Magath 1. Juli 2004 bis 31. Januar 2007: Erfolge: Deutscher Meister und Pokalsieger 2005 und 2006
Ottmar Hitzfeld 1. Februar 2007 bis 30. Juni 2008: Erfolge: 4. in der Bundesliga 2007, Einzug in den UEFA-Cup - deutscher Meister und Pokalsieger 2008
Jürgen Klinsmann 1. Juli 2008 bis 27. April 2009: Keine Erfolge als Bayern-Trainer
Jupp Heynkes 28. April 2009 bis 30. Juni 2009: Keine Erfolge als Bayern-Coach
Die Trainer von Bayern München in den letzten 10 Jahren

Ottmar Hitzfeld 1. Juli 1998 bis 30. Juni 2004: Erfolge: Deutscher Meister 1999, 2000, 2001, 2003, Pokalsieger 2000 und 2003, Gewinner der Champions League 2001, Weltpokal 2001.

Keystone

Am Montag war Louis van Gaal noch immer der Trainer des FC Bayern München - und er wird er es auch bleiben. Allerdings nur noch bis zum Ende der laufenden Saison, das letzte Jahr seines erst im vergangenen Herbst verlängerten Vertrags wird der Niederländer danach nicht mehr erfüllen.

Fünfeinhalb Stunden hatten die Vereinsoberen am Sonntag diskutiert - ohne van Gaal. Am trainingsfreien Montag dann folgte ein Gespräch der Chefetage mit dem Trainer. Der hatte seinen Spielern noch am Sonntag mit auf den Heimweg gegeben: «Wir sehen uns am Mittwoch. Vielleicht zum letzten Mal.» Jetzt ist jedoch klar:

Alternative für van Gaal fehlt

Der FC Bayern wird die laufende Saison mit van Gaal beenden - weil die Alternativen fehlen. Eine Entscheidung, die der Ehrenpräsident für sinnvoll hält. «Louis van Gaal hat sicher Fehler gemacht», sagte Franz Beckenbauer der Bild-Zeitung, «aber: Er hat ja schon nachgewiesen, dass er ein hervorragender Trainer ist.» Und daher, sagte der «Kaiser», sei ihm der eigenwillige Niederländer auch «allemal lieber als eine kurzfristige Notlösung».

Diese Notlösung wurde am Sonntag wohl diskutiert, zuletzt hielt sich das Gerücht, dass der Niederländer Martin Jol auf seinen Landsmann folgen könnte. Erst am 27. September hatte van Gaal seinen Vertrag beim FC Bayern verlängert.

Van Gaal und die katastrophalen Fehler

Zu einem Schnellschuss am Sonntag wollten sich die Vereinsoberen dann aber offensichtlich nicht hinreissen lassen. Vielmehr beraumten sie ein Treffen mit van Gaal an. Vermutliche Grundlage des Gesprächs: Der Trainer bleibt - sofern er die Einsicht erkennen lässt, dass er zuletzt mit seinen Entscheidungen zum Teil arg danebengelegen hat.

Die Trennung von Mark van Bommel, der Wechsel im Tor von Jörg Butt auf Thomas Kraft, die Verschiebung von Bastian Schweinsteiger und Thomas Müller auf Positionen, die diesen nicht behagen, Winter-Zugang Luiz Gustavo als Linksverteidiger statt im Mittelfeld, dazu die ständigen Wechsel in der Abwehr - alles Entscheidungen, die zumindest diskussionswürdig sind.

Van Gaal gab seit Saisonbeginn in der Tat kein gutes Bild mehr ab. Den schwachen Saisonstart der Münchner erklärte er mit der hohen Belastung seiner zahlreichen WM-Teilnehmer, doch bereits in den zehn letzten Spielen der Saison 2009/2010 hatte der FC Bayern nur noch 18 Punkte geholt. Mehr und mehr wurde auch nach Beginn der Rückrunde deutlich: Die Abwehr der Münchner ist anfällig, ständiger Ballbesitz führt nicht zu Toren, die Offensive ist zu sehr abhängig von Franck Ribéry und Arjen Robben.

Und längst wissen die Gegner, wie sie die beiden ausschalten können. Ohne die 28 Treffer des zunächst ungeliebten Mario Gomez in 35 Pflichtspielen stünden die Münchner noch schlechter da.

Weiter mit van Gaal heisst aber auch: Der Niederländer ist ein Trainer auf Abruf. Der FC Bayern braucht Zeit, um einen geeigneten Nachfolger zu finden - vielleicht Jupp Heynckes, der seinen Vertrag bei Bayer Leverkusen noch immer nicht verlängert hat, der als Freund der «Familie» gilt, der schon zweimal in München war.

Zuletzt nach der Trennung von Jürgen Klinsmann im Frühjahr 2009, als er den Bayern wenigstens noch den zweiten Tabellenplatz und so die direkte Qualifikation für die Champions League sicherte. Möglich, dass dann auch die nun verworfenen Notlösungen als Dauerlösung ab dem kommenden Sommer wieder ins Gespräch kommen. Matthias Sammer etwa.

Fakt bleibt zunächst: Zum ersten Mal seit dem Herbst 2000 unter Trainer Ottmar Hitzfeld hat der FC Bayern drei Pflichtspiele nacheiander verloren - «der ganze Verein ist in einer kritischen Situation, weil das Mindestziel in Gefahr ist», sagte Kapitän Philipp Lahm. Am Samstag empfängt der FC Bayern in der Bundesliga den Hamburger SV deshalb zum ersten von acht «Endspielen» um den zweiten Platz, der aber schon sieben Punkte entfernt ist.

Und bis zum dritten Platz, der wenigstens noch zur Teilnahme an der Champions-League-Qualifikation berechtigen würde, sind es fünf Zähler. Am Dienstag nächster Woche steht dazu in der Champions League das Achtelfinal-Rückspiel gegen Inter Mailand an.

Der Trainer des FC Bayern hat viel zu tun: Wer immer es auch ist oder sein wird. (sid)