Joël Mall, sind Sie ein guter oder ein schlechter Torhüter?

Joël Mall: Ich bin ein guter Torhüter. Aber ich muss an der Konstanz arbeiten. Ich weiss, dass ich mich verbessern kann. Die Leistungen entsprechen noch nicht meinen Erwartungen. Mein Potenzial habe ich längst nicht ausgeschöpft.

Wie reagieren Sie auf Kritik?

Ich kann durchaus mit Kritik umgehen, aber sie muss konstruktiv sein.

Sie wurden zuletzt heftig kritisiert: zu Recht oder zu Unrecht?

Teilweise zu Recht, teilweise zu Unrecht. Nehmen wir den dritten Gegentreffer gegen GC am vergangenen Sonntag: Dieses Tor muss ich auf meine Kappe nehmen. Nach einem solchen Treffer ist es logisch, dass ich kritisiert werde. Das ist kein Problem. Die Kritik nach dem 2:2 im Heimspiel gegen St. Gallen kann ich allerdings nicht nachvollziehen. Da hatte ich beim Stand von 1:2 zwei, drei gute Szenen. So konnten wir bis zum Schluss auf einen Punktgewinn hoffen. Prompt gelang uns in der Nachspielzeit das 2:2.

Zielte die Kritik in den Medien zuletzt unter die Gürtellinie?

Zuerst muss ich eines festhalten: Ich kann meine Leistung selbst am besten urteilen. Ich bin mein grösster Kritiker. Zurück zu Ihrer Frage: Natürlich lese ich die Artikel und bin nicht immer einverstanden. Ich bin allerdings auch schon einige Jahre im Geschäft und weiss deshalb genau, wie ich diese Kritik einordnen muss.

Haben Sie über einen Presseboykott nachgedacht?

Nein, aber ganz ehrlich: Über mich wird zu viel geschrieben. Mir wäre es lieber, wenn in Zukunft weniger in den Zeitungen stehen würde. Ob positiv oder negativ; ich stand zuletzt dauernd im Brennpunkt des Geschehens und war oft ein Hauptthema. Mir ist schon klar, dass das Ganze mit meiner Rolle als Torhüter zu tun hat. Es ist nun mal so: Ich kann zwar fünf Superparaden machen, wenn mir dann aber ein Fehler unterläuft, kommt die Kritik sofort. Da nützen die fünf Superparaden nichts mehr.

Wie waren die Reaktionen aus Ihrem Umfeld nach der Kritik in den Medien?

Das spielt für mich keine Rolle und ist kein Thema. Ich weiss, was ich kann. Und ich weiss, was ich nicht kann. Für mich zählt in erster Linie die Kritik meines Trainers René Weiler.

Sie sind seit der Saison 2011/12 Stammtorhüter des FC Aarau: Wie sehen Sie Ihre persönliche Entwicklung in den vergangenen zweieinhalb Jahren?

Die erste Saison war nicht schlecht. Ab und zu musste ich Lehrgeld bezahlen. Mit der Rückrunde der vergangenen Meisterschaft bin ich zufrieden. Ich konnte meinen Teil zum Aufstieg beitragen. In der Super League geht alles viel schneller. Man darf sich fast keine Fehler erlauben. Diese werden schnell bestraft. Meine Entwicklung ist gut: Ich habe in vielen Bereichen Fortschritte gemacht. Entscheidend ist, dass ich die Anzahl der Fehler auf ein Minimum reduzieren kann.

Wie wichtig ist für einen Torhüter die Erfahrung?

Die Erfahrung ist ein wichtiger Faktor. Ich habe sicherlich von den beiden Saisons in der Challenge League profitiert. In gewissen Situationen bin ich ruhiger und cleverer als früher. Cleverness hat auch mit Erfahrung zu tun. Am Schluss zählt nur eines: Entweder man ist gut oder man ist schlecht.

Sie sind erst 22 Jahre alt: Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

Das ist eine schwierige Frage. Mein Ziel ist es, mich in der Super League zu etablieren.

Trauen Sie sich einen Transfer ins Ausland zu?

Absolut. Ich brauche Zeit und Erfahrung. Ich muss gewisse Dinge verbessern. Wenn ich mein Potenzial zu hundert Prozent ausschöpfen kann, liegt ein Transfer ins Ausland drin.

Wie sind Sie mit dem bisherigen Saisonverlauf des FC Aarau zufrieden?

Wir haben in vielen Spielen einen Riesenaufwand betrieben. Dieser Aufwand stand aber nicht immer in Relation mit dem Ertrag. Zwei Beispiele waren für mich krass: Das 0:1 gegen Sion und das 2:3 gegen Lausanne regen mich besonders auf. Hätten wir diese Spiele gewonnen, wäre die Vorrunde bis zum jetzigen Zeitpunkt gut bis sehr gut.