FC Aarau
Aaraus neuer Abwehrchef Besle: «Geld ist nicht alles»

Für den neuen Abwehrchef Stéphane Besle ist das Auswärtsspiel am Montagin Neuenburg gegen Xamax eine emotionale Rückkehr an seine frühere Wirkungsstätte.

Ruedi Kuhn
Drucken
Teilen
Stéphane Besle

Stéphane Besle

Chris Iseli

Das Treffen mit Stéphane Besle im Brügglifeld beginnt mit einer Überraschung. Der Abwehrspieler des FC Aarau ist in charmanter Begleitung. Er hat seine Freundin Romina Hungerbühler mitgebracht. Flugs steht die hübsche Blondine im Mittelpunkt. Mit einem strahlenden Lächeln und einer klaren Ansage bricht Romina das Schweigen. «Natürlich interessiert mich dieser Pressetermin», erklärt die gebürtige St. Gallerin mit energischem Gesichtsausdruck. «Ich bin bei allen wichtigen Terminen von Stéphane mit dabei.»

Hoppla! Romina lässt nichts anbrennen. Die bald 25-Jährige weiss, was sie will. Stéphane und Romina haben sich 2013 im St. Galler Lokal «Stars and Stripes» kennen gelernt. War es Liebe auf den ersten Blick? «Nein», sagen sie quasi gleichzeitig. Und schmunzeln über die Antwort. So richtig gefunkt hat es vor knapp zwei Jahren. Und seit Mitte 2014 sind die zwei ein Paar. Besle war verheiratet und hat einen viereinhalbjährigen Sohn. Nun hat er sich im privaten und beruflichen Bereich neu orientiert. Nach einer komplizierten Scheidung löste der 32-Jährige mithilfe seines Anwalts den bis 2018 dauernden Vertrag mit dem französischen Ligue-2-Verein Racing Club de Lens auf und entschied sich, bei einem Verein in der Schweiz anzuheuern.

Besle also machte sich Anfang dieses Jahres auf Klubsuche und meldete sich unter anderem bei Raimondo Ponte. Der Sportchef des FC Aarau war positiv überrascht und hatte grosses Interesse an der Verpflichtung des routinierten Abwehrspielers. Nach zähen Verhandlungen und dem in solchen Situationen unvermeidlichen Papierkrieg einigten sich der FC Aarau und Besle auf einen Vertrag bis im Juni 2017. «Natürlich habe ich mit der Auflösung des Vertrags mit Lens auf viel Geld verzichtet», erklärt Besle. «Aber Geld ist nicht alles.»

Gut so: Der Super-League-Absteiger scheint mit der Verpflichtung von Besle das grosse Los gezogen zu haben. «Für mich ist der FC Aarau ein Neuanfang und eine grosse Herausforderung», sagt der Franzose. «Ich werde in den nächsten Wochen und Monaten alles geben, um den Klub aus dem Tabellenkeller zu holen.»

Wer Besle kennt, der weiss, dass das keine leeren Worte sind. Der 1,88 Meter grosse und 86 Kilogramm schwere Modellathlet hat im Verlauf seiner 13-jährigen Profikarriere gelernt, sich zur Wehr zu setzen. Er teilt aus und steckt ein. Er provoziert und wird provoziert. Schwierige Zeiten erlebte er in seiner Laufbahn voller Höhen und Tiefen ausgerechnet bei Xamax – dem nächsten Gegner des FC Aarau. Nach turbulenten Jahren mit dem Abstieg in die Challenge League (2005) und dem Aufstieg in die Super League (2007) pendelte Besle mit den Neuenburgern zwischen Mittelmass und Abstiegskampf. Anfang 2012 wurde dem Franzosen fristlos gekündigt, nachdem er sich beim Vorstand über ausstehende Gehaltszahlungen beschwert hatte.

Dann folgten zwei erfolgreiche Jahre beim FC St. Gallen, ehe Unstimmigkeiten mit Trainer Jeff Saibene 2015 zur Trennung mit dem Super-Ligisten aus der Ostschweiz führten. Besle hat in der Fussballszene den Ruf, kein Kind von Traurigkeit zu sein. Spricht man mit seiner Freundin Romina, wird allerdings klar, dass das neue Aushängeschild des FC Aarau alles andere als ein böser Bube ist. «Stéphane ist ein herzensguter Mensch», sagt sie. «Er ist leidenschaftlich und ehrgeizig. Und er hat seinen Stolz. Wird Stéphane aber provoziert, schlägt er zurück.»

Bleibt zu guter Letzt ein Blick auf die Karriere von Stéphane Besle: Der gebürtige Elsässer spielte als Junior beim SC Schiltigheim. Danach wechselte er in die Nachwuchsakademien von Racing Strassburg und dem RC Lens. 2003 gab er sein Debüt als Profi. Nach den weiteren Stationen Xamax, Metz, St. Gallen und Lens will Besle jetzt beim FC Aarau beweisen, dass er noch nicht zum alten Eisen gehört. Eisen ist ein gutes Stichwort. Dass sich der einsatzfreudige Besle in seiner Laufbahn nie ernsthaft verletzt hat, grenzt an ein Wunder. Wunder erwartet man vom Mann mit dem grossen Kämpferherzen beim FC Aarau nicht. Fürs Erste würde der Ligaerhalt schon reichen.

Aktuelle Nachrichten