Fussball
Aarau-Trainer Sven Christ: «Ich muss jeden Spieler wie einen Star behandeln»

Sven Christ spricht im zweiten Teil des az-Interviews über die grosse Herausforderung beim FC Aarau. Er gilt zwar als Haudegen, verrät aber auch: «Ich nehme einen Spieler auch mal in die Arme».

Ruedi Kuhn und François Schmid-Bechtel
Merken
Drucken
Teilen
Sven Christ: «Wie Jürgen Klopp verlange ich extrem viel, gebe aber auch viel.»

Sven Christ: «Wie Jürgen Klopp verlange ich extrem viel, gebe aber auch viel.»

Chris Iseli

Sie nehmen mit dem Schritt von der 1. Liga Classic in die Super League drei Stufen auf einmal.

Jürgen Klopp ist unmittelbar nach dem Ende seiner aktiven Karriere in Mainz Trainer geworden. Unterdessen gibt es sehr viele junge Trainer im Profigeschäft. Der Grund ist: Junge Trainer haben einen besseren Zugang zur heutigen Spielergeneration.

Sie waren selbst Spieler unter Jürgen Klopp: Wie hat er Sie beeinflusst?

Sehr. Wie Klopp verlange ich extrem viel, gebe aber auch viel. Ich nehme einen Spieler auch mal in die Arme. Einer meiner Leitsätze lautet: Wenn ich mir für einen Stammspieler fünf Minuten Zeit nehme, muss ich für einen Ersatzspieler 30 Minuten aufwenden.

So viel Empathie hätten wir Ihnen nicht zugetraut. Denn als Spieler galten Sie als undiplomatischer Haudegen.

Okay. Ich war tatsächlich immer ein gradliniger Typ. Aber es ging mir immer um das Wohl der Gruppe. Ich wurde oft als Stinkstiefel bezeichnet. Das ist Quatsch. Wenn ich gespürt habe, dass ein Trainer die Mannschaft an die Wand fährt, musste ich eingreifen. Als Trainer verlange ich von jedem Spieler, dass er Probleme nicht schluckt, sondern mit mir bespricht.

Bayerns Vorstandsmitglied Matthias Sammer behauptet, nicht die Mannschaft ist der Star sondern jeder einzelne Spieler ist ein Star: Einverstanden?

Sammer hat Recht. Meine Arbeit als Trainer besteht darin herauszufinden, wie jeder einzelne Spieler funktioniert. Ich muss also jeden Spieler als Star behandeln. Und zwar von der Nummer 1 bis zur Nummer 22.

Geht das überhaupt?

Natürlich geht das. Ich habe als Trainer zwar einen Rahmen, aber dieser Rahmen ist beweglich. Da passen viele Spielertypen rein.

Atletico Madrids Captain Gabi sagt, dass er für seinen Trainer Diego Simeone sterben würde. Gibt es ein schöneres Lob für einen Trainer?

Sterben ist zugespitzt, aber die Richtung stimmt. Sowohl bei Klopp als auch bei José Mourinho geht es in diese Richtung. Sie sind vielleicht nicht die allerbesten Taktiker. Aber ihr Umgang mit den Spielern ist sensationell.