YuBeljahr
#8: Und immer wieder muss ich an Piotr Nowak denken ...

Wird diese Saison endlich ein YuBeljahr? Die vier Berner Autoren Pedro Lenz, Bänz Friedli, Bernhard Giger und Klaus Zaugg glauben fest daran, dass YB den FC Basel entthront. Sie begleiten ihren Verein auf dem Weg zum Titel mit einer wöchentlichen Meisterkolumne. Zumindest bis der Rückstand auf Basel 13 Punkte oder mehr beträgt.

Bänz Friedli
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Die Young Boys stehen nach acht Runden an der Tabellenspitze.

Die Young Boys stehen nach acht Runden an der Tabellenspitze.

KEYSTONE/PETER KLAUNZER

Hoppla! Wer hätte gedacht, dass unsere Boys nach acht Runden die Tabelle anführen und sich im Cup noch keine Blösse gegeben haben?

Dank gebührt dem FC Basel, der unter Beifall und Zustimmung seiner Vereinsmitglieder das eigene Erfolgsgefüge zertrümmert, die besten Torschützen entlassen, den plötzlichen Rücktritt des Captains hingenommen, einen wackligen Neuanfang verfügt und damit dem Schweizer Fussball eine Spannung geschenkt hat, wie man sie seit acht Jahren nicht kennt.

Mich, den Skeptiker, überrascht YBs starker Start dennoch. Zwar haben «wir» mit Adi Hütter und «Wuschu» Spycher eine herausragende sportliche Führung, doch der fussballferne Verwaltungsrat hat einen Sparkurs diktiert.

Also wurden Mvogo und Zakaria verkauft, mitten in der Saison ging auch noch Yoric Ravet. Worauf sich ein «Blick»-Schreiber zur Schlagzeile hinreissen liess: «Eine Wanderhure zieht weiter.» Als ob Ravet selber daran schuld wäre, dass die Super League sich nur zweitklassige Fussballer leisten kann, es sei denn, man betätige sich zu Beginn einer Laufbahn als Durchlauferhitzer.

Dieses Prinzip des An- und Verkaufs internationaler Newcomer begründete einst YB-Präsident Ruedi Bär. Deshalb fiel mir bei Ravets Abgang Piotr Nowak ein, der grossartige Pole, mit dem YB 1993 fast, aber eben nur fast Meister geworden wäre.

Ihn verschob Bär ausgerechnet am Vorabend eines Uefa-Cup-Spiels gegen Celtic Glasgow nach Dresden. Dafür kritisierte ich, damals ein junger Reporter, Bär in der Lokalzeitung harsch. Seine Replik: «Sie verstehen nichts von Wirtschaft, Herr Friedli.» (Er schon, immerhin führte er Interdiscount und Mobilezone zum Erfolg.) «Sie dafür nichts von Fussball!», gab ich schnoddrig zurück.

Zwanzig Jahre später begegneten wir uns an einem Konzert. Und weil längst klar ist, dass sich hiesige Klubs nur durch gewinnbringenden Verkauf von Talenten halten können, gab ich zu: «Herr Bär, ich glaube, Sie hatten damals recht.» Darauf er: «Nein, Sie, Herr Friedli!»

Das vierte Tor gegen Luzern erzielte nun einer, dessen Name mir bis vorgestern nicht geläufig war: Nicolas Moumi Ngamaleu. Soll ich mir den Namen merken – oder wird er ohnehin bald verkauft?