YuBeljahr
#6: Die verschobene fünfte Jahreszeit

Wird diese Saison endlich ein YuBeljahr? Die vier Berner Autoren Pedro Lenz, Bänz Friedli, Bernhard Giger und Klaus Zaugg glauben fest daran, dass YB den FC Basel entthront. Sie begleiten ihren Verein auf dem Weg zum Titel mit einer wöchentlichen Meisterkolumne. Zumindest bis der Rückstand auf Basel 13 Punkte oder mehr beträgt.

Bernhard Giger
Bernhard Giger
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Jubel bei den Young Boys: In der fünften Jahreszeit hofft Gelb-Schwarz auf möglichst viele solcher Szenen.

Jubel bei den Young Boys: In der fünften Jahreszeit hofft Gelb-Schwarz auf möglichst viele solcher Szenen.

KEYSTONE/AP/EFREM LUKATSKY

Zwischen dem Nachsommer und dem Frühherbst liegt die fünfte Jahreszeit. So hat es der deutsche Dichter Kurt Tucholsky gesehen. Eine seltsame, für den Dichter seltsam erhabene
Zeit: etwas geht zu Ende und etwas anderes hat noch nicht begonnen.

Stillstand, Übergang und Neustart in einem. Kein schlechtes Bild dafür, wie es den Young Boys jüngst so ergangen ist.

Was für ein Auftakt an dem Sommerabend Mitte August, als im Wankdorf die Champions-League-Hymne gespielt wurde. Ja, wir Fussballfans sind gelegentlich Kindsköpfe: Es war bewegend, und man trug den Berner Kopf gleich ein wenig höher. Wir hätten uns gern daran gewöhnt, die Hymne mehr im eigenen Stadion anstatt nur im TV-Teaser zu hören.

Es kam anders und im Rückspiel in Moskau noch schlimmer – hat es dort eigentlich tatsächlich in Strömen geschüttet oder streichen die Bindfäden nur in der Erinnerung quer durchs Bild? Vor dem Moskau-Abenteuer das Cup-Auswärtsspiel im Quartier, auf dem «Spitz» im Breitenrain. In der dritten Reihe hinter der Absperrung zum Platz hat man vom Spiel sozusagen nichts gesehen. Kein Problem. Die tüchtig bechernden, übermütigen Jungs vornedran, die dem Schick beim Einwurf auf die Schulter klopfen wollten und überhaupt jeden
der YB-Spieler zum Bruder hatten, haben anschaulich und präzise rapportiert.

Zwischen Europa und Quartier die Meisterschaft. Verknorzte Spiele, keine Tore, dann doch eins und ganz spät ein zweites, eher glückliches. Jetzt geht es, nach der Länderspielpause, wieder weiter. Unterdessen ist es fast schon Herbst, über der Aare hängen, dicht gedrängt, am Morgen bereits die Nebelschwaden. Die fünfte Jahreszeit ist verstrichen, für YB nicht ganz so erhaben wie für Tucholsky. Aber, sagt Wikipedia, die fünfte Jahreszeit, das ist mehr als nur diese Spätsommertage, das meint überhaupt Ereignisse, welche für die Menschen wie alle vier Jahreszeiten auf einmal sind.

Voilà! YBs fünfte Jahreszeit ist nicht vorbei, sie wurde bloss verschoben auf später.