Als Kinder sprachen wir Manchester mir kurzem «A» und mit einem «SCH»-Laut in der Mitte aus, wobei die Betonung auf der letzten Silbe lag. Manschéster war die Bezeichnung für eine damals beliebte Hosen-Art. Dass sich das Wort von einer Stadt ableitete, wäre uns nie im Leben eingefallen. Dafür mussten wir lachen, als wir erstmals vernahmen, es gäbe eine Stadt in England, die Manschéster heisst. «Welchem Spassvogel fällt es ein, eine Stadt nach einer Hose zu benennen?», fragten wir uns. «Wenn das so weitergeht, gibt es bald irgendwo eine Stadt namens Pyjama.»

Inzwischen sind die Manchester-Stoffe auf dem Rückzug. Es ist nun Sache der grossen Fussballclubs Manchester City und Manchester United, den Namen «Manchester» in die Welt hinauszutragen.

Dafür, dass der Name dieser Arbeiterstadt tatsächlich in die Welt hinausgetragen wird, ist unter anderem das YB-Radio «Gelbschwarz» zuständig. Und da am letzten Dienstagabend keine Champions-League-Spiele im öffentlichen Fernsehen gesendet wurden, hing ich ab 21 Uhr dem besagten YB-Radio an den Lippen. Die immer inspirierten Kommentatoren von «Radio Gelbschwarz» trugen das Spiel zwischen Manchester United und den weltberühmten Berner Young Boys direkt vom Old Trafford an meinen Oltner Küchentisch. Für den feierlichen Anlass war ich extra in ein paar Manchester-Hosen geschlüpft. Über dem YB-Trikot trug ich einen ehemals modischen Manchester-Veston in schwarzer Farbe.

Während 90 langen Minuten vernahm ich nur Gutes aus der englischen Arbeiterstadt. YB diktierte meist den Rhythmus und der Spielstand deutete auf eine akzeptable Punkteteilung. Dass uns der Manchester-Belgier Marouane Fellaini irgendwann in der Nachspielzeit mit seinem Treffer doch noch in den Abgrund stiess, bekam ich gar nicht mehr richtig mit. Als das Gegentor fiel, war ich nämlich schon dran, die Manchester-Kleidung in den Mottenschrank zu hängen. Schliesslich möchte man doch lieber im Pyjama zu Bett als in diesem miefigen Manchester-Zeugs.