YuBeljahr

#42 «Verdamp lang her»

Wölfli und Benito nach dem Spiel gegen Valencia. Wirklich zufrieden sieht anders aus.

Wölfli und Benito nach dem Spiel gegen Valencia. Wirklich zufrieden sieht anders aus.

Die Berner Autoren Pedro Lenz, Bänz Friedli, Bernhard Giger und Klaus Zaugg begleiteten YB auf dem Weg zum Meistertitel. Nun geniessen sie die Champions League.

Die Tickets für den 23. Oktober hatte ich vor über einem Jahr gekauft. Und mich gefreut auf eine alte Liebe. Die im Alter nur noch tiefer und reifer wird. Eine Liebe, viel älter noch als diejenige zu meiner Frau, denn als ich meine Liebste vor bald dreissig Jahren kennen lernte, war ich längst Fan der Kölner Band BAP. Zu jeder Lebenslage hat deren Sänger Wolfgang Niedecken mir einen Song geschenkt, immer so nah an meinem eigenen Empfinden, dass ich mich fragte: Woher weiss der das?

Mein Vater starb, seiner auch, er sang «Verdamp lang her», und ich sang mit. Verlust und Hoffnung, Auflehnung und Resignation, stets gab es ein BAP-Lied, das mich tröstend begleitete. Ganz nebenbei schrieb Niedecken auch den allerschönsten und allertraurigsten Fussball-Song: «Sendeschluss», in dem ein Vater inmitten seiner Wohnblocktristesse besoffen murmelt: «... weil der FC so niemals Meister wird», ehe er vor dem Fernseher wegdöst.
Am 23. Oktober 2018 würde ich in Basel Niedeckens BAP lauschen. Was heisst lauschen? Mitsingen würde ich, Zeile für Zeile, auf Kölsch, als wärs mein eigener Dialekt. Dachte ich.

Dann funkte die einzige Liebe dazwischen, die noch länger währt: YB. Champions League gegen Valencia! Da musste ich hin. Ärgerlich genug, dass ich das erste Heimspiel verpasst hatte. Doch würde es gut kommen? Ich fieberte, schrie, jubelte, bangte … Und wusste nach neunzig Minuten plus Nachspielzeit nicht, was von dem 1:1 zu halten sei. Klar, «wir» sind in der Königsklasse angekommen; das erste Tor, der erste Punktgewinn. Doch nach gefühlt fünfzehn zu einer Tormöglichkeit, nach den Druckphasen zu Beginn und in den letzten zwanzig Spielminuten, nach Sanogos Pfostenschuss bleibt der bittere Eindruck, es wäre mehr dringelegen.

«Immerhin …», whatsappen die Kollegen, selbst ein Basler Freund meint anerkennend: «Immerhin!» Und Ben, dem ich meine BAP-Tickets überlassen habe, schreibt: «Es war ein wunderbares Konzert.» Das ist der Vorteil bei BAP: Man weiss immer schon vorher, dass es gut kommt.

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