Wir wussten es. Wir wollten es so. Wir wollten YB in der Hammergruppe, mit Gegnern, deren Namen einem auf der Zunge zergehen. Juve und ManU, für wen, wenn nicht für sie, hat das Herz denn geschlagen, wenn es in K.-o.-Runden der Champions League gegen die Herren und Könige ging, Barcelona, Real oder Bayern.

Juventus Turin war in üble Affären verwickelt und hat sich die Meisterschaft erschlichen, Manchester United ist der reichste Fussballklub der Welt, aber auf dem Platz, so will es die Legende, sind sie Rebellen, Künstler und tragische Helden. Und sie wissen ihre Rollen furios zu spielen.

Im europäischen Fussball kommt diesen Klubs der Part zu, den in der Schweiz lange Zeit YB übernommen hat. Immer ein wenig im Schatten des FC Basel. Nur der heimliche Meister, oft genug dramatisch gescheitert. Aber jetzt ist alles anders, jetzt ist YB «Schwiizer Fuessbaumeister», und auf der anderen Seite des Spielfelds stehen plötzlich diese Giganten. Dass die Young Boys gegen sie eine Chance haben, dafür brauchen sie einen ihrer besten Tage. Den hatten sie beim ersten Spiel im Wankdorf, zumindest in der ersten Halbzeit.

Es können noch vier Wunder geschehen

Aber selbst eine Halbzeit Weltklasse reichte nicht. Und schon gar nicht reichte es in Turin beim ersten Auswärtsspiel in der Champions League. Das war ein brutales Ankommen in der Realität des europäischen Spitzenfussballs. Aber eben: Alle wussten, dass das passieren kann, Fans und Spieler. Deswegen lassen wir uns diesen herrlichen Herbst nicht vermiesen, es gibt noch vier Spiele, es können noch vier Wunder geschehen.

Und ganz am Schluss, beim letzten Spiel im Dezember in Bern, wird vielleicht auch er noch eingreifen, der Fussballgott. Für die Young Boys wärs das Sahnehäubchen. Am Dienstag sass er, hinter Panzerglas und neben einer Schönen, weit oben in der Loge. Irgendwie entrückt, wie eine zerbrechliche Porzellanfigur in der Vitrine. Er wird sich nach dem Toreschiessen sehnen, nach jeder Gelegenheit, nicht an diese eine Nacht im Juni 2009 In Las Vegas erinnert zu werden.