YuBeljahr
#39 Bern ist glücklich

Manchmal ist der Weg das Ziel. Die vier Berner Autoren Pedro Lenz, Bänz Friedli, Bernhard Giger und Klaus Zaugg begleiten YB auf dem Weg zum Meistertitel. Zumindest bis der Rückstand auf Basel 13 Punkte oder mehr beträgt.

Bernhard Giger
Bernhard Giger
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PETER KLAUNZER

Zum Einnachten spielen Züri West. In diesem – später wird man vielleicht sagen: diesem historischen – Moment sind sie die einzig denkbare Besetzung. «Wir haben noch nie vor 40 000 Leuten gespielt», sagt Kuno Lauener. Ob wirklich so viele an diesem sonnigen Sonntag ins Stadion zur YB-Meisterfeier gekommen sind, lässt sich schwer sagen. Aber das ist unwichtig, gefühlt sind es ohnehin 100 000.

Ganz Bern ist da. Nein, stimmt so nicht: Berns Zukunft ist da. Auf dem mit dicken Platten abgedeckten Spielfeld turnen Kinder herum, sie schlagen geschmeidig das Rad und spielen Fussball mit flachgedrückten Bierbechern. Teens wetteifern um das kühnste Selfie, und wer um die Bühne herum, einem hohen, tempelartigen Aufbau in der Mitte des Platzes, über dreissig ist, gehört zu einer krassen Minderheit.

Ziemlich verrückt eigentlich. Zwei YB-Zeitalter verschmelzen hier ineinander. Kuno Lauener kündigt einen Song von 1991 an. YB schloss die Saison damals auf dem siebten Rang ab und verlor den Cupfinal gegen Sion nach einer 2:0- Führung noch 2:3. Es waren die Jahre, in denen wir mit den Niederlagen leben lernen mussten und uns, ein wenig fatalistisch und sehr romantisch, an den seltenen Siegen aufrichteten. «Hütt hei sie wieder mau gwunne» reflektiert die bittere Melancholie jener Zeit wunderbar.

Viele derer, die jetzt hier vor der Bühne ergriffen die gelb-schwarzen Schals in die Höhe strecken, waren damals wohl noch nicht auf der Welt. Und schon gar nicht kennen sie die damalige YB- Seelenlage. YB verbinden sie strikt mit der Euphorie des Siegs. Aber heute Abend finden sich alle. Die Band lässt sich tragen. Das Publikum lässt sich nehmen. Es ist, als würde ein Film ablaufen über dreissig Jahre Berner Geschichte, und wir alle wären Teil davon, wir alle gehörten zum Personal dieses Films, der davon erzählt, wie diese Stadt traurig war und wie sie glücklich wurde.

Diesen Song hat der Speaker bereits zuvor als die Hymne der Saison bezeichnet, jetzt kommt er, live in der Mitte des Hauptschauplatzes des Glücks, das er besingt: «Irgendeinisch fingt ds Glück eim», auch dies eine schon etwas ältere Züri-West-Zeile, die uns begleitete. Und plötzlich steht sie für eine neue Generation von YB-Fans für dieses neue Gefühl, das YB Bern und uns allen so grandios bescherte.

Züri West im Wankdorf, und 40 000 sind glücklich. Welches Bild könnte besser vermitteln, wie viel die Young Boys mit der Stadt verbindet, in der sie spielen, mit dem Alltag und der Geschichte, mit dem Lebensgefühl und dem Sound dieser Stadt? Und dann zieht der letzte Streifen Sonnenlicht langsam über das Tribünendach davon in die Nacht.

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