YuBeljahr

#38 Zeit der Ablenkung

Berns Torhueter Marco Woelfli wird von den Fans gefeiert.

Berns Torhueter Marco Woelfli wird von den Fans gefeiert.

Manchmal ist der Weg das Ziel. Die vier Berner Autoren Pedro Lenz, Bänz Friedli, Bernhard Giger und Klaus Zaugg begleiten YB auf dem Weg zum Meistertitel. Zumindest bis der Rückstand auf Basel 13 Punkte oder mehr beträgt.

Oleeeeeeeoleoleole!», hallte es am Sonntag schon wieder durch das Stade de Suisse. Das obligatorische Songrepertoire für solche Anlässe wurde sauber und ordnungsgemäss durchgesungen. «Schwizer Meischter, Schwizer Meischter, Schwizer Meischter Beeässsceee!»

Seit dem Sieg gegen Lausanne ist jede Meisterschaftsrunde für die weltberühmten Berner Young Boys eine neue Etappe auf der Triumph-Tournee, die hoffentlich erst in den Tagen nach dem Cupsieg ein zwischenzeitliches Ende findet.

Dank der Globalisierung sind ja solche Feierlichkeiten im Profifussball nun auf der ganzen Welt praktisch identisch. Die Spieler hüpfen in einer Traube. Aus den Boxen schallt irgendein Pop-Song, in dessen Text nach Möglichkeit das Wort Champion vorkommt. Aus einer Konfetti-Kanone fliegen glänzende Papierstreifen durch die Luft. Und dann kommt ein Verbandsfunktionär, der allen Spielern und Ersatzspielern die Hände schüttelt und dem Captain einen Pokal übergibt. Diesen Funktionär kennt normalerweise niemand, aber er freut sich aufrichtig darüber, dass er mal sein Büro verlassen durfte und nun minutenlang im Fernsehen kommt.

Für die Meisterspieler des BSC Young Boys ist diese Triumph-Tournee reiner Spass. Sie finden unterwegs noch Zeit, sich die Haare gelb zu färben, und sie erlauben es sich, allerbeste Chancen zu versieben. Um Gegner wie den FC Lugano nicht unnötig zu demütigen, schiesst Guillaume Hoarau auch mal einen Penalty in die Arme des gegnerischen Goalies. Die Fans feiern sogar diese Geste der Demut. «Oleeeeeeeoleoleole! Schwizer Meischter, Schwizer Meischter, Schwizer Meischter Beeässsceee!»

Doch während sich die Meisterspieler auf dem Feld amüsieren und die Meisterfans ihren Spass haben, wird auf der Geschäftsstelle emsig gearbeitet. Die gefärbten Haare der Stars und die nicht enden wollende YB-Jubelfeier sind bloss Teile eines Ablenkungsmanövers für die Konkurrenz. Denn während die ganze Fussballschweiz nach Bern blickt und über Haarfarben und Meisterbalkone diskutiert, sind unsere Funktionäre dran, die nächste Meistermannschaft zu bauen.

Die Arbeit ist anspruchsvoll: Adi Hütter muss adäquat ersetzt werden. Abwanderungswillige müssen möglichst viel Geld einbringen. Neue Kräfte sollen günstig sein und das Team trotzdem verstärken. Um diese heiklen Aufgaben konzentriert und erfolgreich zu lösen, brauchen der Sportchef und sein Team Ruhe.

Fans und Medienschaffende sollen sich an der Triumph-Tournee ergötzen. Und wenn alle den Siegesrausch ausgeschlafen haben, ist eine neue, hungrige Truppe bereit, uns in der kommenden Saison viel Freude zu machen. «Oleeeeeeeoleoleole!»

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