WM 2018
23 Nati-Spieler für unser Fussball-Märchen: So zeigen sie sich ganz privat

Knapp zwei Wochen noch, dann beginnt für die Schweiz die WM. Und die 23 aufgebotenen Spieler haben Grosses vor, wenn sie am Montag nach Russland fliegen. Mit dem Ziel ein Fussball-Märchen zu erleben und Geschichte zu schreiben. So lange bis die Reise endet.

Von Etienne Wuillemin, Christian Brägger und Raphael Gutzwiller
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Yann Sommer (29), Torhüter Ist schon wieder WM? Wer sich das fragt, sollte die Plakatwände in der Gegend betrachten. Lächelt darauf häufig Sommer, lautet die Antwort: Ja, die WM naht! Kocht im Übrigen gut und gerne. Die Resultate seiner Künste sind auf dem eigenen Blog zu sehen. Und Bälle halten? Gerne wieder so toll wie an der EM!
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Roman Bürki (27), Torhüter Die Nummer zwei im Schweizer Tor engagiert sich für Kinder in Not und ist Botschafter von Terre des hommes. Als Mädchen hätte Roman Romina geheissen. War in der Jugend David-Backham-Fan – vielleicht rührt daher die Vorliebe für Tattoos. Teamkollege Zuber hat Bürki den Übernamen «Sexy» verpasst.
Yvon Mvogo (23), Torhüter Einst war der Mann mit dem Spitznamen «Black Cat» ein Basketballer, erst mit 12 begann er schliesslich mit dem Fussball. Zunächst spielte er im Angriff, inzwischen ist er der erste schwarzafrikanische Bundesliga-Torhüter überhaupt. Protzen will er nicht: Als einziger Nati-Spieler reiste im Taxi ins WM-Camp ein.
Stephan Lichtsteiner (34), Verteidiger Der Captain, der vor seinem 100. Länderspiel steht, spricht fliessend italienisch und französisch, sammelt Trophäen wie andere Briefmarken und präsentiert sich gerne als glücklicher Familienvater. Wenn seine Mitspieler früher im GC-Nachwuchs Fast Food essen gingen, sagte er nein. Er macht lieber Kraftübungen.
Michael Lang (27), Verteidiger Ein ehemaliger Nati-Kumpel sagt über Lang: «Michi hat die Haare schön.» In der Tat dürfte man den Ostschweizer nie mit einer Kurzhaarfrisur sehen. Es gibt einen berühmten zweiten Michel Lang – den amerikanischen Musikproduzenten. Der Schweizer Michael Lang ist Roger-Federer-Verehrer.
Fabian Schär (26), Verteidiger FC Wil forever. Auch der FC Basel hats ihm angetan. Hat eine KV-Lehre bei der Raiffeisen absolviert. Schär ist die Ruhe in Person, sagt wenig in der Öffentlichkeit. wenn er dann einmal etwas sagt, sagt er immer noch nicht viel. Nervt sich darüber, dass man ihm Fehleranfälligkeit unterstellt. Ist wieder solo und auf dem Markt.
Manuel Akanji (22), Verteidiger Ein Zürimaa, der sich auch als Fussballer nicht davor scheut, Gedanken über den sportlichen Tellerrand hinaus zu teilen. Spricht lieber über Rassismus, als ihn einfach zu ertragen - gut so! Sein Leitmotto: «Ich versuche, besser zu sein als nur gut genug.» Winterthur - Basel - Dortmund, sein Weg ist vielversprechend, auch für die Nati.
Johan Djourou (31), Verteidiger Verehrt seine Mütter, die leibliche und jene, die ihn adoptiert hat; sein Vater war einst mit beiden Frauen zusammen – ein komplizierte Geschichte. Frohnatur Djourou ist der Anführer der afrikanisch-stämmigen Fraktion im Nationalteam. Musste wegen Trump und einer verlorenen Wette die Haare blondieren.
Nico Elvedi (21), Verteidiger Der Eisvogel wird selten bis nie nervös – weder auf dem Platz noch daneben. Er hat als einer von wenigen Fussballern keine Tattoos. Dafür soll sein Zwillingsbruder Jan, der zuletzt bei Wohlen in der Challenge League spielte, extrovertierter sein. Seine Schweizer Freundin fliegt günstig zu ihm, sie arbeitet als Flugbegleiterin.
Ricardo Rodriguez (25), Verteidiger In der Schnupperlehre absolvierte er einst einen Tag als Hausmeister in der Eishalle Neudorf von Oerlikon. Die Bilanz: Mit einem Gabelstapler in eine Türe gefahren. Türe demoliert - Berufskarriere vorzeitig beendet. Ist wohl im Fussball besser aufgehoben. Seine Freunde nennen ihn «Pilz», Grund dafür sind seine Haare.
François Moubandje (27), Verteidiger So etwas wie der Liebling zweiter Reihe des Nationaltrainers. Als ihn niemand kannte, zauberte ihn Petkovic aus dem Hut. Und steht zu ihm, ganz egal, wie bescheiden die Nati-Auftritte sind. Sogar Journalisten aus der Westschweiz – normalerweise dem Lokalpatriotismus nicht ganz abgeneigt – rätseln, warum das so ist.
Granit Xhaka (25), Mittelfeldspieler Sein bester Kumpel ist «Pilz» Rodriguez, die beiden sind unzertrennlich und teilen sich in der Nati das Zimmer. Die Familie geht Xhaka über alles, er singt gerne albanische Volkslieder. Hat ein starkes Ego und immer mal wieder Puff mit dem «Blick». Im vergangenen Jahr heiratete Xhaka seine grosse Liebe Leonita.
Denis Zakaria (21), Mittelfeldspieler Heisst mit vollem Namen Denis Lemi Zakaria Lako Lado und hat vor zwei Jahren Luca Zuffi den EM-Platz weggeschnappt. Zakaria hat den FC Servette im Blut. Momentan im defensiven Mittelfeld mit 20 Millionen Euro Marktwert auf Platz 22 im Ranking der wertvollsten Spieler weltweit. Gilt als schüchtern und ruhig.
Die Schweizer Natispieler ganz privat: So zeigen sie sich auf Instagram
Remo Freuler (26), Mittelfeldspieler Bei GC hat er einst nicht gereicht, fünf Jahre später kann er sich Chancen auf Einsätze an der WM ausrechnen. Freundin Kristina ist Fan von Antoine Griezmann, deshalb jubelt er auch mal so wie der französische Star. Freuler gilt als grosser Frauenschwarm, wurde in seiner Zeit beim FC Luzern zum schönsten Profi gewählt.
Gelson Fernandes (31), Mittelfeldspieler Schreibt allen seinen Teamkollegen kurz vor Beginn der WM 2014 in Brasilien einen Brief. Weil er glaubt, dass nicht jedem bewusst ist, welch grosse Chance die Schweiz hat. Er ist immer noch dabei. Im Wissen um seine Rolle als guter Geist. Denn jedes funktionierende Team braucht mindestens einen Gelson.
Blerim Dzemaili (32). Mittelfeldspieler Ex-Frau Erjona Sulejmani bezeichnet sich gerne als «klügste Spielerfrau» und beklagte sich in einer Talkshow über das Leben an der Seite von Dzemaili. Die beiden sind nicht mehr zusammen, nach dem sie sich an der letzten Euro noch stolz präsentierte. Einst befand GC ihn für zu klein, wurde später mit dem FCZ Meister.
Xherdan Shaqiri (26), Mittelfeldspieler Sieht sich am liebsten auf der grossen Bühne. Nach den Jahren im Fegefeuer von Stoke City träumt er wieder von ihr. Menschlich sei Shaqiri in England gereift. Sagt er selbst. «Meinen Haushalt schmeisse ich eigenständig. Und wenn ich Hilfe brauche, kann ich immer noch kurz zu Hause anrufen..»
Steven Zuber (26), Mittelfeldspieler Auf der Innenseite seines linken Oberschenkels befindet sich ein längeres chinesisches Sprichwort – Zuber sieht sie als seine Leitsätze. Hat schon sehr viele Tattoos, will aber noch mehr. Seine Frau Mirjana lernte er vor zehn Jahren in Zürich kennen. Sie kandidierte 2014 unter ihrem Mädchennamen Vasovic als Miss Schweiz.
Breel Embolo (21), Stürmer Die Fans singen , Embolo sei in der Nati zu Hause. Wirklich zu Hause erwartet jedoch seine hochschwangere Freundin Naomi ein Mädchen. Bei einer Geburt während der WM reist Embolo nicht nach Hause. «Ob ich bei der Geburt dabei bin oder nicht, am Ende freue ich mich doch riesig auf das neue Wesen in meinem Leben.»
Haris Seferovic (26), Stürmer Der U17-Weltmeister gilt als Heisssporn, hat sich heute aber viel mehr im Griff als früher. Ist umgänglicher, als viele glauben. Postet in den sozialen Medien oft Bilder mit Freundin und/oder Hund. Sagt von sich selbst, ausser Fussball keine Hobbys zu haben. «Der Mann aus Sursee» – der Satz musste noch kommen.
Mario Gavranovic (28), Stürmer Vor vier Jahren verpasste der Tessiner die WM in Brasilien wegen einer Verletzung und kehrte erst in diesem Jahr wieder ins Schweizer Aufgebot zurück. Schoss seinen Klub Dinamo Zagreb in Kroatien noch kurz zum Double, jetzt will er endlich an einer WM spielen. Er ist seit letztem Sommer mit seiner Anita verheiratet.
Josip Drmic (25), Stürmer Als seine Teamkollegen die U17-Weltmeisterschaft gewinnen, sitzt Drmic zu Hause. Weil er den ersten Einbürgerungstest nicht besteht. Muss sich in den letzten Jahren mehr um seinen Knorpel sorgen, als dass er sich über Fussball freuen darf. Glücklicherweise geht die Genesung voran, auch dank eines Naturheilers.
Das Schweizer Nationalteam Die Schweizer Natispieler ganz privat: So zeigten sie sich auf Instagram.

Yann Sommer (29), Torhüter Ist schon wieder WM? Wer sich das fragt, sollte die Plakatwände in der Gegend betrachten. Lächelt darauf häufig Sommer, lautet die Antwort: Ja, die WM naht! Kocht im Übrigen gut und gerne. Die Resultate seiner Künste sind auf dem eigenen Blog zu sehen. Und Bälle halten? Gerne wieder so toll wie an der EM!

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Das schwarze Auto fährt beim Hotel vor. Nationaltrainer Vladimir Petkovic schlendert vorbei. Ein kurzes Lächeln für die Frau am Steuer. Der Tag neigt sich dem Ende zu. Der Tag, an dem Petkovic das Schweizer Kader für die WM 2018 in Russland bekannt gegeben hat.

Der Tag der Rückreise aus Spanien nach dem bemerkenswerten 1:1 im Testspiel. Der Tag auch, an dem der Nationaltrainer sagt: «Wir haben keine grossen Pläne – aber wir setzen uns auch keine Grenzen.»

23 Spieler stehen im Aufgebot. Sie haben Grosses vor, wenn sie am nächsten Montag nach Russland fliegen. Die Schweiz steht vor schwierigen Aufgaben. Brasilien, Serbien und Costa Rica heissen die Gegner. Aber die Schweiz darf für sich auch in Anspruch nehmen, für die anderen ein ebenso unangenehmer Konkurrent zu sein.

«Vielleicht nicht die 23 Besten»

Seit 2004 war die Schweiz an sieben von acht Endrunden dabei. Es ist eine vorzügliche Bilanz. «Die Entwicklung in den letzten 15 Jahren ist beeindruckend», sagt Petkovic. Es ist ein Grund dafür, warum mit Michael Lang «nur» ein einziger Spieler aus der heimischen Super League im Schweizer WM-Kader steht.

Schweizer Fussballer sind im Ausland gefragt, mehr denn je. Bevor Petkovic über die Ziele an der WM spricht, muss er aber auch drei Spieler enttäuschen. Es sind jene drei, die das Aufgebot in letzter Sekunde verpassen. Torhüter Gregor Kobel, Verteidiger Silvan Widmer und Mittelfeldspieler Edimilson Fernandes. Eine Überraschung ist das nicht. Und gleichwohl würde Petkovic, dem Harmonie wichtiger ist als manchem Fussballtrainer, am liebsten niemanden enttäuschen.

Die Schweizer Gruppenspiele

Die Schweizer Gruppenspiele

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Entscheidend ist die Balance der Gruppe

Ganz ohne Aufregung um das Aufgebot sind die letzten Wochen gleichwohl nicht vorbeigezogen. Manch einer hätte sich gewünscht, dass Petkovic einem jungen, unbekümmerten Spieler eine Chance geben möge. Oder einem Akteur, der die Super League geprägt hat, beispielsweise mit Meister YB. Doch der Nationaltrainer funktioniert anders. Die Balance der Gruppe ist entscheidend. Und die Mischung zwischen Jugend und Erfahrung.

Petkovic sagt: «Vielleicht sind jetzt nicht die 23 aktuell besten Schweizer Einzelspieler nominiert, aber sicher die Gruppe, die sich am besten ergänzt, nicht nur auf dem Platz, sondern auch ausserhalb. Das ist ebenfalls sehr wichtig, schliesslich wollen wir jetzt ja ein paar Wochen gemeinsam verbringen.»

Valon Behrami wird mit vierter WM zum Rekordspieler

Der Grossteil dieser Mannschaft hat bereits einige Jahre miteinander verbracht. Im Vergleich zur WM 2014 (noch unter Ottmar Hitzfeld) sind nur acht neue Spieler dabei. Einer wird in Russland gar zum Rekordspieler – Valon Behrami. Der Tessiner wird bereits seine vierte WM bestreiten. Das schaffte vor ihm noch kein Schweizer.

Behrami kommt aus dem Hotel. Die Hand einbandagiert. Er lächelt. Lara Gut lächelt zurück. Behrami steigt ein. Das schwarze Auto braust davon. Ein paar Stunden Kraft tanken für unser WM-Märchen.

Lesen Sie den Kommentar zum Thema: Es spricht einiges für eine aufregende Reise

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