FC Basel im Cupfinal
2015 gingen die Basler gegen Sion 0:3 unter – wie verhindern sie ein erneutes Debakel?

Die Niederlage ist in den Köpfen präsent: 2015 verlor der FC Basel den Cupfinal gegen den FC Sion gleich mit 0:3. Am 25. Mai treffen sich die beiden Mannschaften wieder im Endspiel des Schweizer Cups. Was ist heute gleich, was anders?

Sébastian Lavoyer
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Die Basler sind nach dem 0:3-Debakel gehörig enttäuscht – gelingt die Revanche?

Die Basler sind nach dem 0:3-Debakel gehörig enttäuscht – gelingt die Revanche?

Keystone

Nach seinem gravierendsten Fehler gefragt, sagte Georg Heitz unlängst, er habe die Vorbereitung auf den Cupfinal 2015 nicht eng genug begleitet. «Wir haben gespürt, dass die Spannung nicht mehr so hoch ist, wie sie hätte sein müssen», erklärt Heitz. Die Folgen sind bekannt: Basel ging im Joggeli gegen die Walliser mit 0:3 unter. Der FC Sion sicherte sich in seinem 13. Cupfinal den 13. Pokal. Der Mythos setzte sich durch gegen den Vorzeige-Klub.
Es war nicht irgendeine Niederlage. Vor eigenem Publikum wurden die Basler von den Wallisern regelrecht eingeschnürt, kamen kaum dazu, nach Luft zu schnappen. Der überragende Mann damals: Carlitos. Ironischerweise von 2007 bis 2010 selbst beim FCB aktiv.

Tempi passati, Schnee von gestern, die Geschichte soll sich nicht wiederholen. Also muss man lernen aus den Fehlern der Vergangenheit. «Der Spannungsabfall hing sicherlich auch mit der nicht geklärten Vertragssituation des Trainers zusammen. Sousa hatte ein Angebot. Logischerweise hat er sich da in Gedanken auch mit seiner Zukunft befasst. Und das spürt eine Mannschaft», sagt Heitz heute. Paulo Sousa stieg im Sommer 2015 aus seinem Dreijahresvertrag aus. In der Presse kursierten längst Gerüchte, dass er nach Italien zur AC Fiorentina wechseln werde.

FCB-Sportdirektor Georg Heitz «Sousa hatte ein Angebot. Logischerweise hat er sich da in Gedanken auch mit seiner Zukunft befasst. Und das spürt eine Mannschaft.»

FCB-Sportdirektor Georg Heitz «Sousa hatte ein Angebot. Logischerweise hat er sich da in Gedanken auch mit seiner Zukunft befasst. Und das spürt eine Mannschaft.»

KEYSTONE

Als wäre nichts geschehen

Im Gegensatz zur Situation damals ist heute schon bekannt, dass Urs Fischer den FC Basel Ende Saison verlassen wird. Wohin, ist weiter unklar. Sicher ist, dass Rapid Wien in Person von Sportchef Fredy Bickel (ehemals FC Zürich und YB) grosses Interesse bekundet haben. «Ich habe eine sehr hohe Meinung von ihm. Seine Teams sind immer sehr gut organisiert. Ich glaube, er würde gut nach Österreich passen», liess sich Bickel vom «Blick» zitieren.

Rapid Wiens Schweizer Sportchef Fredy Bickel bekundete Interesse an Fischer.

Rapid Wiens Schweizer Sportchef Fredy Bickel bekundete Interesse an Fischer.

Keystone

Warum nun alles anders kommt? Weil Fischer anders tickt als der Portugiese. Stets hat er den Verein höher gestellt als sich selbst. Ob in Zürich, in Thun oder in Basel ist einerlei. Auf die nahe Zukunft und den Cupfinal angesprochen, sagt Fischer: «Natürlich werde ich in den kommenden Spielen das eine oder andere ausprobieren können. Aber ich werde das Team nicht auf den Kopf stellen. Wir ziehen das durch – bis am Schluss.»

Kurz wurde der Alltag unterbrochen. Als der FCB am Freitag in Luzern die Meisterschaft klarmachte, wurde das Samstagstraining gestrichen. Drei Tage durften sie feiern und durchatmen. Doch schon am Dienstag ging es wieder los. «Natürlich braucht man einen Moment, bis man wieder drin ist. Anfangs war es noch nicht so intensiv wie vorher. Doch dann haben wir den Rhythmus erhöht», sagt Fischer.

Urs Fischer «Ich werde das Team nicht auf den Kopf stellen.»

Urs Fischer «Ich werde das Team nicht auf den Kopf stellen.»

Urs Lindt/freshfocus

Das bestätigt FCB-Captain Matias Delgado: «Natürlich war es zu Beginn ein bisschen lockerer. Aber das Team weiss, dass alles, was wir jetzt machen, der Vorbereitung des Cupfinals dient.» Die Zahl der Trainings, die Zeiten – als wäre Basel noch immer auf der Jagd nach dem zweiten Stern. Und Urs Fischer redet nicht nur so, sondern er handelt auch entsprechend. «Wenn er zurücklehnen würde, hätte das einen Einfluss auf das Team. Selbst wenn er es nicht beabsichtigen würde. Aber Urs hält die Spannung, damit wir mit dem Kopf bei der Sache bleiben», sagt Delgado.

FCB-Captain Matías Delgado «Alles was wir jetzt machen, dient der Vorbereitung für den Cupfinal.»

FCB-Captain Matías Delgado «Alles was wir jetzt machen, dient der Vorbereitung für den Cupfinal.»

Roland Schmid

«Sion hat den Druck»

Um zu belegen, wie zentral der Trainer generell ist, kommt der FCB-Captain auf José Mourinho und Pep Guardiola zu sprechen: «Mourinhos Teams schreien den Schiedsrichter an, sind aggressiv. Guardiolas Mannschaften spielen Fussball.» Und das Team von Urs Fischer lässt sich – wenigstens in der Meisterschaft – von nichts und niemandem aus dem Konzept bringen. Die schwache Gruppenphase in der Königsklasse? Ohne grossen Einfluss auf die Meisterschaft. Der Führungswechsel? Ebenso. Die Absetzung Fischers? Höchstens ein kleiner Hickser.

Am Sonntag nun Lugano. Fischer wird drei Wechsel vornehmen müssen. Serey Die ist verletzt, Suchy und Traoré sind gesperrt. Zuffi, Balanta und Riveros dürften zum Zug kommen. Vielleicht kommen ein, zwei Wechsel hinzu. Aber durchrotieren? Niemals. Gut möglich, dass es trotzdem schwer wird in Spiel eins nach dem Meistertitel. Aber verlieren? Wohl kaum. Letztmals hat Basel am 12. November 2000 gegen Lugano den Kürzeren gezogen. Und selbst wenn es die zweite Pleite der Saison absetzen sollte, sagt Heitz: «Wir haben genug Zeit, uns auf den Cupfinal vorzubereiten.» Das Schlusswort des Captains: «Wir können die Niederlage in Basel nicht ungeschehen machen. Aber der Final ist eine einzigartige Gelegenheit, uns zu revanchieren. Sie haben noch nie verloren, sie haben den Druck. Das ist perfekt.»