Die wahre Reifeprüfung zum Saisonstart war eigentlich nicht das erste Spiel gegen Basel gewesen – den Serienmeister haben die Young Boys daheim meistens relativ gut im Griff. Nein, es war das zweite Spiel, auswärts gegen GC. Die haben uns vergangene Saison mit einem beschämenden 4:1 heimgeschickt. Und überhaupt weiss man – und möchte daran oft genug schier verzweifeln – um die Geschenke, die YB manchmal gerade gegenüber kriselnden Mannschaften ganz unpassend verteilt.

Aber nichts davon im Letzigrund. Vier Treffer, drei davon von neuen, jungen Spielern, und im Tor nach dem Ausfall von David von Ballmoos wieder einmal Marco Wölfli, die treue, stets bereite YB-Seele. Auch Hoarau, diesmal nur auf der Bank, strahlte. Etwas verloren im weiten, fast leeren Stadion schienen einzig die GC-Fans im Geviert ihres Exils.

So überlegen waren die Young Boys am vergangenen Samstag, dass sich der Kommentator auf «Teleclub» zu der Bemerkung hinreissen liess, die Berner seien, machten sie so weiter, Titelaspirant. Solche Dinge, die eigentlich Grosses ankündigen, klein zu halten, haben wir gelernt in Bern in all den Jahren. Logisch: Niemand ist gern ständig nur Zweiter. Aber man gewöhnt sich auch daran.

Doch diesen Sommer ist es anders. Spätestens nach der magischen Nacht am Mittwoch im Wankdorf, die einen plötzlich auch wieder europäisch träumen lässt. Nicht YB verliert diesen Sommer, die Stadt ist es, die – in der Super League der hohen Politik von Bundesbern – ziemlich im Abseits steht. Das Bundesamt für Kultur spielt Schiffchenversenken mit der Berner Kultur: zuerst die massive Kürzung der Subventionen an das Alpine Museum und nun die Aufkündigung der jährlichen Bundesmillion. Bern droht ein herber Verlust. Unser Team im Bundeshaus – die Berner Parlamentarierinnen und Parlamentarier – steht noch vor Beginn der Saison bereits total unter Druck.

Was YB-Siege mit verlorenen Bundesgeldern zu tun haben? Gar nichts. Aber sie tun halt besonders gut, wenn es sonst grad nicht so rund läuft.