WM14
2:5-Debakel: Frankreich führt die Schweiz vor

Ein Abend zum Vergessen: Die Schweizer Nati verliert das zweite Gruppenspiel gegen Frankreich 2:5. Um die Achtelfinal-Qualifikation zu erreichen, muss eine Leistungssteigerung gegen Honduras her.

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Schweiz-Frankreich: Die Bilder
54 Bilder
Die Schweizer verschwinden mit hängenden Köpfen in die Garderobe
Der Jubel der Franzosen nach dem Schlusspfiff
Fehler über Fehler: Die Schweizer Spieler schnauzen sich an
Shaqiri kann die Demontage nicht fassen
Die Schweizer Nati geht gegen Frankreich unter
Die Franzosen demontieren die Schweizer
Granit Xhaka und Blerim Dzemaili sorgen für den Schweizer Lichtblick Die beiden Natispieler machten mit ihren Treffern das Debakel etwas erträglicher
Der Blick an die Anzeigetafel Admir Mehmedi kann kaum hinsehen
Benzema schiesst für Frankreich das 100. WM-Tor
Die Ratlosigkeit der Schweizer Seferovic züngelt, doch nicht aufgrund eines Treffers
Huckepack Valbuena auf Giroud
Djourou foult Benzema - Penalty!
Benaglio hält den Benzema-Penalty, zieht aber auch einen schlechten Tag ein
Ottmar Hitzfeld nach dem Penalty-Pfiff Nie und nimmer Penalty!, motzt Hitzfeld. Wir sehen es differenzierter: Dummer Djourou, klares Foul
Die Franzosen in Ballerlaune
Valbuena schliesst den Konter der Franzosen sensationell ab - 3:0 Frankreich
Blaise Matuidi erwischt Benaglio in der kurzen Ecke zum 2:0 - nur wenige Sekunden nach Girouds Führungstreffer
Giroud bringt die Franzosen nach einem Eckball früh in Führung - 1:0 Frankreich
Das 1:0 für Frankreich durch Giroud-Kopfball
Torschütze Giroud ballt die Faust
Giroud jubelt über den Führungstreffer der Franzosen
Von Bergen verletzt am Boden - unabsichtlich getroffen worden von Giroud
Von Bergen muss verletzt ausgewechselt werden
Shaqiri im Zweikampf mit Benzema
Die Startformation der Schweizer gegen Frankreich
Das Team der Franzosen
Die Franzosen wollen den Pokal schon in den Händen halten
Die Schweizer Fans auf den Rängen sorgen für eine gute Stimmung im Stadion
Hopp Schwiiz!
Hopp Schwiiz! Eine Schweizerin vor Ort in Salvador
Grosses Polizeiaufgebot in Salvador
Freundschaftliche Nachbarn Die Schweiz trifft in Brasilien auf Frankreich
Die Fans versammeln sich vor dem Stadion
Arena Fonte Nova in Salvador Im Stadion Fonte Nova in Salvador gab es bislang zwei Spiele. Und in beiden gab es für den Sieger viele Tore: Holland-Spanien 5:1, Deutschland-Portugal 4:0.
Didier Deschamps an der Pressekonferenz
Wir nähern uns dem Stadion
Stau in Brasilien das gehört zum Alltag
Auf dem Weg in die Arena Fonte Nova

Schweiz-Frankreich: Die Bilder

Keystone

Die Schweiz hat sich gegen Frankreich im zweiten WM-Spiel ein monumentales Blackout geleistet. Das 2:5 gegen "Les Bleus" ist einem Debakel gleichzusetzen. Nicht die Achtelfinal-Qualifikation ist nun das Thema, sondern ein mögliches Scheitern.

Ottmar Hitzfeld hatte eine Begegnung auf Augenhöhe erwartet. Er, die Equipe und auch das Gros der Beobachter glaubten, die späte Wende zum Glück gegen Ecuador, würden weitere Kräfte freisetzen. Die Schweizer hielten gegen den früheren Weltmeister gar den grossen Coup für möglich, in ihren Gedankenspielen kam primär der entscheidende Schritt Richtung Achtelfinal vor.

Was sich nun aber in der "Arena Fonte Nova" abspielte, hätte nun allerdings nicht einmal der grösste Schweizer Pessimist vorherzusagen gewagt. Die SFV-Auswahl erlitt ein Debakel.

Die vormals stolze Equipe, die in der Qualifikation nicht ein einziges Mal verloren hatte und innerhalb der letzten 25 Monate bei lediglich zwei Niederlagen kaum einmal unter ein Mindestlevel absackte, bezog eine epochale Lektion - die höchste Pleite an einer Endrunde seit dem 0:5 an der WM 1966 in Sheffield gegen Deutschland.

Als die Hilflosigkeit der Schweizer dramatische Ausmasse annahm und sich einzig Diego Benaglio gegen ein noch schmerzhafteres Ergebnis auflehnte, drückten die Franzosen genussvoll noch mehr aufs "Gaspedal". Sie begnügten sich nicht damit, der Nummer 6 der FIFA-Weltrangliste die Grenzen aufzuzeigen, sie demütigten die Auswahl von Ottmar Hitzfeld gnadenlos.

Zweithöchste Niederlage der Schweizer WM-Geschichte

Das 2:5 in Salvador gegen Frankreich war die zweithöchste Schweizer Niederlage der WM-Geschichte. Höher verlor eine SFV-Equipe an einer Endrunde einzig am 12. Juli 1966, als es im Hillsborough Stadium von Sheffield unter Trainer Alfredo Foni gegen Deutschland eine 0:5-Niederlage absetzte. Letztmals mit drei Toren Differenz an einer WM verlor die Schweiz 1994 im Achtelfinal gegen Spanien.

Die höchsten Schweizer WM-Niederlagen:
12.07.1966 Sheffield (Eng) Schweiz - Deutschland 0:5 Gruppenspiel
20.06.2014 Salvador (Br) Schweiz - Frankreich 2:5 Gruppenspiel
25.06.1950 Belo Horizonte (Br) Schweiz - Jugoslawien 0:3 Gruppenspiel
07.06.1962 Santiago (Chile) Schweiz - Italien 0:3 Gruppenspiel
02.07.1994 Washington (USA) Schweiz - Spanien 0:3 Achtelfinal

Droht im Dschungel das Out?

Benzema und Sissoko krönten die französische Gala in Salvador mit einer weiteren Doublette. Und als beim aus SFV-Optik deprimierenden Stand von 0:5 von den Zuschauerrängen die "Marseillaise" erklang, taumelten die gezeichneten Schweizer nur noch, derweil die Anhänger Frankreichs in alten Weltmeister-Zeiten schwelgten. Die Schweizer hingegen hatten eine Schmach zu verkraften, wie sie ihnen letztmals vor 63 Spielen (0:4 gegen England) widerfahren ist.

Die Franzosen hatten ihr "Fiasco de Knysna" vor vier Jahren, die Schweizer nun ihren kolossalen Absturz von Salvador. Mit einer Spieler-Revolte ist zwar keinesfalls zu rechnen, aber der Verarbeitungsprozess wird Energie kosten. Hitzfeld muss die wohl grösste Enttäuschung seiner Ära ohne Verzögerung bewältigen. Innerhalb von wenigen Tagen muss er die Verunsicherung aus den Köpfen der Spieler bringen.

Er wird in der Analyse mutmasslich auch die letzten Minuten hervorheben, in denen die späte Kosmetik gelang - und in denen Dzemaili und Xhaka mit ihren Treffern den Schaden zwar nur marginal begrenzten, aber immerhin das Torverhältnis auf minus zwei reduzierten. Im Dschungel von Manaus könnten die späten Treffer womöglich noch eine entscheidende Rolle spielen, wenn die Schweiz gegen Honduras das zweite frühzeitige WM-Out zu verhindern versucht.

Girouds Tritt, Schweizer Zerfall

Eine einzige Aktion der aufgeputschten Franzosen genügte, im Schweizer Team eine kollektive Verunsicherung auszulösen. Olivier Giroud, gegen Honduras nur Joker, rammte Steve von Bergen früh den (zu) hohen Fuss ins Gesicht. Für den Schweizer war die Partie damit nach sechs Minuten zu Ende - der YB-Verteidiger schied mit einem Cut unterhalb des linken Auges aus.

Mit seinem Tritt erschütterte der Arsenal-Professional nicht nur den Kopf von Bergens, sondern verwundete die Schweiz mitten im Zentrum. Ohne ihren Patron, der zuvor während der WM-Kampagne in zehn von elf relevanten Partien spielte und fast immer überzeugte, verlor Hitzfelds Equipe zuerst den defensiven Kopf, dann die taktische Ordnung und letztlich komplett die Orientierung.

Dass ausgerechnet Giroud in der 17. Minute nach einem Corner per Kopf Benaglio ein erstes Mal bezwang, war aus der Optik der Schweizer natürlich doppelt bitter. Und noch ehe sie sich von diesem Tiefschlag erholt hatten, folgte bereits der nächste: 70 Sekunden (!) später erhöhte Matuidi auf 2:0.

Benaglio liess sich aus relativ spitzem Winkel düpieren. Aber dem Keeper ist der zweite Gegentreffer nur bedingt anzulasten. Der Verursacher des Problems war ein anderer: Valon Behrami. Der Tessiner leistete sich einen Fauxpas, der auf WM-Niveau selten zu sehen ist. Unbedrängt passte er nach dem Anspiel zurück - direkt in die Füsse von Benzema, der dank dem Geschenk zum unverhofften Break gelangte.

Beim 0:3 liessen sich die Schweizer gar regelrecht vorführen. Nach dem ersten Corner der Schweizer schüttelten "Les Bleus" den komplett überforderten Kontrahenten mit einer Passfolge im Highspeed-Modus endgültig ab. Der im Höchsttempo umgesetzte Gegenzug führte via Benzema, Varane, Giroud und Valbuena zum 3:0. Deschamps Team degradierte die Schweizer nicht nur in jener Szene ausnahmslos zu Statisten.

Unerklärlicher Absturz

Wie sich Hitzfelds Mannschaft während der ersten Hälfte verhielt, war unerklärlich und im hohen Mass fahrlässig. Gegen den frühzeitigen Zerfall lehnte sich eigentlich nur Mehmedi auf. Der Freiburger kam vereinzelt zu Schüssen, der Rest verschwand von der Bildfläche. Bei einigen war die Fallhöhe im Vergleich zum Startsieg (2:1 gegen Ecuador) extrem hoch.

Behrami beispielsweise, der mit seinem wilden "Ritt" übers Feld den Last-Minute-Sieg beim geglückten WM-Auftakt erst ermöglicht hatte, reihte einen Fehler an den anderen. Er war mit seiner wirren Spielweise keine Hilfe, sondern eine Hypothek. In der Pause stoppte Hitzfeld Behramis Darbietung. Eine markante Besserung trat nicht ein. Die kollektive Auflösung schritt weiter voran.

Keiner konnte die Franzosen aufhalten. Weder der Captain Inler, noch die Aussenverteidiger Rodriguez und Lichtsteiner, geschweige denn das wacklige Duo Senderos und Djourou. "Les Bleus", die seit dem 3:0 in der Barrage gegen die Ukraine ohne Niederlage sind und in sechs Partien 24 Tore markierten, waren nicht zu stoppen. Dass sie nach dem 3:0 gegen Honduras dabei auf weniger Widerstand stiessen, hätte kaum ein Experte für möglich gehalten.

Von Bergen mit Hirnerschütterung out

Steve von Bergen erleidet im Spiel gegen Frankreich einen Cut unter dem Auge und eine leichte Hirnerschütterung. Der Innenverteidiger musste zur Untersuchung ins Spital. In der 7. Minute traf Olivier Giroud den Verteidiger der Berner Young Boys mit dem Fuss unglücklich im Gesicht. Der 31-Jährige klagte danach über starke Kopfschmerzen. Mit einer klaffenden Wunde unter dem Auge musste von Bergen durch Philippe Senderos ersetzt werden.

Schweiz - Frankreich 2:5 (0:3)

Fonte Nova, Salvador. - 51'003 Zuschauer. - SR Kuipers (Ho). - Tore: 17. Giroud (Corner Valbuena) 0:1. 18. Matuidi (Benzema) 0:2. 40. Valbuena (Giroud) 0:3. 67. Benzema (Pogba) 0:4. 73. Sissoko (Benzema) 0:5. 81. Dzemaili (Freistoss) 1:5. 87. Xhaka (Inler) 2:5.

Schweiz: Benaglio; Lichtsteiner, Djourou, Von Bergen (9. Senderos), Rodriguez; Behrami (46. Dzemaili), Inler; Shaqiri, Xhaka, Mehmedi; Seferovic (69. Drmic).

Frankreich: Lloris; Debuchy, Varane, Sakho (66. Koscielny), Evra; Cabaye; Sissoko, Matuidi; Valbuena (82. Griezmann), Benzema; Giroud (63. Pogba).

Bemerkungen: 9. Von Bergen verletzt out (Gesicht). 27. Tor von Xhaka aberkannt (Offside). 32. Benaglio wehrt Foulpenalty von Benzema, Cabayes Nachschuss an die Latte. Schweizer Ersatzspieler: Ziegler, Lang, Barnetta, Sommer, Stocker, Fernandes, Gavranovic, Bürki, Schär. Verwarnung: 88. Cabaye (Foul/gegen Ecuador gesperrt).

Der frech geschriebene Liveticker von Renato Schatz mit Countdown-Liveticker der Redaktion zum Nachlesen: