YuBeljahr

#16: Wenn der Steigerhubel plötzlich in Afrika liegt

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Manchmal ist der Weg das Ziel. Die vier Berner Autoren Pedro Lenz, Bänz Friedli, Bernhard Giger und Klaus Zaugg begleiten YB auf dem Weg zum Meistertitel. Zumindest bis der Rückstand auf Basel 13 Punkte oder mehr beträgt.

YB-Aufstellung – Tor: Von Ballmoos. Verteidigung: Von Bergen. Rest: von Afrika. Der Spruch kursiert heftig, allein gestern wurde er mir von vier verschiedenen Fans gewhatsappt. Er ist auf den ersten Blick lustig. Und auf den zweiten saublöd. Denn die Bezeichnung «von Afrika» ist mehrfach falsch.

Und darin schwingt der unsägliche Rassismus mit, den Nati-Captain Stephan Lichtsteiner mit seiner Unterscheidung in «richtige» und «andere Schweizer» losgetreten hat.

Ja, es stehen manchmal sieben, acht Dunkelhäutige im YB-Team. Aber: Breiter als Gregory Wüthrich kann man gar nicht Berndeutsch reden. Er wuchs im Steigerhubel auf, einem Quartier der Bundesstadt. Djibril Sow ist Zürcher, «Chräis vier».

Die Nachwuchsinternationalen Mbabu und Lotomba stammen aus der Westschweiz, woher YB-Scout Stéphane Chapuisat schlau die Talente holt, wissend, dass solche aus Basel und Zürich weit schwieriger wegzulotsen wären. Folglich sind vier der angeblichen Afrikaner Schweizer.

Rechnet man Teixeira mit seinem dunklen Teint dazu, sind es fünf. Hoarau und Nsame kommen aus Frankreich. Schliesslich stammen Sanogo und Assalé tatsächlich von der Elfenbeinküste, ist Nuhu Ghanaer und Ngamaleu Kameruner. Aber spielt das eine Rolle?

Offenbar schon. Immerhin fragte die «Berner Zeitung» unlängst den YB Verwaltungsratspräsidenten, ob die vielen Schwarzen gewissen Fans nicht die Identifikation erschwerten. Und Fredu, der Stumpenraucher aus Sektor C4, gab mir die Antwort: Man sollte sich «halt einfach auf traditionelle Werte besinnen», schwadronierte er. Und raunte dann noch das Wort «Neger». Solang YB gewinnt, wird er dies nur heimlich tun.

Ich habe ihn an Doumbia erinnert, an die Norweger «Mini» Jakobsen und Lars Bohinen, den Dänen Christensen, die Armenier Vardanyan und Petrosyan, den Schweden Prytz. Immer schon hat Fredu die Fremden eingebernert. Farnerud war für ihn der «Fahrni Rüedu», Godfried Aduobe «dr Ghana-Gödu».

Nun aber scheint er sich nach einer Schweiz zu sehnen, die es nie gab. Wir haben immer von Zuwanderung profitiert, zumal im Fussball. Die momentane Nati verdankt ihren Höhenflug dem Zerfall Jugoslawiens.

Bald wird das Team seinen Zenit überschreiten, und was dann kommt, ist völlig klar: Ein Schweizer Nationalteam mit zahlreichen Dunkelhäutigen, unter anderen den ehemaligen Young Boys Zakaria und Mvogo. Diese Zukunft des Schweizer Fussballs hat bei YB bereits begonnen. Das stimmt sogar mich zuversichtlich.

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