Cupfinal
13 Finals, 13 Siege: Der FCZ, ein hochgradiger Cupspezialist

Wie Sion haben auch die Zürcher erst einen Final verloren – die Spieler Iselin, Fischbach und Münch erzählen.

Markus Brütsch
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FCZ-Verteidiger Hubert Münch (links) im Laufduell mit FCB-Captain Karl Odermatt – die Zürcher gewannen alle vier Finals gegen die Basler.

FCZ-Verteidiger Hubert Münch (links) im Laufduell mit FCB-Captain Karl Odermatt – die Zürcher gewannen alle vier Finals gegen die Basler.

Keystone

13 Finals, 13 Siege! Bis vor einem Jahr ist der FC Sion vermutlich weltweit die speziellste Cupmannschaft gewesen. Nicht jene mit den meisten Titeln zwar, aber die mit der imponierendsten Finalbilanz. 13 Finals, 13 Siege – was für eine grandiose Leistung der Walliser. Doch der FC Basel nahm keine Rücksicht auf deren Nimbus und zerstörte diesen am 25. Mai 2017 in Genf mit einer brutalen 3:0-Klatsche. Was den Sittener Präsidenten Christian Constantin veranlassen sollte, beinahe die komplette Mannschaft auszuwechseln.

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Cupsiege hat der FC Zürich bisher errungen: 1966, 1970, 1972, 1973, 1976, 2000, 2005, 2014, 2016. Den letzten vor zwei Jahren als feststehender Absteiger gegen Lugano.

Einsamer Rekordcupsieger mit 19 Titeln sind zwar die Grasshoppers, doch haben sie dafür 32 Endspiele gebraucht. Was die Erfolgsquote in Finals anbelangt, hat deshalb noch immer der FC Sion die Nase vorn. Aber aufgepasst, in seinem Schatten hat sich mit dem FCZ ein anderer Verein zu einem wahren Cupspezialisten gemausert. In zehn Endspielen haben die Stadtzürcher den Rasen nur einmal als Verlierer verlassen. Das war vor 37 Jahren, als es gegen Lausanne-Sports eine 3:4-Niederlage nach Verlängerung absetzte.

Iselins Frustfoul

Mit dabei an jenem denkwürdigen 8. Juni 1981 war im Team der Zürcher Walter Iselin gewesen. Es war für ihn und den FCZ ein schwacher Trost, dass die 40 000 Zuschauer im Wankdorf ein seltenes Spektakel gesehen hatten. «Fussball total», schrieb die Presse danach. «Wir waren der klare Favorit, spielten aber überheblich», erinnert sich Iselin.

Der 64-Jährige, der heute beim SFV arbeitet, liess sich in der Verlängerung aus Frust zu einem Ellbogenschlag gegen den Lausanner Doppeltorschützen Crescenzi hinreissen und wurde zum einzigen Mal in seiner Laufbahn vom Platz gestellt. «Dummerweise hat es der Schiedsrichter gesehen», sagt Iselin, der vier Jahre später sein persönliches Missgeschick wettmachte, als er mit einem Traumtor den FC Aarau gegen Xamax zum Cupsieg schoss.

Zürich hat weniger zu verlieren

Ein paar Tage vor dem allerersten Cupfinal zwischen den Young Boys und dem FCZ sieht Iselin für den FCZ intakte Chancen – 50:50 – auf den dritten Cupsieg in den letzten vier Jahren. «YB hat zwar eine grossartige Saison gespielt, aber mehr zu verlieren als die Zürcher. In Bern erwarten alle das Double», sagt Iselin.

Pius Fischbach hat mit dem FCZ 1976 dessen fünften Cupfinal bestritten und gegen Servette 1:0 gewonnen. Heute ist der frühere Aussenverteidiger mit den langen, dünnen Beinen 70 Jahre alt, rattert die damalige Aufstellung seiner Mannschaft aber in einem Zug herunter, als ob das Spiel gestern gewesen wäre: «Grob; Kuhn; Heer, Zigerlig, Fischbach; Rutschmann, Martinelli, Botteron, Scheiwiler; Katic, Risi.» Dass Katic in der 9. Minute der Torschütze war, weiss der Villmerger natürlich auch noch.

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«Wir hatten uns im Trainingslager in Sigriswil vorbereitet und auf dem Turnplatz des Schulhauses trainiert. Im Mätschli spielte dann auch Masseur Burgermeister mit...» Fischbach hat mit dem FCZ eine makellose Finalbilanz, aber im Gegensatz zu Köbi Kuhn und Rosario Martinelli mit den Zürchern nur einen einzigen Final bestritten. Die beiden anderen sind fünf Mal in einem solchen aufgelaufen und haben das Wankdorf immer als Sieger verlassen. Zwei Mal gegen Servette, drei Mal gegen den FC Basel.

Vier Endspiele, vier Siege

Eine fast so gute Bilanz weist Hubert Münch auf: Vier Endspiele, vier Siege. Der Deutsche war mit 20 Jahren in die Schweiz gekommen, um dem Militärdienst zu entgehen.

Vom 2:0-Sieg 1966 gegen Servette ist dem ehemaligen Aussenverteidiger in Erinnerung geblieben, dass es ihm gelungen war, Jean-Claude Schindelholz aus dem Spiel zu nehmen. «Das war damals der beste linke Flügel in der Schweiz. Ich hatte mit ihm immer Mühe, zum Glück aber in diesem Cupfinal ausnahmsweise einmal nicht», sagt Münch.

Münchs Manndeckung

Doch was Schindelholz gegen Münch erlebte, war nichts im Vergleich zu dem, was Walter Balmer durchzumachen hatte. In sämtlichen drei Finals, die der FC Basel 1970 (1:4 n.V.), 1972 (0:1) und 1973 (0:2) verlor, stand der Basler Aussenstürmer auf verlorenem Posten. «Ich hatte den Auftrag, ihn nie aus den Augen zu lassen», erzählt Münch. «Ich trieb ihn fast zur Verzweiflung: Als er sich einmal an die Seitenlinie begab, ohne dass ein Ball in der Nähe war, stellte ich mich dicht neben ihn.» Münch wäre Balmer vermutlich sogar auf die Toilette gefolgt. «Aber Balmer war ein hochanständiger Sportler und hat sich nie beklagt. Später hat er in einem Interview eingeräumt, gegen mich chancenlos gewesen zu sein», berichtet der 77-Jährige, der am Zürichsee lebt.

Wie Iselin und Fischbach traut auch Münch dem FCZ zu, die Young Boys am Sonntag zu schlagen. «Ich bin zwar nicht mehr so genau über die Stärkeverhältnisse informiert, doch in einem solchen Spiel ist alles möglich.» Was Münch erzürnt, ist die Tatsache, dass YB nach den Halbfinals den Platzvorteil im Final zugesprochen erhielt, Und dies erst noch auf Kunstrasen. «Das ist unfair», sagt Münch. Noch ein weiterer Grund, auf den FCZ zu hoffen.

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