Yubeljahr
#11: Warten auf die Verkündigung des «YB-Evangeliums»

Wird diese Saison endlich ein YuBeljahr? Die vier Berner Autoren Pedro Lenz, Bänz Friedli, Bernhard Giger und Klaus Zaugg glauben fest daran, dass YB den FC Basel entthront. Sie begleiten ihren Verein auf dem Weg zum Titel mit einer wöchentlichen Meisterkolumne. Zumindest bis der Rückstand auf Basel 13 Punkte oder mehr beträgt.

Klaus Zaugg
Klaus Zaugg
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Es scheint nicht mehr komplett unmöglich, dass YB Schweizer Meister werden könnte.

Es scheint nicht mehr komplett unmöglich, dass YB Schweizer Meister werden könnte.

Keystone

Langsam aber umso sicherer verändert YB die Sozialstruktur unserer Stammtischrunde im Hotel Bahnhof. In den Jahren des Wartens auf den nächsten Titel hat sich so etwas wie eine Schicksalsgemeinschaft gebildet. Vor Unmöglichkeit, Meister zu werden, waren wir alle gleich.

Wer es am besten verstanden hat, unsere enttäuschten Hoffnungen in Worte zu kleiden, war der Held, der Zyniker des Tages. Aber nun wird ausgerechnet unser Juniorentrainer, der mit allen Diplomen, unsere neue Lichtgestalt. So muss es gewesen sein, als sich in fernen Zeiten die Menschen um einen Propheten oder einen Medizinmann scharrten. Um von ihm zu erfahren, was die Zeichen des Himmels bedeuten und ob der ersehnte Regen nun kommen werde. Oder ob gar der Tag der Wiederkehr des Herrn zu erwarten sei.

Jetzt geht es auch bei uns um die ganz grossen, schicksalsschweren Fragen: Gibt es im YB-Spiel meisterliche Anzeichen? Gibt es spielerische, taktische, psychologische Erkenntnisse, die darauf hindeuten, dass wir besser sind als Basel? Wir sind Laien. Wir können es nicht wissen. Aber unser Juniorentrainer, der mit allen Diplomen, muss doch im Besitze höherer Erkenntnis sein! Wie deutet er die Zeichen des fussballerischen Himmels?

Er ist sich seiner neuen Wichtigkeit wohl bewusst und zelebriert sie. Mit einer gewissen Feierlichkeit sagt er: «Nach dem 5. November gebe ich euch eine Antwort.» Aha. YB spielt am 5. November in Basel. Er werde auch nach Basel fahren. Aber für einmal nicht mit seinem Trainerausweis ins Stadion gehen. Sondern ein Ticket im «Family Corner» kaufen.

Wenn er mit dem Trainerausweis ins Stadion gehen, werde ihm ein Platz auf der Seite der Muttenzer Kurve zugewiesen. Das sei einem kultivierten Berner nicht zuzumuten. Dort könne er sich nicht aufs Spiel konzentrieren. Wir werden ihm das Ticket spendieren. Wir wollen schliesslich, dass er sich konzentrieren kann. Damit er uns am 6. November am Stammtisch das YB-Evangelium verkünden und sagen kann, ob wir Meister werden.