Champions League
1:5 im Bernabéu: Statt Zwergenaufstand ein Basler Hühnerhaufen

Für den FC Basel stand der Einstand in der diesjährigen Champions League unter keinem guten Stern. Trotz einer Leistungssteigerung in der zweiten Halbzeit ging die Partie in Madrid mit 1:5 verloren, wobei die Basler in der 1. Halbzeit ohne Chance war.

Sebastian Wendel (Text) & Adrian Gottwald (Live-Ticker)
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Basels Goalie Tomas Vaclik hat keine Chance: Der Schuss von Benzema landet zum 5:1 im Tor.
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Die enttäuschten Basler Spieler bedanken sich bei ihren Fans für die Unterstützung.
Karim Benzema feiert sein Tor zum 5:1 mit Marcelo.
Starker Reflex: Iker Casillas verhindert das 2:4 - Derlis Gonzalez war frei zum Schuss gekommen.
James Rodriguez trifft zum 4:0.
Real - Basel
Gareth Bale gegen Basels Taulant Xhaka
Ronaldo jubelt über sein 3:0
Die Madrilenen jubeln nach der 1-0-Führung
Basel am Boden, Real im Rausch.
Bedauernswerter Goalie Tomas Vaclik. Die Madrilenen kennen kein Pardon.
Offen wie ein Scheunentor: Gareth Bale trifft zum 2:0.
Gareth Bale trifft zum 2:0.
Alle gegen Gareth Bale. Die Basler wehren sich mit vereinten Kräften.
Auf und davon: Cristiano Ronaldo.
Fabian Frei.
Gareth Bale beschäftigt die Basel.
Paulo Sousa (l) beim Handshake mit Reals Carlo Ancelotti.
Real Madrid in Torlaune. Basler sind nur Statisten.
Cristiano Ronaldo lässt Safari stehen.
Torhüter Vaclik ist vor Karim Benzema am Ball.
Das Team des FC Basel vor dem Anpfiff

Basels Goalie Tomas Vaclik hat keine Chance: Der Schuss von Benzema landet zum 5:1 im Tor.

Keystone

Mutig wollten sie sein, die Spieler des FC Basel. Zeigen, dass ihre Gegner von Real Madrid auch nur Menschen sind. Ziel: Der Zwergenaufstand im Estadio Bernabéu, im Wohnzimmer der «Galaktischen». Fabian Frei sagte im Vorfeld: «In Spiele geht man immer, um sie zu gewinnen.»

Der Moment für die Sensation beim grössten Fussballklub der Welt schien perfekt. Real startete mit zwei Niederlagen aus drei Spielen in die Saison. Vor der Rückkehr in die Champions League nach dem Gewinn der «Decima» im Mai war beim Titelverteidiger das grosse Zittern ausgebrochen.

Doch es kam alles anders. Der Basler Zwergenaufstand – er wurde schon im Keim erstickt. Ein Grund: Die Real-Stars erhörten die Worte ihres Trainers Carlo Ancelotti – «das Basel-Spiel kommt genau zum richtigen Zeitpunkt» – und präsentierten sich in der ersten Hälfte von ihrer Champagner-Seite.

Ein anderer Grund: Paulo Sousa. Ein Trainer, der für seine Startaufstellung acht defensiv gepolte Spieler nominiert, nimmt seinem Team jeden Offensivdrang und verdirbt sich seine Champions-League-Premiere als Trainer gleich selber.

Auch einzelne Personalien sorgten für Fragezeichen: Warum verzichtete der Portugiese im bislang wichtigsten Saisonspiel auf seinen Topskorer Shkelzen Gashi? Und schwächte so gleichzeitig Captain Marco Streller, der in Gashi den Nachfolger seines früheren kongenialen Partners Valentin Stocker gefunden hatte? Im Abwehrzentrum spielten Fabian Schär und Marek Suchy, denen Sousa zuletzt komplett das Vertrauen entzogen hatte.

Der Dritte im Bund, Walter Samuel, konnte auch an seiner alten Wirkungsstätte nicht beweisen, dass er dem FCB helfen kann. Die Folge: Gegen den Basler Abwehr-Hühnerhaufen haben Ronaldo, Bale, Rodriguez und Benzema leichtes Spiel. 14. Minute: Rodriguez vernascht Samuel mit einem Hackentrick, die Flanke von Nacho lenkt Suchy ins eigene Tor.

30. Minute: Modric lupft den Ball mit dem Aussenrist über die Abwehr, Bale tut es dem Kroaten vor Vaclik gleich. Das 2:0 – ein Kunstwerk. 31. Minute: Nun trifft auch Ronaldo, für den eine Partie ohne eigenen Treffer immer eine persönliche Niederlage ist. Jetzt droht der FCB komplett auseinanderzufallen. Hinten das grosse Zittern, im Aufbauspiel landet jeder Pass beim Gegner. So auch vor dem 4:0 durch Rodriguez (36.). Vier Gegentore in 22 Minuten – was für eine Horror-Halbzeit.

Wer weiss, vielleicht wäre mit einer mutigeren Taktik mehr dringelegen. Denn wenn Real eine Problemzone hat, dann ist es die Abwehr vor Goalielegende Iker Casillas, der vom Heimpublikum auch gestern bei jeder Ballberührung ausgepfiffen wird: Deutlich wird das beim Basler Ehrentreffer durch Gonzalez (38.).

Nach der Pause schont Real seine Kräfte. Phasenweise ist es im Fussballtempel Bernabéu so ruhig wie in der Oper. Einzig bei Benzemas 5:1 via Lattenunterkante kommt nochmals so etwas wie Stimmung auf. Für die Basler endet der Besuch in der Fussballhauptstadt mit einer auch in dieser Höhe verdienten Niederlage. Noch sind die Chancen auf die Achtelfinals intakt. Dafür braucht es in den nächsten Spielen aber einen besseren Schlachtplan des Trainers.

Telegramm:

Real Madrid - FC Basel 5:1 (4:1)

80'000 Zuschauer. - SR Skomina (Sln). - Tore: 14. Suchy (Eigentor) 1:0. 30. Bale (Modric) 2:0. 31. Ronaldo (Bale) 3:0. 37. James Rodriguez (Benzema) 4:0. 38. Gonzalez (Zuffi) 4:1. 79. Benzema (Ronaldo) 5:1.

Real Madrid: Casillas; Nacho, Pepe, Sergio Ramos (66. Varane), Marcelo; Modric (73. Illarramendi), Kroos, James Rodriguez; Bale, Benzema (81. Hernandez), Ronaldo.

Basel: Vaclik; Schär, Samuel (64. Kakitani), Suchy; Xhaka, Elneny, Frei (83. Delgado), Safari; Gonzalez, Zuffi; Streller (73. Embolo).

Bemerkungen: Real Madrid ohne Khedira, Carvajal und Jesé (alle verletzt). Basel ohne Diaz (gesperrt), Degen, Serey Die, Ajeti und Ivanov (alle verletzt). 76. Pfostenschuss von Schär. Verwarnungen: 55. Elneny. 60. Samuel. 85. Pepe (alle Foul). 91. Xhaka (Unsportlichkeit).

Lesen Sie den Verlauf der Partie von Minute zu Minute in unserem Live-Ticker nach: