FC Basel
03.05.1994: Die beste Aufstiegs-Feier der Welt

Es war der 3. Mai 1994: Nach sechs Jahren steigt der FC Basel dank einem 1:1 gegen Etoile Carouge wieder in die Nationalliga A auf. Während die Mannschaft ausschweifend auf dem Barfüsserplatz feiert, bleibt einer allein in Genf zurück.

Philipp Reich, watson.ch
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Am 3. Mai 1994 feierten die FCB-Spieler den Aufstieg in die höchste Liga.

Am 3. Mai 1994 feierten die FCB-Spieler den Aufstieg in die höchste Liga.

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Im Frühjahr 1994 ist die Euphorie am Basler Rheinknie fast grenzenlos. Der stolze FC Basel, der sechs Jahre zuvor völlig überschuldet in die Zweitklassigkeit gestürzt war, steht endlich vor der Rückkehr ins Fussball-Oberhaus. In den letzten Saisons war der FCB unter Ernst-August Künnecke und Friedel Rausch jeweils grandios gescheitert, doch auf die Saison 93/94 wird mächtig aufgerüstet.

Das Kader kann sich für einen NLB-Klub mehr als sehen lassen. Im Tor steht der ehemalige GC-Keeper Stephan Huber. Auch Marco Walker, Martin Jeitziner, Philippe Hertig, Admir Smajic und natürlich der frühere Nati-Stürmer Dario Zuffi haben NLA-Erfahrung. Und mit Axel Kruse stösst sogar noch ein Topstürmer aus der Bundesliga zum Team.

Axel Kruse und Dario Zuffi stürmen gegen den FC Schaffhausen.

Axel Kruse und Dario Zuffi stürmen gegen den FC Schaffhausen.

Keystone

Vertagte Aufstiegsparty

Vier Spiele vor Ende der Auf-/Abstiegsrunde braucht der FCB nur noch einen Sieg, um den langersehnten Aufstieg perfekt zu machen. Zu Gast im Joggeli ist der FC Zürich, der ewige Rivale aus den guten alten Zeiten. 42'000 Zuschauer strömen ins altehrwürdige Joggeli, doch die Aufstiegsparty müssen die Basler nach dem 1:1 vertagen.

Drei Tage später ist es dann so weit. Das Team von Trainer Claude «Didi» Andrey erzittert sich beim Genfer Vorortsklub Etoile Carouge mit einem 1:1 den noch fehlenden Punkt. Dario Zuffi erlöst die Basler in der 74. Minute per Freistoss mit seinem 25. Saisontor. Im Stade de la Fontenette stürmen rund 1000 Basler Fans den Platz und die Garderobe.

«Ich war Meister mit YB, Cupsieger – das emotionalste Erlebnis war aber der Aufstieg mit dem FCB», schildert der Winterthurer später der Basler Zeitung und ergänzt, «die Feier danach werde ich nie vergessen.» Statt mit dem Car kehrt der FCB mit einem Sonderflug der Crossair nach Basel zurück. Die lokale Fluglinie hat den Aufsteiger freundlicherweise eingeladen, damit die spontane Aufstiegsparty am Barfüsserplatz etwas früher beginnen kann. Nur der Trainer bleibt in Genf zurück. Feiern ist nichts für den stillen «Didi offensiv».

Gekommen um zu bleiben

Am Flughafen Basel-Mulhouse werden die Aufstiegshelden nur von einer Handvoll Fans empfangen. Deshalb geht es sofort weiter in die Innenstadt zum Barfi, wo schon Tausende die bevorstehende Freinacht eingeläutet haben.

«Unglaublich! Ein voller Platz, ein Riesenfest, bis es hell war. Als ich heimkam, konnte ich gleich die Buben in den Kindergarten bringen», erinnert sich Dario Zuffi, Vater des heutigen FCB-Spieler Luca, später. «So etwas kann man nur im Ausland erleben. Ausser natürlich beim FCB», sagt Jungspund Mario Cantaluppi.

«Nie mee Nati B» singen die Fans fast unaufhörlich, das Bier fliesst in Strömen. Und Sportchef Gusti Nussbaumer verspricht an diesem Abend bereits: «Wir sind aufgestiegen, um wieder unter die Besten zu kommen.»

Der FCB etabliert sich nach dem ausschweifend gefeierten Aufstieg dann auch schnell wieder in der NLA. Die grossen Erfolge bleiben in den ersten Jahren aber aus. Erst als bei den Baslern von Präsident René C. Jäggi professionelle Strukturen eingeführt werden, pirschen sie sich langsam aber sicher an die Spitze heran.

Den ersten Meistertitel der Neuzeit gewinnt der FCB erst 2002, acht Jahre nach dem Aufstieg im neuen Joggeli. Mittlerweile sind zehn weitere Meisterschaften dazu gekommen, doch ans Titel-Gewinnen gewöhnt man sich nie: Auf dem Barfi wird immer noch fast so ausgiebig gefeiert wie damals.

2009/10: YB - FCB 0:2 13 Punkte lag YB zwischenzeitlich vor Basel, vor dem zweitletzten Spieltag immerhin noch drei. Dann gingen YB in Luzern mit 1:5 unter, Basel besiegte Xamax – Finalissima. Beide Teams punktgleich, doch zwei vermeintliche Vorteile für YB: Heimspiel und der Fakt, dass Basel ohne Alex Frei und Streller antrat. Brachte alles nichts, die YB-Nerven flatterten zu stark. Scott Chipperfield (Bild) wurde mit einem Tor und einem Assist zum FCB-Helden,
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2010/11: FCB - Luzern 3:0 Basel 70, FC Zürich 69 Punkte – dies die Ausgangslage vor dem letzten Spieltag. An diesem sorgten Frei, Shaqiri und Zoua (Bild) mit ihren Toren dafür, dass nie Gefahr aufkam, den Titel an den Erzrivalen zu verlieren. Die Entscheidung im Meisterkampf fiel jedoch bereits am 33. Spieltag im Direktduell: Zürich war die klar bessere Mannschaft, dank zwei Alex-Frei-Toren kam der FCB trotzdem zu einem 2:2 – von diesem Schock erholte sich der FCZ nicht mehr.
2011/12: FCB - Lausanne 3:1 Spannung warein Fremdwort – zu souverän siegte sich Basel unter Trainer Heiko Vogel durch die Super League. Spannung bot höchstens die Frage, wann sich der FCB endlich zum Meister küren würde: Der Xamax-Konkurs und die 36 Punkte Abzug für Sion brachten Verwirrung in die Rechenspiele. Nach dem 3:1 gegen Lausanne (Tore durch Streller/Bild, Frei und Zoua) und somit bereits am 31. Spieltag stand der dritte Titel in Serie fest.
2012/13: YB - FCB 0:1 Trainerrochade VogelYakin, hartnäckige Grasshoppers, die lange Europacup-Reise: Die bislang letzte Saison, in der Basel zitterte. Das 0:1 gegen GC am 34. Spieltag brachte den FCB ins Wanken, aber er fiel nicht und knorzte sich drei Tage später dank eines Penaltytores von Fabian Frei (Bild) zu einem 1:0 in Bern. Drei Punkte mehr und das um 16 Punkte bessere Torverhältnis nach 35 Spieltagen machten den FCB zu 99,9 Prozent zum Meister.
2013/14: Aarau - FCB 1:3 0:1 durch Nganga nach 6 Minuten – vergeigt es der FCB tatsächlich gegen Aufsteiger Aarau? Nein – Serey Die, Delgado und Stocker (Bild) sorgten für die Wende und die endgültige Sicherung des Meistertitels am 35. Spieltag. Zwei Tage später platzt die Bombe: Meistertrainer Murat Yakin muss gehen, zu viel Unruhe ist während seiner Ägide in den Klub gekommen. Einen Meistertrainer entlassen? Das kann sich nur der FC Basel erlauben.
2014/15: FCB - YB 0:0 Yakins Nachfolger hiess Paulo Sousa (Bild). Dem Portugiesen wurde das stärkste Kader aller Zeiten bereitgestellt. Resultat: Der FCB qualifizierte sich für die Champions-League-Achtelfinals und stand nach dem 0:0 gegen YB am 33. Spieltag als Meister fest. Doch wie ein Jahr zuvor zogen kurz nach der Titelsicherung dunkle Wolken auf, als Sousa seinen Abschied erzwang. Auf ihn folgte Urs Fischer, an der FCB-Dominanz änderte dies nichts.

2009/10: YB - FCB 0:2 13 Punkte lag YB zwischenzeitlich vor Basel, vor dem zweitletzten Spieltag immerhin noch drei. Dann gingen YB in Luzern mit 1:5 unter, Basel besiegte Xamax – Finalissima. Beide Teams punktgleich, doch zwei vermeintliche Vorteile für YB: Heimspiel und der Fakt, dass Basel ohne Alex Frei und Streller antrat. Brachte alles nichts, die YB-Nerven flatterten zu stark. Scott Chipperfield (Bild) wurde mit einem Tor und einem Assist zum FCB-Helden,

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Der FC Basel ist Schweizer Meister: Spontane Meisterfeier
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Die Mannschaft feierte zusammen mit tausenden Fans traditionsgemäss auf dem Barfi.
Matías Delgado und Andraz Sporar überblicken das Pyro-Meer an der spontanen Meisterfeier.
Es ist der siebte Meistertitel in Folge.
Und der 19. Meistertitel insgesamt.
Und der letzte für Philipp Degen, der nach viel Verletzungspech seine Profikarriere beendet.
Für Renato Steffen und Michael Lang ist es der erste Meistertitel ihrer Karriere.
Captain Delgado feiert mit seiner Familie
Mit dem 2:1-Sieg gegen Sion steht der FC Basel bereits nach der 31. Spielrunde als Meister fest.
Champagnerdusche für den Captain.
Und Champagnerdusche für Taulant Xhaka

Der FC Basel ist Schweizer Meister: Spontane Meisterfeier

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