Steffen wettert vor sich hin. Nein, mit diesem 0:0 im Verfolgerduell gegen den FC Zürich kann und will er nicht zufrieden sein.

Welche Rolle der Frust über die eigene Leistung spielt, ist schwer zu beurteilen. Steffen selbst sagt wenig später, dass ja nicht nur Tore wichtig seien. Aber irgendwie spürt man, dass es ihm eben doch fehlt, dieses Hochgefühl. In dieser Saison hat er in bisher 17 Partien in Meisterschaft, Cup und Champions League noch nie getroffen.

Auch gegen den FCZ nicht, obwohl er zweimal die Gelegenheit dazu hatte. Doch ganz am Anfang hält FCZ-Keeper Andris Vanins mirakulös, und als er kurz vor Schluss den Pass in die Tiefe kriegt, wird er beim Abschluss so arg unter Druck gesetzt, dass ihm der Ball über den Rist rutscht und ins Tor-Aus rollt.

Wenn die Wut raus muss

Was sicher ist: Steffen steht derzeit gehörig unter Strom. Das zeigt sich nicht nur am Schluss der Partie, sondern ganz offensichtlich und ohne Zensur im TV, als die beiden Mannschaften zur Pause in die Kabine traben. Mit erhobenem Finger und funkelnden Augen stolziert er auf Captain Marek Suchy zu, schubst ihn leicht und geigt ihm seine Meinung.

Renato Steffen.

Renato Steffen.

Zu umständlich ist das Basler Spiel seiner Meinung nach. Viel zu wenige Aktionen wie die seine nach gerade sechs Minuten, als Michael Lang einen Ball per Fallrückzieher verlängert und Steffen direkt abzieht. Aber eben, Vanins kratzt ihn raus. Und irgendwie frustet das.

Im TV-Interview tönt es dann so: «Das Spiel von uns ist zu viel Zirkus. Hacke, Spitze und so ein Scheiss. Das ist nicht gut. Wir müssen zielstrebig nach vorne spielen.»

Steffen hat mit seiner Kritik absolut recht. Auch Trainer Raphael Wicky analysiert nach diesem Abnützungskampf in die gleiche Richtung. «Uns fehlte auf den letzten 30 Metern die Entschlossenheit», sagt er. Dann relativiert er Steffens Ausraster: «Emotionen gehören zum Fussball.

Und seine Kritik war nicht unter der Gürtellinie. Natürlich gibt es Spieler, die sich anders ausdrücken als Renato. Aber er ist ein emotionaler Spieler. Und das ist absolut okay so.» Dem pflichtet auch Captain Suchy bei: «Das war eine normale Diskussion, nichts Besonderes.»

Die grosse Chance gegen ZSKA

Das stimmt so natürlich nicht. Solche Ausraster vor laufender Kamera gibt es im Fussball eher selten zu sehen. Vor allem in der Intensität. Da musste Wut raus – und mit Sicherheit auch Frust. Es passt ins Bild, das Steffen zuletzt abgab.

Auf der Rückreise von Moskau nach Basel möchte das Schweizer Fernsehen am Flughafen ein kurzes Interview mit dem Flügelflitzer machen. Eben hatte er fürs Regional-TV kurz ein paar Worte gesagt. Entnervt winkt Steffen ab und dreht den verdutzten Fernseh-Reportern den Rücken zu. Er mag die Anspannung nicht wirklich zugestehen, doch sie ist offensichtlich.

Auch wenn die Reaktion zur Pause vielleicht ein bisschen heftig ausfällt, im Kern hat Steffen mit seiner Kritik recht. Und dass er sich nicht scheut, seine Meinung kundzutun, zeigt, wie sich seine Stellung im Team gewandelt hat.

Führungsspieler Steffen

Er ist einer der Führungsspieler in diesem jungen FCB. Er bringt nicht nur Erfahrung, sondern auch die manchmal vermissten Emotionen ins Spiel. Die FCB-Mentalität, diesen unbedingten Siegeswillen, trägt er längst in sich.

Logisch, war das für Steffen kein gewonnener Punkt, sondern zwei verlorene. Weil YB gegen Sion mit 5:1 gewann, liegen die Berner – Steffens Ex-Verein – nun mit sieben Punkten vor dem Serienmeister.

Zwar sagt Steffen: «Egal, wie das Spiel nächste Woche ausgeht, die müssen das zuerst einmal durchziehen. In der Position waren sie noch nie. Darum sehe ich das Ganze eigentlich ganz locker. Und wir haben am Dienstag ja auch noch ein sehr wichtiges Spiel.»

0:0 im Spitzenduell gegen den FCZ – Renato Steffen bringts zum Toben

0:0 im Spitzenduell gegen den FCZ – Renato Steffen bringts zum Toben

Morgen kommt ZSKA Moskau nach Basel. Mit einem Sieg sind sie praktisch im Achtelfinal der Königsklasse. Nach nur vier Runden – so früh wie noch nie. Eigentlich ein Wunder nach dem Saisonstart. Aber so hektisch der Start war, alles wurde besser seit dem 1:0 zu Hause gegen den FC Zürich.

«Wir haben sie aufgebaut, damals Ende September waren sie ganz anders beieinander als jetzt», sagt FCZ-Trainer Uli Forte. Trotzdem drückt auch er morgen dem FC Basel die Daumen. Insbesondere auch Renato Steffen, den er bei YB kennen und schätzen gelernt hat. Vielleicht klappts ja dann mit dem erlösenden Tor für Heisssporn Steffen.