EM 2016

0:0 gegen Frankreich – Die Schweiz steht an der EM als Gruppenzweite im Achtelfinal

Die Schweiz steht an der EM in den Achtelfinals. In Lille holte sie im letzten Gruppenspiel gegen Gastgeber Frankreich nach anfänglichen Schwierigkeiten ein 0:0. Somit wurde die K.o.-Phase ohne Niederlage und mit nur einem Gegentor erreicht.

Als Zweite der Gruppe A trifft die Schweiz am kommenden Samstag in den Achtelfinals in St-Etienne auf den Zweiten der Gruppe C. Sie wird dannzumal zum ersten Mal in ihrer Verbandsgeschichte bei einer EM eine K.o.-Phase bestreiten. Dies war zwar das Minimalziel der Schweizer vor dem Turnier. Dennoch ist das ein beachtlicher Erfolg. Erst zum dritten Mal (nach 1996 und 2004) hat sich die SFV-Auswahl auf europäischer Ebene sportlich in die Top 16 gespielt.

Am Ende hat die Schweiz dieses Ziel nicht einmal nur dank fremder Hilfe erreicht. Nach einer mehr als problematischen ersten Hälfte fingen sich die Schweizer nach der Pause. Das lag auch an den Franzosen, die das Tempo teilweise drosselten und sich auch mal für mehrere Minuten etwas zurückfallen liessen. Aber die Schweizer schafften es auch geschickt, den Rhythmus zu verschleppen, weil sie nun den Ball besser zirkulieren liessen. Die Fehlerquote sank in den zweiten 45 Minuten merklich.

Trotzdem waren es die Franzosen, die bis zum Ende dem Sieg bedeutend näher standen. Nie so nahe, wie beim Schuss des eingewechselten Dimitri Payet nach 75 Minuten. Dem zweifachen EM-Torschützen und neuen Liebling der Nation blieb diesmal aber ein später Treffer versagt. Nach dieser Aktion war der angestrebte Punktgewinn der Schweizer kaum noch in Gefahr. Man merkt in den Schlussminuten: Beide Teams hatten, was sie im Prinzip vor dem Turnier von dieser ersten Phase erwartet hatten. Für die Franzose geht der Parcours als Gruppensieger weiter. Die Schweizer stehen ebenfalls in der K.o.-Phase. Sie haben gegen Frankreich nicht brilliert, über die ganze Vorrunde gesehen, die Rivalen Rumänien und Albanien aber verdient auf Distanz gehalten.

Dass die Schweizer in den Schlussminuten ohne Zittern in die Achtelfinals vorstossen konnten, hatte sich früher am Abend nicht abgezeichnet. "Mais ils sont où ces petits suisses?", sangen die französischen Supporter noch vor Ablauf einer halben Stunde. Ja, wo waren sie, die Schweizer? Im Spiel waren sie zu diesem Zeitpunkt nicht angekommen. Sie hatten Glück bei einem Schuss von Paul Pogba an die Latte (17.) und bedankten sich bei Torhüter Yann Sommer, der vier Minuten zuvor einen Schuss des Mittelfeldstars bravourös in Corner gelenkt hatte.

Diese zwei Szenen waren die prägnanten Bilder einer ersten Halbzeit, die weitgehend eine Richtung sah: Die auf das Schweizer Tor. Paul Pogba lief zu grosser Form auf, nachdem er wegen seiner abschätzigen Geste gegen die Journalisten im Spiel gegen Albanien medial tagelang am Pranger gestanden hatte.

Der Stratege von Juventus Turin war der Anführer einer französischen Mannschaft, welche den Schweizern in Sachen Dynamik, Tempo und Athletik weit überlegen war. In Spiellaune waren auch Pogbas Nebenleute im Mittelfeld, Moussa Sissoko und Yohan Cabaye, die von Coach Didier Deschamps ins Team rotiert wurden. Dass die bereits vor dem Spiel für die Achtelfinals qualifizierten Franzosen im Vergleich zum Spiel gegen Albanien fünf Wechsel vornahmen, wirkte sich sogar positiv aus. Sie schienen vom grössten Druck befreit - entsprechend wuchtig war ihr Auftritt.

Das seifige Terrain schien so nur die Schweizer zu irritieren. Zu viele einfache Bälle verlor die SFV-Auswahl. Doch die Verhältnisse waren nur bedingt dafür verantwortlich zu machen. Im Prinzip bestätigten sich nämlich die Eindrücke aus den ersten Spielen: Die Schweizer hatten ihre Probleme im kreativen Bereich auf den Aussenbahnen. Ausgerechnet dort, wo sie ansonsten dank Ricardo Rodriguez links sowie dem Duo Stephan Lichtsteiner und Xherdan Shaqiri auf der rechten Seite über ihre gefährlichsten Waffen verfügt. Doch diese drei sind auch nach 270 EM-Minuten noch nicht im Turnier angekommen. Shaqiri wurde in der Schlussphase sogar ausgewechselt.

Auch Breel Embolo setzte keinen Akzent. Der junge Basler übernahm den Platz im Sturmzentrum von Haris Seferovic. Er wirkte gegen Adil Rami und Laurent Koscielny aber überfordert. Gerade athletisch ist Embolo noch nicht auf dem Level, um in einer intensive EM-Partie Spuren zu hinterlassen. Es überraschte, dass Vladimir Petkovic bis zur 74. Minute wartete, ehe er Embolo erlöste und durch Seferovic ersetzte.

Wie schon gegen Rumänien überzeugte dafür die Schweizer Innenverteidigung. Fabian Schär und Johan Djourou blieben weitgehend fehlerlos. Abgesehen von einem etwas ungeschickten Handspiel Schärs in der 87. Minute, das dem Ostschweizer durchaus eine Verwarnung und die Sperre für die Achtelfinals hätte einbringen können, gab es am Duo nichts auszusetzen. Dass die Schweiz die Vorrunde mit nur einem Gegentor überstand, dieses zudem auf Foulpenalty fiel, stellt den beiden auch statistisch ein gutes Zeugnis aus.

In dieses Lob einzuschliessen ist natürlich auch Torhüter Sommer, der die beiden gefährlichsten Schüsse von Pogba und von Antoine Griezmann (57.) mit gutem Reflex in Corner lenkte. Dass der Schweizer Keeper nicht öfters eingreifen musste, ist eigentlich erstaunlich. Es passte nicht so Recht zur Dominanz, welche die Gastgeber an diesem Abend weitgehend ausstrahlten.

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