Eigentlich feiert Österreich seit dem Jahr 1965 am 26. Oktober jährlich seinen Nationalfeiertag als Erinnerung an das Gesetz zur Österreichischen Neutralität. In diesem Jahr ist der Freudentag allerdings um vier Tage nach hinten gerutscht: Das ganze Land jubelt über die Vertragsverlängerung von Fussball-Teamchef Marcel Koller.

Die Nerven der Österreicher wurden durch die Ungewissheit während der letzten Wochen arg strapaziert. Die «Kleine Zeitung» frohlockt: «Das Warten hat ein Ende» und zeigt darunter einen lachenden Koller. Das Portal «Oe24» titelt kurz: «Sensation: Koller bleibt Teamchef!» und startet eine Lobeshymne an die Adresse des beliebten Teamchefs, der die anfänglichen Skeptiker «eines Besseren belehrte und dessen Handschrift deutlich erkennbar ist».

Auch das Onlineportal «nachrichten.at» konnte seine Erleichterung nicht verbergen: «Paukenschlag! Ganz Fussball-Österreich kann aufatmen.» Vor rund einer Woche war die Stimmungslage beim Onlineportal noch ganz anders. Resigniert titelte man: «Teamchef-Poker endgültig entschieden: Schweizer Verband winkt Koller durch.»

Alles spreche für die Schweiz, glaubte «nachrichten.at». Gründe dafür gäbe es einige: Das hohe Jahresgehalt, die Freundschaft mit Peter Stadelmann, Delegierter der Schweizer Nati, und die jüngsten Erfolge in der WM-Qualifikation.

Auch für die «Krone» kommt die Verlängerung durchaus überraschend. Schmunzelnd steht Koller auf dem Bild vor einer grossen Ösi-Fahne. Koller verlängerte seinen Vertrag bis 2015, sollte er mit Österreich die Qualifikation für die EM 2016 in Frankreich schaffen, verlängert sich dieser automatisch.

Schwierigste Entscheidung meiner Fussball-Karriere

Auf der Homepage des Österreichischen Fussballverbandes (ÖFB) freut sich Koller über die weitere Zusammenarbeit: «Ich habe vor zwei Jahren dieses Projekt begonnen und will es weiterführen.»

Im November 2011 übernahm Koller das Amt als Teamchef, seine Bilanz lässt sich sehen: In 18 Spielen siegte ging er sieben Mal als Verlierer vom Platz. Zuletzt überraschte Österreich in der jüngst abgeschlossenen WM-Qualifikation mit Rang 3 hinter den beiden Topnationen Deutschland und Schweden.

Bis zum zweitletzten Spieltag und der knappen Niederlage gegen die Nordländer liebäugelte unser Nachbar gar mit der Barrage.

Auch die Beliebtheit bei den Fans kennt kaum Grenzen: Rund 50 000 Leute unterstützen die Facebook-Gruppe «Marcel Koller soll Trainer des österreichischen Nationalteams werden». Auf Youtube komponierten Fans gar ein eigenes Lied für den Schweizer.

Österreichische Fans singen für Marcel Koller

Die Reaktionen auf den österreichischen Nachrichtenportalen fielen ebenfalls ziemlich enseitig aus: «Ein Riesengewinn für Österreich», bringt es ein Leser die Meinungen auf den Punkt. Andere singen sogar vor dem Computer: «Sooooooo ein Tag, so wunderschön wie heeeeeeute...»

Trotzdem gibt Koller zu: «Dies war, auf den Fussball bezogen, die schwierigste Entscheidung, welche ich in meiner Karriere treffen musste.»

Erleichterung beim Fussballverband

Dementsprechend erleichtert zeigt sich auch ÖFB-Präsident Leo Windtner: «Ich bin sehr froh, dass die Entscheidung für den Weg mit Marcel Koller gefallen ist. Der ÖFB steht für Kontinuität und diese ist mit dieser Entscheidung des alten und neuen Teamchefs gegeben.»

Er sehe den Verbleib von Koller auch für die Fans sehr positiv. «Wir werden mit voller Kraft die Qualifikation für das nächste Großereignis in Frankreich angehen und ich bin überzeugt, dass dieses Team unter seiner professionellen Führung sehr gute Chancen hat, die nächste EM Endrunde zu erreichen.»

Spieler denken schon an EM 2016

Auch die Spieler reagierten erfreut. Captain Andreas Ivanschitz twitterte: «Gute Nachricht vom ÖFB: Teamchef Marcel Koller bleibt uns erhalten und wir wollen uns gemeinsam für die Euro 2016 qualifizieren.» Teamkollege Zlatko Junuzovic freut sich, dass endlich ein Entscheid gefallen ist.

«Es ist ein Zeichen für die Konstanz und eine positive Entscheidung für Österreich.» Dem schliesst sich auch Sebastian Prödl an: «Ich freue mich. Es ist nicht nur für uns Spieler gut, dass Marcel Koller weitermacht, auch Fussball-Österreich kann sich freuen. Es ist ein gutes Zeichen.» Ein weniger gutes ist es für die Schweiz.