Fussball-Nati
Italien? Nein, Murat Yakin verrät, was ihn wirklich nervös macht

Der neue Nati-Trainer hat am Freitag sein erstes Aufgebot bekannt gegeben. Er sagt, es werde ihm schon etwas einfallen, um Europameister Italien taktisch zu überraschen.

François Schmid-Bechtel
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Beitrag: Melissa Schumacher

Turnschuhe, Chino-Hose, Poloshirt, Trainerjacke: Overdressed ist Murat Yakin definitiv nicht. Erst recht nicht für einen Auftritt im Grossratsaal von Basel. Hier gab er am Freitag sein erstes Nati-Aufgebot für die WM-Quali-Spiele gegen Italien und Nordirland sowie für den Test am Mittwoch gegen Griechenland bekannt.

Von seinem Vorgänger Vladimir Petkovic ist uns in Erinnerung, wie er im tadellos sitzenden Anzug, auf Hochglanz polierten Schuhen, mit hochgerecktem Kinn und einer versteinerten Mimik sich um professionelle Distanz bemühte. Yakin gibt nicht so viel auf die Aussenwirkung aber dafür umso mehr preis. Stärken ebenso wie Schwächen – und Sorgen.

Yakins Sorgen: Kein Stürmer hat Spielrhythmus

Da wird kaum was vertuscht oder schön geredet. Wenn die vier Offensivspieler Embolo, Gavranovic, Seferovic und Shaqiri bis zu diesem Freitag in ihren Klubs kaum gespielt haben, sagt Yakin, was Sache ist: «Das ist mehr als eine Hypothek.» Oder wenn er bei der EM-Analyse zum Schluss kommt, dass Yann Sommer überragend war, sagt er dazu: «Für einen Trainer ist es auch frustrierend, wenn er nach jedem Spiel zur Erkenntnis kommt, dass der Goalie der beste Mann des Teams war.» Was er damit meint, aber nicht so sagt: In diesem Fall stimmt etwas mit dem Defensivkonzept nicht.

Nicht Mister, nicht Herr Yakin - Muri, einfach Muri

Mit Yakin wirkt beim Fussball-Nationalteam vieles mehr als nur eine Spur ungezwungener. Selbst für jene, die ihm an diesem Freitag erstmals überhaupt begegnen, ist er der «Muri». Keiner stört sich daran. Yakin am allerwenigsten.

Es scheint, als würde mit diesem Trainer das Versprechen, die Nati volksnaher zu positionieren, mehr eine Worthülse sein. Jedenfalls findet bereits das erste Training unter Yakin am kommenden Montag nicht unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Gut möglich, dass auch Yakins Mutter Emine vor Ort sein wird – es würde ins Bild des unkomplizierten Typen passen. Einzig, das Thema Hymne will Yakin noch nicht anschneiden. Verständlich, denn es stehen wichtigere Dinge auf seiner Agenda.

Zurück zur Viererabwehrkette

Beispielsweise sein erstes Wettbewerbsspiel als Nati-Trainer. Am Sonntag, 5. September gegen Europameister Italien. Die Mannschaft für diese Partie hat er noch nicht im Kopf. Schliesslich sind zu viele Spieler nicht im Rhythmus. Einzig, dass er auf eine Viererabwehrkette setzen wird, hat er schon vor dem Zusammenzug am Montag definiert. Und sonst? «Klar, Italien hat kaum Schwächen. Doch mir wird schon etwas einfallen, um die Italiener taktisch zu überraschen. Das ist eine schöne Aufgabe. Aber mit welchen Spielern wir das anstreben werden, weiss ich jetzt noch nicht.»

Yakin ist ein Coup durchaus zuzutrauen. Allein, weil er der geborene Wettkampf-Typ ist. Einer, der es zwischendurch zwar mal gechillter nimmt. Aber auch einer, der die Herausforderung liebt, der dann zu Höchstform aufläuft, wenn andere zweifeln, zaudern, nervös werden.

Was Murat Yakin nervös macht: Vor den Kameras reden.

Was Murat Yakin nervös macht: Vor den Kameras reden.

Urs Lindt / freshfocus

Ganz so gelassen, wie er am Spielfeldrand wirkt, ist er indes nicht in jeder Situation. Auftritte wie jene am Freitag gehören nicht zu seinen Lieblingsbeschäftigungen. Obwohl schon tausendfach erlebt, sucht er bisweilen nach den richtigen Worten. Auf die Frage, ob er im Hinblick auf den Italien-Match oder sein Debüt im Test gegen Griechenland bereits ein Kribbeln verspüre, antwortet er: «Nervös werde ich nur, wenn ich in Kameras reden muss.»

Apropos Italien-Match: Yakin lädt Spieler, Trainer und die Führung des FC Schaffhausen ein, wo er bis vor einem Monat noch gearbeitet hat. «Ich wollte mich nicht bloss mit einem Essen verabschieden.» Typisch Yakin. Er vergisst nicht, woher er kommt.

YB-Verteidiger Zesiger erstmals dabei

Nati-Kader für die Länderspiele gegen Griechenland (Testspiel in Basel, 1.Sept.), Italien (WM-Qualifikation in Basel, 5.Sept.) und Nordirland (WM-Qualifikation in Belfast, 8.Sept.)


Tor: Sommer, Mvogo, Kobel.
Verteidigung: Akanji, Benito, Elvedi, Cömert, Lotomba, Mbabu, Rodriguez, Schär, Widmer, Zesiger.
Mittelfeld/Sturm: Aebischer, Embolo, Fassnacht, Freuler, Gavranovic, Seferovic, Shaqiri, Sow, Steffen, Vargas, Xhaka, Zeqiri, Zakaria, Zuber.

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