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Nach dem 1:1 gegen Basel poltert der neue YB-Trainer David Wagner: «Der Schiedsrichter hat uns gestoppt.»

Der Meister aus Bern dominiert das Gipfeltreffen in Basel. Bis Sandro Schärer in die Hauptrolle schlüpft: Kurz vor der Pause schickt er YB-Verteidiger Maceiras in die Kabine. Zu Recht?

François Schmid-Bechtel
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Schiedsrichter Sandro Schärer zieht den Zorn der Berner auf sich.

Schiedsrichter Sandro Schärer zieht den Zorn der Berner auf sich.

Georgios Kefalas / KEYSTONE

Für David Wagner ist in der Schweiz noch vieles neu. Die Partie in Basel ist erst seine vierte in der Super League. Wahrscheinlich fühlt er sich verschaukelt an diesem Sonntagabend. Vielleicht denkt er: Wo bin ich hier nur gelandet? Denn eben hat der 49-jährige Deutsche jenen Schiedsrichter kennen gelernt, über den man sagt, er sei der beste. Deshalb die Frage: Machen Sie sich Sorgen um die Qualität der Schweizer Schiedsrichter? «Nein.»

Wagner bemüht sich, nicht allzu viel Polemik zu veranstalten. Aber den Ärger, den Zorn, kann er doch nicht vollständig verschleiern. «Es war alles angerichtet für einen Sieg», enerviert sich der YB-Trainer. «Doch das wurde uns genommen. Nicht wir selbst haben uns gestoppt und es war auch nicht der Gegner. Nein, wird wurden von der dritten Partei gestoppt.»

Schon die erste Verwarnung gegen Maceiras ist für Wagner «ein Witz»

Gemeint ist Schiedsrichter Sandro Schärer. Und dann sagt Wagner noch: «Ich weiss, dass ich nicht mehr in England bin. Aber das ist zu hart. Fakt ist: Die erste gelbe Karte gegen Maceiras war ein Witz. Bei der zweiten konnten ich schon nicht mehr lachen.»

YB-Trainer David Wagner lobte seine Mannschaft für die Intensität in der ersten und die Solidarität in der zweiten Halbzeit.

YB-Trainer David Wagner lobte seine Mannschaft für die Intensität in der ersten und die Solidarität in der zweiten Halbzeit.

Urs Lindt / freshfocus

Was ist passiert? Nach einem Zweikampf zwischen Aebischer und Basels Sturmjuwel Esposito entscheidet Schärer auf Foul des YB-Mittelfeldmotors. Es ist «der Witz», von dem Wagner spricht, weil Aebischer «den Ball spielt». In der Folge kommt es zur Rudelbildung und zum Gerangel zwischen YB-Verteidiger Maceiras und FCB-Stürmer Cabral. Beide sehen gelb.

Nur zwei Minuten später, in der 43. Minute, spitzelt Maceiras vor Cabral den Ball weg, schlittert aber in den Brasilianer rein. Schärer entscheidet zur Verblüffung vieler auf Foul von Maceiras und zückt zum Entsetzen der Berner die gelb-rote Karte. Nicht sein einziger Fehlentscheid, aber sein krassester an diesem Sonntag in Basel, wo mit etwas mehr als 30000 Zuschauern eine Stimmung herrschte, wie seit Dezember 2019 nie mehr.

Auch FCB-Trainer Rahmen ärgert sich

Nimmt man die erste Halbzeit als Referenzwert, ist der Platzverweis gegen Maceiras matchentscheidend. Denn YB dominiert, ist frischer, spielt strukturierter. Der FCB kann nicht kaschieren, dass er zwei Tage weniger Regenerationszeit hatte. Erst Donnerstagnacht qualifizierte er sich in Stockholm für die Gruppenphase der Conference League.

YB indes durfte schon am Dienstag den Einzug in die Champions League feiern. Deshalb fragt FCB-Trainer Patrick Rahmen zu Recht: Ist es im Sinn des Schweizer Fussballs, wenn man das Gipfeltreffen am Ende einer mental und physisch äusserst anspruchsvollen Europacup-Woche ansetzt? Nein, ist es natürlich nicht. Erst recht, wenn man bedenkt, dass der FCB bereits sechs Europacup-Quali-Spiele in den Beinen hat.

Die Berner wollen diesen Vorteil nutzen. Schliesslich haben sie bei einem Spiel weniger schon sechs Punkte Rückstand auf den FCB. Aber es gelingt ihnen kaum, trotz höherer Intensität zwingende Möglichkeiten zu kreieren. Die Ausnahme sehen wir in der 20. Minute, als Siebatcheu nach famoser Vorarbeit von Ngamaleu und Elia nur noch einzuschieben braucht.

Aufgrund der klaren Überlegenheit vor dem Platzverweis stellt sich die Frage: Kann dieser FCB den Meister herausfordern? Ja. Denn gestern haben wir nicht den wahren FCB gesehen. Dafür waren die letzten Tage zu strapaziös. Sicher, YB ist erfahrener und in der Breite besser besetzt. Aber dieser FCB hat sich vorzüglich verstärkt. Er hat ein Team, das vielleicht sogar die besseren Perspektiven hat als YB. Oder: Die aufregenderen Individualisten.

Phänomenal: Sebastiano Espostios Freistoss zum 1:1 gegen YB (links Eray Cömert).

Phänomenal: Sebastiano Espostios Freistoss zum 1:1 gegen YB (links Eray Cömert).

Urs Lindt / freshfocus

Einen derart smarten, spielstarken Innenverteidiger wie Andy Pelmard hat man in der Schweiz noch selten gesehen. Und er ist erst 21. Oder Sebastiano Esposito. Wie der 19-jährige Italiener gegen YB den Freistoss zum 1:1 verwertete, – bereits sein vierter Treffer – war schlicht phänomenal. Ausserdem deutet alles darauf hin, dass Cabral – vergab gestern zwei Matchbälle – in Basel bleiben wird. Kurz: Mit diesem FCB ist wieder zu rechnen.

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