Fussball-EM
«Wir werden uns nicht auf Bale konzentrieren»: Petkovic zerlegt Nati-Gegner Wales

Die Schweizer Nationalmannschaft strebt am Samstag (15 Uhr) gegen Wales den optimalen Start in ihren EM-Parcours an. Nationaltrainer Vladimir Petkovic erklärt, warum ein idealer Auftakt so wichtig ist.

Christian Brägger
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Vladimir Petkovic dirigiert das Abschlusstraining in Baku.

Vladimir Petkovic dirigiert das Abschlusstraining in Baku.

Jean-Christophe Bott / KEYSTONE

Etwas surreal wirkte das Ganze schon. Kaum war draussen am Journalisten-Hotel in Baku der werbetrommelnde EM-Bus als Stimmungsmacher mit lauter Musik und tanzenden Frauen vorbeigefahren, nahm Vladimir Petkovic im 13 Kilometer entfernten Olympiastadion Platz für die digitale Pressekonferenz vor dem EM-Start der Schweiz gegen Wales.

So am Bildschirm wirkte der Nationaltrainer entspannt, dass es technische Probleme gab, wie Minuten davor bereits bei Captain Granit Xhaka, schien ihn nicht zu irritieren; es soll kein böses Omen sein, dass bei den Walisern Stunden früher ­alles reibungslos verlief.

Diese Geschichte soll ein gutes Ende haben

Petkovic liess sich abermals nicht gross darauf ein, was denn an diesem Turnier möglich sein könnte für seine Schweizer. Ihm schwebt stattdessen vor, «die erste Seite eines Buches zu schreiben, damit die nächsten folgen können und die Geschichte ein gutes Ende findet». Dafür brauche es einen idealen Auftakt gegen Wales, sagte er:

«Weil wir dann Möglichkeiten haben, weiter zu kommen. Es wäre für mich eine Enttäuschung, wenn wir das nicht schaffen würden.»

Und natürlich sehen sich die Schweizer vor, zumal der Gegner in der Qualifikation zur EM auf seine Defensive und Kampfkraft vertrauen konnte. Ein Gegner, der es gewohnt ist, in verschiedenen Systemen zu spielen und bei dem sich selbstredend alles um Superstar Gareth Bale dreht.

«Wir wollen dominieren, wir wollen den Ball, wir wollen den Walisern unseren Rhythmus aufzwingen. Aber wir werden uns nicht speziell auf Bale konzentrieren», sagte Petkovic. Sein Blick auf die vergangenen Tage gibt ihm ein gutes Gefühl für den Auftakt, und als unerwartet die Frage zum möglichen Werben von Zenit St. Petersburg um ­seine Person kam, war er zum Scherzen aufgelegt.

Die Waliser: Der Appell an die eigene Ehre

Xhaka war davor Xhaka ge­blieben und wiederholte erneut die eigenen, hohen Erwartungen der Schweizer Mannschaft. «Ich sehe gegen die Waliser keine Gefahr, wenn wir fokussiert ­bleiben. Das erste Spiel ist immer das wichtigste, es kann Selbstvertrauen geben für die anderen Spiele.»

Und die Waliser? Die sehen die Sache naturgemäss ein wenig anders. Bale, seit elf Spielen ohne Torerfolg im Nationalteam, sagte: «Wir wollen mit unserem klaren Matchplan einen guten Start haben und die Schweiz besiegen.»

Wales schöpft Kraft aus dem Halbfinaleinzug an der EM 2016, ihn zu wiederholen, dürfte aussichtslos sein. Doch die Karte, an die eigene Ehre zu appellieren, die werden die Waliser spielen. Trainer Rob Page, der Ryan Giggs wegen eines gerichtlichen Verfahrens abgelöst hat, sagte: «Meine Spieler müssen ver­stehen, wie es ist, unser Land zu vertreten.» Da kann es nur ­helfen, dass Juventus-Profi Aaron Ramsey wieder fit.