Rad
Für das Schweizer WM-Team gilt: Angriff ist die beste Verteidigung

Silvan Dillier und Stefan Küng gehören zum Schweizer Rad-WM-Team in Bergen, welches im Strassen- rennen vom Sonntag zu den Aussenseitern zählt, aber trotzdem für eine Überraschung sorgen möchte.

Marcel Kuchta
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Stefan Küng (l.) und Silvan Dillier: Zwei der Schweizer Trümpfe, die am Sonntag stechen könnten.Freshfocus

Stefan Küng (l.) und Silvan Dillier: Zwei der Schweizer Trümpfe, die am Sonntag stechen könnten.Freshfocus

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268 Kilometer lang ist der gesamte WM-Parcours. Elfmal müssen die Fahrer den Rundkurs rund um und durch die malerische norwegische Küstenstadt Bergen absolvieren. «Erst geht es immer ein wenig bergauf, dann wieder ein wenig bergab Richtung Ziel. Und in der Stadt selber ist die Strecke sehr technisch», beschreibt Silvan Dillier (27) den anspruchsvollen WM-Rundkurs.

Er unterstreicht damit auch gleichzeitig, dass sich die Radcracks auf ein unruhiges und hektisches Rennen einstellen müssen. «Es wird sicher eine Challenge. In der Stadt drin wird sich das Feld in die Länge ziehen. Wenn man da zu weit hinten fährt, dann ist es extrem schwierig, wieder an die Spitze zu kommen», sagt der Aargauer.

Silvan Dillier beschreibt die WM-Strecke als anspruchsvoll und technisch.

Silvan Dillier beschreibt die WM-Strecke als anspruchsvoll und technisch.

foto-net / Alexander Wagner

Auch deshalb ist die Losung innerhalb des Schweizer Teams klar: Angriff ist die beste Verteidigung. «Es bringt nichts, wenn man zu lange abwartet. Wir müssen versuchen, ein aktives Rennen zu zeigen», sagt der BMC-Profi, der zusammen mit seinem Teamkollegen Stefan Küng am vergangenen Sonntag im WM-Mannschaftszeitfahren die Silbermedaille gewonnen hat.

Auch Küng selber setzt auf die Offensive: «Wir werden die Flucht nach vorne ergreifen müssen», sagt der 23-Jährige. Vor allem deshalb, weil keiner der insgesamt sechs startenden Schweizer in der Lage sein würde, in einem Endspurt einer grösseren Gruppe gegen die besten ihres Fachs zu bestehen. «Einen Sprint gegen Leute wie Sagan oder Matthews zu gewinnen, ist schwer. Deshalb müssen wir versuchen, vorher für eine Entscheidung zu sorgen.» Und vor allem müsse man bei den Leuten sein, wenn 100 Kilometer vor dem Ziel die ersten wirklich ernsthaften Attacken erfolgen werden, betont Küng.

Michael Albasini als Teamleader

Als Leader werden die Schweizer am Sonntag Michael Albasini (36) ins Rennen schicken. «Alba ist genau der Mann für diese Art von harten Rennen», sagt Stefan Küng, der sich zusammen mit Silvan Dillier eher in der Rolle des Jokers sieht, der zum Einsatz kommt, wenn der beste Trumpf nicht stechen sollte. Den Routiniers wie Michi Schär (30) oder Grégory Rast (37) fällt die Helferrolle zu. Die beiden amten als Capitaines de Route, die das Renngeschehen lesen sollen.

Für Silvan Dillier wie für Stefan Küng steht in Norwegen der letzte Höhepunkt einer langen und erfolgreichen Saison auf dem Programm. Die vielen Kilometer und Renntage, die den beiden in den Beinen stecken, wirken sich dabei weniger auf den Energiehaushalt aus. «Es ist eher die mentale Frische, die fehlt», sagt Küng, der beim WM-Zeitfahren am Mittwoch einen Tag zum Vergessen erlebte und sich auf dem – für einen Zeitfahr-Spezialisten desaströsen – 25. Platz des Klassements wiederfand. «Das Rennen war zu lang und die Strecke zu steil für mich. Nach meinem Sturz war die Motivation dann endgültig weg.»

Verfehlte beim WM-Zeitfahren in Bergen seine Zielsetzungen deutlich: der Thurgauer Stefan Küng

Verfehlte beim WM-Zeitfahren in Bergen seine Zielsetzungen deutlich: der Thurgauer Stefan Küng

KEYSTONE/AP NTB scanpix/MARIT HOMMEDAL

Auch deshalb war für ihn der Donnerstag vornehmlich dazu da, «den Kopf zu lüften». Er traf sich in Bergen mit seinen Eltern und seiner Freundin. «Jetzt bin ich bereit. Es ist schliesslich eine Ehre, an einer WM die Schweiz vertreten zu dürfen», betont der Thurgauer.

Bei Silvan Dillier, der seit dem Mannschaftszeitfahren vom letzten Sonntag in Bergen weilte und zwei fünfstündige Trainingsausfahrten in der wunderschönen Landschaft unternahm, tönt es ähnlich: «Die WM-Vorbereitung ist für mich sehr gut verlaufen. Ich bin auch punkto Form im Plan und fühle mich frisch genug für so ein langes Eintagesrennen.» Die Beine sind also stark. Jetzt muss nur der müde Geist, im Herbst der langen Saison, noch einmal richtig wach werden.