Olympia-Fussball
Fünf Fragen und Anworten zum wenig beachteten Fussballturnier in Rio

Die letzten Welt- und Europameister sind jedem bekannt. Aber wussten Sie, dass Mexiko der amtierende Olympiasieger ist? Das olympische Fussballturnier beginnt klammheimlich vor der Eröffnung – bezeichnend für die Bedeutung in der Szene.

Sebastian Wendel
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Selbst im fussballverrückten Brasilien regiert in diesen Tagen nicht nur der König Fussball.

Selbst im fussballverrückten Brasilien regiert in diesen Tagen nicht nur der König Fussball.

Keystone

Während EM oder WM wachsen und wachsen, wird die Bedeutung des olympischen Fussballs immer geringer – weil die besten Spieler fehlen. In Rio ist der Brasilianer Neymar der einzige Spieler mit Superstar-Status. Hinter ihm sind Max Meyer, die Bender-Zwillinge Lars und Sven (Deutschland), John Obi Mikel (Nigeria) und Heung-Min Song (Südkorea) die bekanntesten Namen. Grund für die Stararmut: Die Olympischen Spiele sind kein offizieller Fifa-Termin, die Klubs sind nicht verpflichtet, ihre Spieler abzustellen. Mit der Premier League, der Primera Division, der Serie A und der Ligue 1 starten vier der fünf grössten Ligen Europas während des olympischen Fussballturniers in die neue Saison; nur die Bundesliga nimmt Rücksicht und beginnt eine Woche nachdem Final im Maracanã-Stadion, der am 20. August stattfindet.

1. Welche Länder nehmen in Rio teil? Wie ist der Modus?

16 Länder aus allen sieben Kontinentalverbänden sind dabei. Die vier Gruppen bestehen aus: Brasilien, Südafrika, Dänemark, Irak (Gruppe A); Schweden, Kolumbien, Nigeria, Japan (Gruppe B); Fidschi-Inseln, Südkorea, Deutschland, Mexiko (Gruppe C); Honduras, Portugal, Argentinien, Algerien (Gruppe D). Die Gruppenersten und -zweiten qualifizieren sich für die Viertelfinals.

2. Wer sind die Favoriten?

Als Gastgeber lastet der Druck auf Brasilien. Neymar soll das Land zwei Jahre nach dem Halbfinal-Out an der Heim-WM (1:7 gegen Deutschland) aus dem Tal der Tränen holen. Brasilien ist gemessen an der Qualität des Kaders erster Goldmedaillen-Anwärter. Vor Deutschland, Mexiko und Portugal.

3. Welche Spieler dürfen antreten?

Fussball ist seit 1908 olympische Disziplin. Bis 1980 waren Profifussballer verboten, wovon die Ostblock-Staaten profitierten: Diese schickten ihre sogenannten «Staatsamateure» und somit ihre normalen Nationalmannschaften an die Spiele. Dies führte zu grossen Leistungsunterschieden gegenüber den Ländern mit Profifussball, die nur Amateure entsenden durften. Darum stellten die Ostblock-Staaten von 1952 bis 1980 alle Fussball-Olympiasieger.

Seit 1984 sind Profifussballer zugelassen, jedoch mit einer Einschränkung:Die Spieler dürfen nicht älter als 23 Jahre sein. Diese Einschränkung macht die Fifa, damit das olympische Turnier nicht die WM konkurriert. Letztmals angepasst wurden die Regeln 1996: Seither darf jedes Land seine U23-Auswahl mit drei älteren Spielern ergänzen. Übrigens: Bei den Frauen, die seit 1996 teilnehmen, gibt es keine Altersbeschränkung, wodurch ihr olympisches Turnier einen viel grösseren Wert als jenes der Männer besitzt.

4. Welche «Schweizer» nehmen teil?

Nach dem Vorrunden-Out 2012 in London hat die Schweiz die Qualifikation für Rio verpasst (Europa wird von den vier Halbfinalisten der U21-EM aus dem Jahr vor Olympia vertreten). Schweizer Fussball ist an der Copacabana trotzdem vertreten: mit dem Schweden Alexander Fransson vom FC Basel und dem Iraker Gubari Sherko von GC.

Ursprünglich wäre mit dem Japaner Yuya Kubo von YB ein dritter Super-League-Profi nach Rio gereist: Doch nach der schweren Verletzung von Alexander Gerndt haben die Berner Kubo die Teilnahme wegen der Personalnot im Sturm untersagt.

5. Wer hält die Rekorde?

Mit drei Gold- sowie je einer Silber- und Bronzemedaille führt Ungarn im ewigen Medaillenspiegel vor Argentinien und der Sowjetunion. Im Vergleich der Kontinentalverbände führt Europa (16 Goldmedaillen) mit grossem Abstand vor Südamerika (4) und Afrika (2).

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