Motorrad

Für Dominique Aegerter ist klar: «Ich habe mir nichts vorzuwerfen»

Der Töffstar Dominique Aegerter äussert sich zu seinen turbulentesten Wochen in seiner Motorrad-Karriere.

Der Töffstar Dominique Aegerter äussert sich zu seinen turbulentesten Wochen in seiner Motorrad-Karriere.

Der Schweizer Töffstar ist für die drei letzten Rennen der Saison von seinem Team vor die Türe gesetzt worden. Er sagt, warum es so weit gekommen ist und warum er vor einem Jahr eine MotoGP-Offerte ausgeschlagen hat. Aegerter im Interview über die turbulentesten Wochen seiner Karriere.

Eigentlich wäre mündlich eine einjährige Verlängerung mit seinem bisherigen Team abgemacht gewesen. Doch nun hat Dominique Aegerter auf nächste Saison ins Deutsche Team von Stefan und Jochen Kiefer gewechselt. Dieser Transfer hat seinen bisherigen Teamchef Fred Corminboeuf so erbost, dass er Dominique Aegerter für den Rest der Saison nicht mehr fahren lässt. Den Platz neben Tom Lüthi bekommt nun für die kommende Saison der Zürcher Jesko Raffin (19).

Haben Sie sich wieder beruhigt?

Dominique Aegerter: Ja, inzwischen habe ich mich mit der Situation abgefunden.

Aber Ihr Zorn war gross.

Das ist so. Ich will fahren, ich bin das meinen Sponsoren, aber auch meinen Fans schuldig. Ich habe auch einen Vertrag, der mir die Rennen bis Ende Saison zusichert. Aber ich habe inzwischen eingesehen, dass es nichts gebracht hätte, wenn wir juristische Schritte unternommen hätten. Bis wir unser Recht eingeklagt hätten, wäre die Saison vorbei gewesen.

Freut sich auf einen frischen Start bei einem neuen Team: Dominique Aegerter.

Freut sich auf einen frischen Start bei einem neuen Team: Dominique Aegerter.

Ihre Sponsoren dürften nicht unglücklich sein. Sie hatten mit dem ganzen Theater rund um Ihren Teamwechsel und der Freistellung mehr Medienpräsenz als Tom Lüthi mit seinem Sieg in Japan.

Was da abgegangen ist, war schon verrückt. Ich war ja nach meinem Sieg auf dem Sachsenring und meinem Unfall vor einem Jahr einiges gewohnt. Aber die letzten Tage haben alles übertroffen.

An der Eskalation, die schliesslich in Ihrer Freistellung geendet hat, sind Sie nicht ganz unschuldig.

Ich habe mir nichts vorzuwerfen. Ich habe immer alles getan, um die Leistungen zu erbringen. Aber im Nachhinein muss ich zugeben, dass ich einen Fehler gemacht habe.

Und der wäre?

Ich habe mich dazu hinreissen lassen, dem Team zu sagen, dass ich gegangen wäre, wenn ich eine Offerte erhalten hätte. Das war zu dem Zeitpunkt, als es so schien, dass es für mich keine Alternative gibt. Das war ein Fehler. Denn von dem Moment an kippte die Stimmung gegen mich.

Sie hatten gerade in dieser Saison grosse technische Probleme. Die optimale Abstimmung der Maschine gelang Ihnen immer weniger.

Ich habe die technische Problematik unterschätzt. Wir hatten diese Schwierigkeiten ja auch schon letzte Saison. Ich ging davon aus, dass ein Wechsel des Cheftechnikers und der Mechaniker das Problem löst. Dabei habe ich zu wenig darauf geachtet, wer mein neuer Cheftechniker wird.

Die Kommunikation war nicht gerade glücklich. Teamchef Fred Corminboeuf hat von dritter Seite von ihrem Teamwechsel erfahren – nachdem Sie ihm mündlich für eine weitere Saison zugesagt hatten.

Die Chance mit dem Deutschen Kiefer-Team kam unverhofft. Bevor wir Fred Corminboeuf etwas sagen konnten, mussten wir erst mit dem neuen Team einen unterschriebenen Vertrag haben. In diesem Geschäft wird vieles versprochen und am Ende nicht gehalten. Sobald wir den Vertrag hatten, haben wir das auch kommuniziert.

Aegerter bereitet sich vor, um in der nächsten Saison wieder Gas zu geben.

Aegerter bereitet sich vor, um in der nächsten Saison wieder Gas zu geben.

Sie hatten vor zwei Jahren, nach Ihrem Sieg auf dem Sachsenring, einen unterschriftsreifen Vertrag für den Wechsel zu Ducati in die Königsklasse MotoGP. Bereuen Sie, dass Sie damals diese Chance nicht gepackt haben?

Nein. Die Gespräche waren tatsächlich weit fortgeschritten. Aber im Nachhinein hat sich gezeigt, dass die Ducati damals noch nicht so konkurrenzfähig war wie heute. Ich will vorne mitfahren und es wäre für mich sehr schwierig geworden, wenn ich von allem Anfang an höchstens um den zehnten Platz herum hätte fahren können. Es gibt inzwischen genug Beispiele von Fahrern, die in der Moto2-WM ganz vorne waren und sich von der Hinterherfahrerei in der MotoGP-Klasse nicht mehr erholen konnten.

Wie verändert sich Ihre finanzielle Situation durch den Teamwechsel?

Die Voraussetzungen sind sehr ähnlich. Das Team stellt die Infrastruktur und die Maschinen zur Verfügung und bezahlt ein Basissalär. Wahrscheinlich werde ich etwas weniger verdienen, weil ich im neuen Team weniger Werbefläche bekomme, die ich selber verkaufen darf. Die Werbefläche auf dem Helm bleibt beispielsweise beim Team.

Was wird jetzt besser sein? Oder ist der Teamwechsel lediglich eine Art Flucht?

Es ist ja nicht so, dass alles in meinem bisherigen Team schlecht war. Ich bin dankbar für die Chance, die ich bekommen habe. Aber alleine der Wechsel ist gut. Ich komme in ein neues Team in dem die wichtigste Sprache nicht mehr Französisch, sondern Deutsch ist. Die Kommunikation wird besser sein. Ich verspreche mir auch viel von der Rückkehr zu Suter und durch die technische Betreuung durch Eskil Suter und seine Techniker.

Und Sie leiden nicht mehr unter der Nähe der Überfigur Tom Lüthi. Er ist nicht mehr Ihr Teamkollege.

Das war ein ständiges Medienthema aber für mich selber wirklich nie ein Problem.

Sind sie sich bewusst, dass Sie nun Ihre letzte Chance bekommen? Der Druck wird mit Sicherheit nicht geringer.

Dem bin ich mir bewusst. Aber das ändert nichts an meiner Situation. Druck ist für mich kein Problem. Ich suche immer das Beste herauszuholen, da muss mir niemand Druck machen.

Wie sieht nun Ihre Planung der nächsten Wochen aus?

Wir nützen die Zeit im November für mehrere Tests mit dem neuen Material. Wir tun alles, um auf die nächste Saison bereit zu sein, und die Motivation ist gross. Bei mir, aber auch bei meinem Team und bei Eskil Suter.

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