Der 19-fache WM-Medaillengewinner Daniel Hubmann kam im Juniorenkader erstmals mit der Sportpsychologie in Kontakt. Ohne bleibenden Eindruck. «Mir sagte das nie richtig zu und ich merkte, dass ich es für den Erfolg nicht brauche», erklärt der 32-Jährige, «deshalb mache ich diesbezüglich nichts und habe auch nie etwas gemacht.» Selbstverständlich tue es auch ihm ab und zu gut, mit Bezugspersonen zu diskutieren, doch dafür finde er mit seinem Trainer, seinen Kaderkollegen oder seiner Frau genügend Anlaufstellen.

Goldgaranten im Schweizer Sport: Simone Niggli-Luder und Daniel Hubmann.

Goldgaranten im Schweizer Sport: Simone Niggli-Luder und Daniel Hubmann.

Er wisse, was es brauche, um schnell zu rennen und glaube nicht, dass er mithilfe eines Mentaltrainers noch schneller werden könne. «Ich bin ein sehr faktenbezogener Mensch und halte mich dabei an die Logik», sagt der OL-Profi. So genüge ihm vor der WM jeweils der Blick in sein Trainingstagebuch und die Gewissheit, ein Maximum an Kartentrainings absolviert zu haben. «Dann weiss ich, dass ich in Form bin.»

Instinkt ersetzt die Psychologie

Er wolle die Sportpsychologie auf keinen Fall schlechtreden und akzeptiere selbstverständlich, wenn andere Mitglieder des Nationalkaders dafür einstünden, dass eine solche Unterstützung an einer Weltmeisterschaft zur Verfügung stehe. «Und natürlich habe auch ich mich schon gefragt, ob ich bei mir mit Mentaltraining in gewissen Bereichen noch VerbesseruFür denngen herbeiführen kann.» Die eigene Antwort fiel negativ aus.

Vielleicht liege es auch darin, dass bei ihm unterwegs sehr viel intuitiv geschehe. «Wenn ich ein Buch schreiben müsste, wie genau ich OL mache, dann hätte ich allergrösste Schwierigkeiten, dies zu erklären», sagt der in Bern wohnhafte Ostschweizer. Er vertraue unterwegs voll und ganz auf seinen Instinkt und seine Erfahrungen. Hubmann glaubt, auch Niederlagen einstecken zu können, ohne dass er diese mental aufarbeiten muss. «Ich kann mit einem Problem abschliessen, auch ohne eine Lösung gefunden zu haben.»