Ski nordisch

Fünf Gründe, wieso Cologna auch an den Olympischen Spielen Freude bereiten wird

Dario Cologna: «Das ist ein besonderer Sieg für mich.»

Dario Cologna: «Das ist ein besonderer Sieg für mich.»

Dario Cologna gewinnt die Tour de Ski souverän zum vierten Mal. Nach einer Durststrecke von fünf Jahren steht der 31-Jährige wieder zuoberst auf dem Podest seines Lieblingsrennens. Was aber bedeutet dieser Erfolg für die in einem Monat beginnenden Olympischen Spiele in Pyeongchang? Es gibt viel Grund zur Zuversicht.

1. Die Vergangenheit

Dario Colognas Erfolge an der Tour de Ski waren nie Eintagsfliegen. Bei jedem seiner drei bisherigen Siege holte sich der Bündner danach auch den Gesamtweltcup. Zwar zahlte er 2009 und 2011 Lehrgeld in Bezug auf das Timing der Topform für die Weltmeisterschaften. Cologna gewann jeweils erst direkt nach der WM wieder ein Weltcuprennen.

Dario Cologna gewann auf diesem Bild zum 2. Mal die Tour de Ski

Dario Cologna gewann auf diesem Bild zum 2. Mal die Tour de Ski

Doch bei seinem letzten Erfolg an der Tour de Ski 2012 war der Schweizer just Mitte Februar, wenn in Pyeongchang die Olympiaentscheidungen anstehen, im Weltcup bereits wieder überragend. Cologna hat mehrfach bewiesen, dass er seine Form aus der Tour bis zum Saisonhöhepunkt konservieren oder sogar noch steigern kann.

Dario Cologna: «Ich mache mir da keine grossen Sorgen. Ich fühle mich noch immer gut und bin im Hinblick auf die Olympischen Spiele auf dem richtigen Weg.»

2. Die Psyche

Vor seinem überragenden Doppelsieg in der Lenzerheide zum Jahreswechsel lagen 1070 Tage ohne Erfolg im Weltcup. Selbst wenn Dario Cologna nie richtig abfiel, sich immer an der Weltspitze messen konnte, standen ihm stets andere Läufer vor der Sonne. Das Comeback als Siegläufer hat dem ehrgeizigen und erfolgsverwöhnten Schweizer mental gewaltigen Rückenwind gegeben. Er fühlt sich jetzt wieder imstande, Rennen zu gestalten und zu kontrollieren. Dies entspricht dem Charakter des Bündners.

Dario Cologna: «Ich habe das schon wieder mal gebraucht, ein Einzelrennen zu gewinnen. Auch, um der Konkurrenz zu zeigen, dass ich da bin. Bereits im Sprint hat sich bei mir ein Knopf gelöst.»

3. Die Erfahrung

Im Gegensatz zu seinen derzeit grössten Konkurrenten weiss Dario Cologna, wie man Olympiasieger wird. Er wird in Pyeongchang über 15 km Freistil, im 30-km-Skiathlon und über 50 km klassisch auf Medaillenjagd gehen.

Cologna bringt eine Menge an Erfahrung mit sich

Cologna bringt eine Menge an Erfahrung mit sich

Dario Cologna: «Genau kenne ich die Olympiastrecke noch nicht. Ich habe nur gehört, dass es vor dem Ziel einen längeren Anstieg gibt. Wenn die Form stimmt, ist jede Strecke okay.»

4. Die Gegner

Die Athleten, welche Cologna in den letzten Jahren vor der Sonne standen, kämpfen mit gesundheitlichen Problemen. Der Norweger Martin Johnsrud Sundby hat zwar mit dem Ziel, die Erfolglosigkeit an Grossanlässen endlich zu beenden, seine Saisonvorbereitung umgestellt. Dabei hat ihm starkes Asthma aber bisher einen Strich durch die Rechnung gemacht. Deshalb besteht noch ein Fragezeichen hinter seinem Plan, in Pyeongchang in Topform zu sein.

Immerhin setzte Sundby gestern mit der Tagesbestzeit ein Ausrufezeichen. Auch der letztjährige Weltcup-Dominator Sergej Ustjugow glänzt wegen chronischer Rückenbeschwerden vor allem mit seiner Unbeständigkeit. Für den Aufstieg zur Alpe Cermis musste er gar Forfait geben. Trotzdem bleibt er als Gegner unberechenbar.

Marcus Hellner und Petter Northug, jene zwei Läufer, die bei Olympia noch mehr Medaillen sammelten als Cologna, liegen sportlich derzeit weit zurück. Hellner war an der Tour nur ein Schatten seiner selbst und gab das Rennen vor der Schlussetappe auf. Northug lieferte am Wochenende beim Skandinavien-Cup erneut eine ganz schwache Vorstellung ab. Er mag momentan nicht einmal der zweiten norwegischen Garde Paroli zu bieten.

Die zwei starken Russen Alexander Legkow und Maxim Wylegschanin wurden vom IOC auf Lebzeiten von Olympia ausgeschlossen. Sie hoffen darauf, dass der Sportgerichtshof CAS das Urteil vor dem Start der Winterspiele noch umstösst. Die zwei würden aber komplett ohne Wettkampfpraxis antreten.

Bleibt Jungstar Johannes Klaebo, der bei der Tour fehlte, aber mit sieben Siegen zum Weltcupauftakt eine grandiose Überlegenheit ausspielte. Ob er bei Olympia ebenso dominant auftreten kann? Klar ist: Klaebo kann in Pyeongchang nicht das ganze Wettkampfprogramm absolvieren. Gut möglich, dass Dario Cologna im 15-km- und im 50-km-Rennen nicht auf den Shootingstar aus Norwegen treffen wird.

Dario Cologna: «Ich rechne mit den üblichen Verdächtigen als Hauptkonkurrenten, insbesondere auch mit Klaebo. Aber ich habe gezeigt, dass ich alle schlagen kann.»

5. Die Gesundheit

Für Dario Colognas Enttäuschungen in den letzten zwei Jahren gab es klar erkenntliche gesundheitliche Gründe. Das starke Leistungsasthma erschwerte vor allem die Regenerationsfähigkeit, die Wadenprobleme behinderten ihn im Training und verschiedentlich bei Rennen. Beides hat Dario Cologna mithilfe seines Umfelds derzeit gut im Griff.

Die Wade ist gar kein Thema, der Husten vernachlässigbar. Cologna hat im Sommer auf dem neuen Laufband in Davos kleine Änderungen bei der klassischen Technik vorgenommen, welche die Wadenmuskulatur entlasten.

«Und ich habe weiter auch ein gutes Gefühl, dass ich mit der Wade keine Probleme bekomme.»

«Und ich habe weiter auch ein gutes Gefühl, dass ich mit der Wade keine Probleme bekomme.»

Und er hat die Medikation gegen sein Asthma leicht angepasst und bei der Rennplanung Rücksicht darauf genommen. Auch die zu erwartenden Bedingungen in Südkorea mit moderaten Temperaturen und tiefer Luftfeuchtigkeit werden Cologna behagen. Jetzt muss der 31-Jährige nur noch die Strapazen der Tour verarbeiten, ohne krank zu werden.

Dario Cologna: «Ich habe hier gute Rennen ohne Schwächen gezeigt. Und ich habe weiter auch ein gutes Gefühl, dass ich mit der Wade keine Probleme bekomme.»

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