Grenzen ausloten, eiserne Disziplin, Schmerzen ignorieren, alles dem Erfolg unterordnen, das Maximum aus dem Körper herauspressen: Es sind die Ingredienzen, welche Athletinnen an die Spitze führen. Das alles ist Makulatur, sobald aus Sportlerinnen Mütter werden.

Auch für Serena Williams (35), die erfolgreichste Tennisspielerin der Geschichte, die vor einer Woche ihre Schwangerschaft publik machte. Ihr wichtigstes Arbeitsgerät, der Körper, gehört ab sofort nicht mehr nur ihr.

Taktstock und Ansporn

Was das bedeutet, weiss Triathlon-Olympia-Siegerin Nicola Spirig (34). «Sport ist meine Leidenschaft. Ich weiss nicht, ob ich als Mutter die bessere Sportlerin bin. Aber ich weiss, dass ich als Sportlerin die bessere Mutter bin», sagte sie einst zur «NZZ». «Ich habe den Sport früher unglaublich ernst genommen, und ich bin mir sicher, dass ich nur darum Olympiasiegerin geworden bin.» Das sagte sie im Sommer 2016, bevor sie in Rio de Janeiro als Mutter von Yannis Silber gewinnt.

Sie führt heute ein anderes Leben. Während der Stillzeit wusste sie, was sie trainiert. Wann, das gab Yannis vor. Das Kind als Taktstock, für Spirig Ansporn statt Bremsklotz. Fünf Monate nach der Geburt absolviert sie einen 3000-m-Lauf in persönlicher Bestzeit. Lockerer sei sie geworden, sie trainiere weniger, dafür mit mehr Qualität. Im Mai erwartet sie mit ihrem Ehemann Reto Hug ihr zweites Kind. Ob und in welcher Disziplin sie weitermacht, ist offen.

Mütter im Sport:

Für Serena Williams, die im Herbst erstmals Mutter wird, ist hingegen klar, dass sie zurückkehren will. Anfang Woche richtet sie sich mit berührenden Worten an ihr Ungeborenes: «Du gabst mir die Stärke, von der ich nicht wusste, dass ich sie habe. Du lehrst mich die wahre Bedeutung von Gelassenheit und Frieden. Ich kann es kaum erwarten, dich kennen zu lernen. Ich kann es kaum erwarten, dass du im nächsten Jahr in der Spielerbox sitzt.»

Egoismus und Organisation

Jeder Fall ist einzigartig, jener von Spirig lässt sich nicht mit jenem von Williams vergleichen. Gemäss «Forbes» verfügt sie über ein Vermögen von 200 Millionen Dollar. Das vereinfacht die Organisation. Allerdings ist Williams ungleich öfter unterwegs als Ausdauersportlerin Spirig, die nur eine Handvoll Wettkämpfe bestreitet. Sie wird sich aber auch mit Voten konfrontiert sehen, die ihr Egoismus vorwerfen. Spirig sagt dazu: «Das sind die Leute, die generell finden, eine Mutter solle nicht arbeiten.»

Nicola Spirig mit Yannis und der Olympia-Silbermedaille von Rio.

Nicola Spirig mit Yannis und der Olympia-Silbermedaille von Rio.

Mit anderen Fragen beschäftigt sich Williams’ Konkurrenz. Mit jener, wie stark die 23-fache Grand-Slam-Siegerin zurückkehren wird, wenn sich ihre Prioritäten im Leben verschoben haben. Zumal sie im kommenden Jahr bereits 36 Jahre alt sein wird. Die Antwort, die Fitnesstrainer Mackie Shilstone liefert, dürfte ihnen wenig Mut machen. «Wenn Serena einen Fuss auf einen Platz setzt, wird sie zur Siegerin», sagt er im «Guardian». «Es besteht kein Zweifel: Serena kommt noch stärker zurück. Weil sie für zwei spielen wird.»