Tour de France
Froome nach Drama am Mont Ventoux: «Ich habe zu mir selbst gesagt: 'Ich habe kein Rad', also muss ich laufen»

Die 12. Etappe der Tour de France endete in einem unbeschreiblichen Chaos. Der britische Leader Chris Froome wurde im Aufstieg zum Mont Ventoux kurz vor dem Ziel in einem Gewirr von Motorrädern und Fans jäh gestoppt, doch die Jury hatte ein Einsehen.

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Es sind Szenen, wie sie die Tour de France bis zu ihrer 103. Austragung noch nie gesehen hat; Leader Froome rennt nach einem Crash den Mont Ventaux hinauf.
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Gut einen Kilometer vor dem Ziel war Leader Christopher Froome gestürzt. Der gebürtige Kenianer hatte auf dem - wegen heftiger Winde verkürzten - Schlussanstieg ins Ziel seine grössten Kontrahenten um den Kolumbianer Quintana schon abgehängt.
Ein TV-Motorrad war brüsk auf die Bremse getreten, weil wegen der Zuschauermassen am Berg schlicht kein Durchkommen mehr war. Der Australier Richie Porte, der sich zusammen mit Froome und dem Holländer Bauke Mollema von den anderen Mitfavoriten auf den Gesamtsieg abgesetzt hatte, fuhr auf das Motorrad auf.
Froome kann als einziger der drei die Fahrt nicht fortsetzen - sein Fahrrad ist beschädigt, der Rahmen ist gebrochen. Also rennt er los.
Ich bin in diesem ganzen Durcheinander noch von einem anderen Motorrad getroffen worden", schilderte Froome hinterher den chaotischen Zwischenfall, der sich ausgerechnet an jenem Berg ereignete, an dem er vor drei Jahren als grandioser Etappensieger eingefahren war. "
Drama um Froome am Mont Ventoux
Froome rennt in seinen Rennschuhen wie ein Jogger dem Ziel entgegen.
"Ich habe zu mir selbst gesagt: 'Ich habe kein Rad'. Und ich wusste, das Auto mit meinem Rad ist fünf Minuten zurück auf der Strasse, also muss ich laufen", beschrieb Froome die ungewöhnliche Szene.
Die Fans feuern ihn trotzdem - oder erst recht - an.
Auf ein Ersatzbike wartete der Brite quälend lange.
Ein Helfer stösst ihn an.
Allerdings ist es ein viel zu kleines Ersatz-Gefährt mit unpassenden Klickpedalen.
Christopher Froome kommt schliesslich mit einigem Rückstand ins Ziel.
Die Enttäuschung ist ihm anzusehen. Das Gelbe Trikot scheint er verloren zu haben.
Froome mit gesenktem Kopf.
Froome droht, auf Platz 6 der Gesamtwertung zurückzufallen.
Doch nach kurzer Beratung kippt die Jury das Resultat, wertet die Abstände zum Zeitpunkt des Sturzes, als Froome rund 20 Sekunden vor Yates und Quintana lag.
Damit liegt der Brite in der Gesamtwertung nun 47 Sekunden vor Yates, Quintana (+1:01) ist Vierter.
Und zum Happy End gibts natürlich noch ein Küsschen.

Es sind Szenen, wie sie die Tour de France bis zu ihrer 103. Austragung noch nie gesehen hat; Leader Froome rennt nach einem Crash den Mont Ventaux hinauf.

Keystone

Zum 103. Mal rollt die Tour durch Frankreich, doch solche Szenen gab es zuvor noch nie zu sehen. Zu Fuss - ohne Velo - rannte Chris Froome in seinen Rennschuhen wie ein Jogger dem Ziel entgegen, ehe er ein viel zu kleines Ersatz-Gefährt mit unpassenden Klickpedalen gereicht bekam. "Ich habe zu mir selbst gesagt: 'Ich habe kein Rad'. Und ich wusste, das Auto mit meinem Rad ist fünf Minuten zurück auf der Strasse, also muss ich laufen", beschrieb Froome die ungewöhnliche Szene. Er kämpfte sich mit hängenden Schultern weiter, das Gelbe Trikot schien er verloren zu haben. Aber die Jury bestimmte über eine Stunde später: Froome bleibt Leader.

Was war geschehen? Gut einen Kilometer vor dem Ziel war ein TV-Motorrad brüsk auf die Bremse getreten, weil ob der Zuschauermassen am Berg schlicht kein Durchkommen mehr war. Der Australier Richie Porte, der sich zusammen mit Froome und dem Holländer Bauke Mollema von den anderen Mitfavoriten auf den Gesamtsieg abgesetzt hatte, fuhr auf das Motorrad auf. Mollema konnte die Fahrt schnell fortsetzen, nicht aber Froome, der wie Porte zu Fall kam.

"Ich bin in diesem ganzen Durcheinander noch von einem anderen Motorrad getroffen worden", schilderte Froome hinterher den chaotischen Zwischenfall, der sich ausgerechnet an jenem Berg ereignete, an dem er vor drei Jahren als grandioser Etappensieger eingefahren war. "Der Rahmen an meinem Velo war gebrochen." 1:40 Minuten betrug sein Zeitrückstand auf Mollema.

In Flachetappen gibt es die Regel, wonach auf den letzten drei Kilometern ein gestürzter Fahrer in derselben Zeit gewertet wird wie die Gruppe, in der er sich befand. In Zeitfahren oder bei Bergankünften gilt dieser Passus aber nicht. Froome drohte deshalb auf Platz 6 der Gesamtwertung zurückzufallen, ehe die Rennleitung ihr Veto einlegte und Froomerehabilitierte. "Ich bin der Organisation sehr dankbar, dass sie das als unvermeidbaren Unfall gewertet hat", kommentierte der Brite den Entscheid.

Sportlich hatten er und seine Mannschaft alles im Griff. Souverän wurden im Schlussaufstieg, der wegen des starken Windes schon tags zuvor um sechs Kilometer gekürzt worden, die Angriffe des Kolumbianers Nairo Quintana abgewehrt. Und so geht nunFroome mit ausgebauter Reserve ins 37,5 km lange Einzelzeitfahren vom Freitag. Er liegt jetzt 47 Sekunden vor seinem Landsmann Adam Yates, 56 Sekunden vor Mollema und 1:01 Minuten vor Quintana.

Im ganzen Trubel ging die Leistung der Ausreisser, die sich schon kurz nach dem Start davon gemacht hatten und letztlich den Etappensieg unter sich ausmachten, fast unter. Tagessieger wurde der Belgier Thomas de Gendt, der vor seinem Landsmann Serge Pauwels gewann. Diese Spitzenfahrer blieben noch unbehelligt. De Gendt hatte seine bisher grössten Erfolge vor vier Jahren im Giro d'Italia gefeiert. Damals gewann er die Bergetappe zum Stilfersjoch und beendete die Rundfahrt als Gesamt-Dritter.

Ansprechend hielt sich auch der Walliser Sébastien Reichenbach, der noch knapp vorFroome als 21. die Ziellinie überquert hatte. Der Profi des Teams FDJ verbesserte sich so in der Gesamtwertung wieder um eine Position. Als 18. und bester Schweizer liegt er indes gut acht Minuten zurück.

Die Franzosen brachten mit Sylvain Chavanel ihren besten Mann auf Platz 5. Seit nunmehr elf Jahren warten sie darauf, dass endlich wieder einmal einer der Ihren am 14. Juli, ihrem Nationalfeiertag, eine Etappe gewinnt. Letztmals gelang dies David Moncoutié, der heute als Co-Kommentator die Tour begleitet.

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