Am 30. Oktober 2015 hat Gottéron nach der 2:5-Heimniederlage gegen Ambri den ersten Platz nach 18 Runden geräumt. Nach der gestrigen Niederlage in Langnau, die elfte in Serie, ist Gottéron auf dem 8. Platz angekommen. Nie seit Einführung der Playoffs (1985/86) ist ein Tabellenführer so spektakulär so tief gestürzt.

Es wäre hingegen boshaft zu behaupten, den Spielern sei es egal. Sie versuchen auf dem Eis alles. Aber die Emotionen sind durch die Frustration negativ aufgeladen. Gottéron ist böse, nicht leidenschaftlich. Auch Langnau ist böse und Fribourgs Zauberfalter Andrej Bykow stürzt nach einem Zweikampf mit Langnaus Verteidigungsminister Ville Koistinen kopfvoran in die Bande (34. Min). Der gelbe Topskorer-Helm zerbricht, er muss eine Pause einlegen und als er im letzten Drittel zurückkehrt, hat er einen gewöhnlichen Helm auf den Kopf.

Nach dem Spiel halten die Chronisten auf dem Weg zur Gästegarderobe im Kabinengang des Ilfis-Tempels erschreckt inne. Sie bleiben wie angewurzelt stehen. In der Gottéron-Kabine tobt einer, dass die Wände wackeln. Zwischendurch hört man dumpfe Schläge und krachendes Mobiliar. Als sei der Drache im Gottéron-Tal nach Jahrhunderten befreit worden.

Als schliesslich die Türe aufgestossen wird, fliegen Stöcke scheppernd in den Gang hinaus. Das Naturereignis dauert gut und gerne fünf Minuten. Nicht Trainer Gerd Zenhäusern hatte getobt, auch nicht Sportchef Christian Dubé. Nein, es war Torhüter Benjamin Conz. Und es war sein gutes Recht, sehr zornig zu sein.

Mit grossartigen Paraden hatte er seine Jungs im Spiel gehalten. Mit tausend Händen gewehrt und gekämpft und die Verlängerung ermöglicht. Und in dieser Verlängerung wird er schmählich im Stich gelassen, ja geradezu verraten. Ausgerechnet, als sich Langnaus charismatischer Leitwolf Chris DiDomenico die Scheibe schnappt, wechseln seine Gegenspieler fliegend. Der Kanadier zieht unbehelligt davon, legt seine ganze Energie in den Abschluss, explodiert förmlich und bezwingt den tapferen Benjamin Conz mit einem gänzlich unhaltbaren Schuss nach nur 51 Sekunden in der Verlängerung zum 3:2.

Kein Wunder ist Gottérons Leitwolf Julien Sprunger hinterher kleinlaut. Er sagt einen Satz, der das ganze Elend seiner Mannschaft gut erklärt: «Wir finden einfach keinen Weg, um ein Spiel zu gewinnen. Aber wir finden immer einen Weg, um ein Spiel zu verlieren.»

Trainer Gerd Zenhäusern sieht nach dem Spiel ein bisschen zerzaust aus. Wenn Gottéron noch immer Tabellenführer wäre, dann dürften wir mit ein wenig Boshaftigkeit behaupten, er habe es mit den Silvester-Feierlichkeiten übertrieben. Aber das dürfen wir nicht sagen. Es ist der Stress des Verlierens, der diesem so ruhigen und sachlichen Trainer anzumerken ist. Er sagt, er habe alles probiert. Getobt und seelisch gestreichelt, er habe seine Jungs geschlaucht und eine Pause gegönnt. Nichts habe geholfen. Ja, er habe vor der Weihnachtspause der Mannschaft in der Kabine die Vertrauensfrage gestellt: «Habt ihr ein Problem mit mir?» Niemand habe das Wort ergriffen. Und er werde diese Vertrauensfrage noch einmal stellen.

Unnötige Vertragsverlängerung

Ohne viel Boshaftigkeit dürfen wir dazu sagen: Wenn ein Trainer seinen Jungs die Vertrauensfrage stellt, ist das so, wie wenn ein verunsicherter Ehemann seine Gattin fragt: «Schatz, liebst du mich noch?» Er wird nie eine ehrliche Antwort erhalten. Bis zur Scheidung. Das weiss auch Gerd Zenhäusern. Er sagt: «Wenn eine Mannschaft elfmal hintereinander verliert, dann ist der Trainer unter Druck.» Darüber mache er sich keine Gedanken. «Sonst würde ich verrückt». Man werde nun noch einen neuen ausländischen Verteidiger holen. Was wohl so viel nützen wird wie Haareschneiden bei einem Infarkt-Patienten.

Es hilft Gerd Zenhäusern, dass der Trainerjob für ihn nicht existenziell ist. Er hat, bevor er nach einer Denkpause wieder ins Hockeygeschäft eingestiegen ist, im Immobiliengeschäft mehr verdient als an der Bande. Und zudem hat er einen Vertrag bis 2018. Am 24. November, als seine Mannschaft noch auf dem 3. Platz stand und nur drei Punkte Rückstand auf Tabellenführer ZSC hatte, ist sein Vertrag vorzeitig bis 2018 verlängert worden.

Da dürfen wir ohne jede Bosheit behaupten: Diese völlig unnötige Vertragsverlängerung war ein Meisterstück von Gerd Zenhäuserns Agent Dani Giger – und eine der grösseren Management-Dummheiten in diesem Jahrhundert.