French Open
Roger Federer gelingt bei der Rückkehr nach Paris ein Traumstart, er sagt: «Ich sehe Licht am Ende des Tunnels»

Zwei Jahre nach seiner letzten Partie kehrt Roger Federer mit einem 6:2, 6:4, 6:3 gegen den Usbeken Denis Istomin (34, ATP 204) nach Paris zurück und steht in der zweiten Runde der French Open.

Simon Häring
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Roger Federer steht in Paris in der zweiten Runde.

Roger Federer steht in Paris in der zweiten Runde.

Thibault Camus / AP

Zwei Jahre nach seiner Halbfinal-Niederlage gegen Rafael Nadal kehrt Roger Federer mit einem ungefährdeten 6:2, 6:4, 6:3-Erfolg gegen den Usbeken Denis Istomin (34, ATP 204) nach Paris zurück. Dazwischen liegen auch zwei Operationen am Knie, nur ein Turnier auf Sand in Genf, bei dem er in der Startrunde verloren hatte, was Zweifel aufkommen liess, ob es ihm noch einmal gelingen wird, das Rad der Zeit aufzuhalten. Denn natürlich ist Federer ja auch älter geworden. Im August feiert er seinen 40. Geburtstag. Er ist bereits jetzt der älteste Spieler im Hauptfeld der French Open. Denn immerhin fünf Jahre jünger war sein erste Gegner in Paris.

Die Zweifel mögen nicht weggewischt sein, zu einfach machte es Istomin Federer zuweilen. Aber sie sind nach diesem Auftritt ein Stück kleiner geworden. Gleich im ersten Aufschlagspiel gelang Federer ein Break (unter Mithilfe Istomins, dem zwei Doppelfehler unterliefen). Der Schweizer hingegen überzeugte mit dem Aufschlag, schlug 8 Asse, davon 6 im ersten Satz, der nur 22 Minuten dauerte. Regelmässig punktete Federer gegen den schwerfälligen Istomin mit Stoppbällen. Und als der Usbeke einen Versuch durchschaut zu haben schien und ans Netzt stürmte, schob Federer den Ball an die Grundlinie. Er spielte mit seinem Gegner Katz und Maus.

Auch im zweiten Satz (zum 2:1) und im dritten Satz (zum 3:2) gelingt Roger Federer mit einem Break ein optimaler Start. Und wenn es an diesem späten Nachmittag so etwas wie einen Wermutstropfen gibt, dann ist es der, dass Federer nicht so gefordert wurde, wie er das im Hinblick auf folgende Aufgaben brauchen würde. Es gab keine engen Games, keine Situationen, in denen seine Nervenstärke gefordert gewesen wäre. Immer lag er vorne. Keine einzige Breakchance musste er abwehren. Bei einem Spiel auf Sand und über drei Sätze ist das doch eher aussergewöhnlich.

Er fühle sich deutlich wohler als zuletzt in Genf, wo er von weit hinter der Grundlinie retourniert habe, «was ein kompletter Witz war.» Er habe es damals mit der Brechstange probiert und sich geschworen, das nicht zu wiederholen. «Ich habe nun mehr Klarheit im Kopf und mache öfter das richtige im richtigem Moment.» Das sei es, was ihm zuletzt noch gefehlt habe, sagt Federer, der ohne seine Familie in Paris weilt, die Zeit im Hotel verbringt, lange schläft und die Zeit mit Jassen verbringt. Angesprochen auf Bilder, die zeigen, wie verkümmert die Muskulatur am Bein noch vor wenigen Monaten war, sagte Federer: «Es ist schon unglaublich, dieser Muskelschwund, wenn du fünf Wochen an Krücken gegangen bist.»

Niederlagen wie jene in Genf seien einkalkuliert und gehörten zum Prozess, sagte Federer. «Das darf und wird mich nicht aus der Bahn werfen. Doch nun sehe ich Licht am Ende des Tunnels.»

Starker erster Auftritt von Roger Federer in Paris.

Starker erster Auftritt von Roger Federer in Paris.

Thibault Camus / AP

Federer hat das Turnier in Roland Garros 2009 gewonnen, vier weitere Male stand er im Final. Und doch sind seine Ambitionen in diesem Jahr andere. Es geht ihm darum, Spielpraxis zu sammeln, das Vertrauen in den Körper zu finden, vor allem aber auch in die eigenen Stärken. In Genf sagte der 20-fache Grand-Slam-Sieger: «Es mag komisch klingen, die French Open als Vorbereitung auf die Rasensaison zu bezeichnen, aber so ist es. Es wäre vermessen, zu sagen, für mich sei in Paris alles möglich.» Er kenne seine Limiten, was nicht heisse, dass er einfach zu schlagen sein werde.

Am Donnerstag trifft Federer auf den Kroaten Marin Cilic (32, ATP 47). Federer wird diese Aufgabe mit einer Portion Zuversicht angehen wird.