French Open
Roger Federer entzieht sich dem Rummel und will Taten statt Worte sprechen lassen, und sein Therapeut muss draussen bleiben

Erstmals seit über zwanzig Jahren nimmt Roger Federer an einem Grand-Slam-Turnier teil, bei dem er sich nicht in der Lage sieht, um den Titel mitzuspielen. Es ist ein Wendepunkt in seiner Karriere.

Simon Häring
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Nach zwei Jahren zurück in Paris: Roger Federer.

Nach zwei Jahren zurück in Paris: Roger Federer.

Roland Garros

Roger Federer reiste nicht wie üblich schon Anfang Woche, sondern erst am Mittwochabend nach Paris, wo er am Donnerstag mit dem Russen Aslan Karazew und am Freitag mit dem Belgier David Goffin trainierte. Zuvor hatte er sich in Genf und in der Region Zürich auf die French Open vorbereitet, zu denen auch seine Trainer Severin Lüthi und Ivan Ljubicic sowie Physiotherapeut Daniel Troxler anreisten. Auf die Anlage darf er indes nicht, weil nur zwei Begleitpersonen zugelassen sind. Das ist aber weder ein Problem noch ungewöhnlich: Troxlers Arbeit findet ohnehin nicht auf der Anlage, sondern im Hotel oder der Unterkunft statt.

Ab Sonntag dürfen sich die Spielerinnen und Spieler nur noch an jenen Tagen auf der Anlage aufhalten, an denen sie im Einsatz stehen. Private Unterkünfte sind nicht erlaubt. Untergebracht sind sie in einer Blase in einem der beiden offiziellen Hotels des Turniers. Die Sicherheit geht vor.

Vor zwei Jahren war Federer erstmals überhaupt ohne seine Familie zu einem Grand-Slam-Turnier angereist. Es ist davon auszugehen, dass seine Frau Mirka und die vier Kinder auch in diesem Jahr nicht in Paris weilen werden. Für Federer markieren die French Open, die er 2009 gewonnen hatte, und bei denen er zudem vier weitere Male im Final stand, einen Wendepunkt in der Karriere. Denn erstmals seit über zwei Jahrzehnten tritt er bei einem Grand-Slam-Turnier an, ohne sich Chancen auf den Titel auszurechnen. Das passt nicht zum Selbstverständnis eines 20-fachen Grand-Slam-Siegers, ist aber der langen Verletzungspause geschuldet.

In Genf, wo Federer in der letzten Woche erstmals seit über zwei Jahren wieder ein Turnier auf Sand bestritt und in der Startrunde verlor, konnte der 39-Jährige nicht verbergen, dass ihm nicht nur die Spielpraxis, sondern auch das Vertrauen in die eigenen Stärken fehlt. Federer sagte: «Es mag komisch klingen, die French Open als Vorbereitung auf die Rasensaison zu bezeichnen, aber so ist es nun einmal. Ich würde gerne sagen, Paris sei das ultimative Ziel, aber es wäre unangebracht, zu sagen, dort sei alles möglich für mich. Denn das ist es nicht.» Ungewöhnlich: Federer zog es vor, vor den French Open keine Medientermine wahrzunehmen. Gegner in der ersten Runde ist der Usbekische Qualifikant Denis Istomin (34, ATP 203).

Eine Statue für Favorit Rafael Nadal

Favorit in Paris ist einmal mehr Rafael Nadal, der in Paris mit 13 Erfolgen Rekordsieger ist. Bereits vor dem Turnier wurde zu Ehren des 34-jährigen Spaniers im Schatten des Court Philippe Chatrier eine Statue enthüllt. Bei 100 Siegen bei den French Open hat Nadal nur zwei Niederlagen erlitten, eine davon 2015 in den Viertelfinals gegen den Serben Novak Djokovic (34, ATP 1), der sich in dieser Woche in Belgrad den letzten Schliff gibt und der grösste Herausforderer Nadals sein wird. Oder vielleicht der einzige? Denn der Österreicher Dominic Thiem (27, ATP 4) hat Nadal auf Sand zwar schon vier Mal besiegen können, aber eben nie in Paris, wo er 2018 und 2019 im Final gegen den Spanier verlor. Zudem ist Thiem auf Formsuche.

Dominic Thiem auf Formsuche

Thiems Vorteil: Er wurde der schwächer besetzten unteren Hälfte des Tableaus zugelost, und kann deshalb erst im Final auf Nadal oder Djokovic treffen. Weil der Russe Daniil Medwedew (25), der sich auf Sand nicht sonderlich wohl fühlt, und in Paris noch kein einziges Spiel gewonnen hat, vor Nadal die Nummer 2 der Welt ist, können Nadal und Djokovic schon in den Halbfinals aufeinander treffen. Aussenseiter sind der Grieche Stefanos Tsitsipas (22, ATP 5), der in Monte Carlo und zuletzt in Lyon den Titel holte, der Deutsche Alexander Zverev (24, ATP 6), Andrei Rublew (23, ATP 7). Die meistgenannten Favoritinnen bei den Frauen sind die Australierin Ashleigh Barty (25, WTA 1), die polnische Vorjahressiegerin Iga Swiatek (19, WTA 9) und die Weissrussin Aryna Sabalenka (24, WTA 4), die in Madrid gewann.

Im Herbst ging der Stern von Iga Swiatek mit dem Sieg in Paris auf.

Im Herbst ging der Stern von Iga Swiatek mit dem Sieg in Paris auf.

Keystone

Belinda Bencic mit schwierigem Los

Kleine Ambitionen hegt wohl auch Belinda Bencic (24, WTA 12), die in Paris nie weiter als in die dritte Runde kam. Zudem trifft sie zum Auftakt gleich auf die Argentinierin Nadia Podoroska (24, WTA 42), die im letzten Herbst in Paris die Halbfinals erreicht hatte. Ebenfalls eine schwierige Aufgabe wartet auf Viktorija Golubic (28, WTA 72), die sich mit der an Position 30 gesetzten Estin Anett Kontaveit (25) misst. Henri Laaksonen (29, ATP 150) schaffte die Qualifikation fürs Hauptfeld, nachdem er im Tiebreak im Final drei Matchbälle hatte abwehren können. In der ersten Runde trifft er auf den Deutschen Yannick Hanfmann (29, ATP 93).

Ebenfalls qualifizieren konnte sich die Aargauerin Stefanie Vögele (31, WTA 131), die nun auf die Italienerin Jasmine Paolini (25, WTA 91) trifft. Im Final der Qualifikation gescheitert ist hingegen die Tessiner Susan Bandecchi (22, WTA 219). Sie könnte bei einer Absage noch ins Hauptfeld rutschen.

Henri Laaksonen kämpfte sich in Paris durch die Qualifikation.

Henri Laaksonen kämpfte sich in Paris durch die Qualifikation.

Pascal Muller/Freshfocus / freshfocus

Weniger Preisgeld und Abendspiele ohne Publikum

Das Preisgeld wurde um 10,5 Prozent auf total 34,4 Millionen Euro gesenkt. Verlierer in den ersten beiden Runden erhalten immer noch gleich viel. Die Sieger bei Männer und Frauen freuen sich über 1,4 Millionen Euro (2020 waren es je 1,6 Mio. Euro). Im Doppel wurde das Preisgeld für alle um fast ein Viertel gekürzt. Neu gibt es in Paris in diesem Jahr auch zum ersten Mal überhaupt Abendspiele. Je zwei zwei Herren- und Damen-Matches sollen am Abend stattfinden. Diese letzten Partien des Tages werden aber als Geisterspiele ohne Publikum angesetzt. Grund ist die nächtliche Ausgangssperre in Frankreich, die dann um 21.00 Uhr beginnt.

Zu Beginn des Turniers dürfen sich täglich bis zu 5833 Zuschauer auf der Anlage aufhalten, je 1000 in den drei grössten Arenen, ab den Viertelfinals bis zu 5000 (13'000 pro Tag). Normalerweise bietet die Anlage Platz für 38000 Menschen. Ab dem 9. Juni müssen die Zuschauer zudem einen Gesundheitspass vorlegen, der Aufschluss über einen negativen Corona-Test, eine Impfung oder eine kürzlich überstandene Covid-19-Erkrankung gibt. Das Turnier dient als «Pilotveranstaltung» für den Pass, den die französische Nationalversammlung gebilligt hatte. Er ist eine zentrale Massnahme zur Lockerung der Corona-Auflagen.