French Open
Naomi Osaka zieht sich nach Drohung vom Turnier zurück und schreibt: «Ich kämpfe seit Jahren mit Depressionen»

Nachdem Naomi Osaka die verpflichtenden Medientermine bei den French Open nicht wahrgenommen hat, verhängte der Veranstalter eine Busse über 15'000 Dollar und drohte mit dem Ausschluss aus dem Turnier. Nun zieht sich Osaka von den French Open zurück.

Gabriel Vilares, Simon Häring
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Naomi Osaka zieht sich von den French Open zurück.

Naomi Osaka zieht sich von den French Open zurück.

Keystone

Naomi Osaka ist die Nummer 2 der Welt, vierfache Grand-Slam-Siegerin, die Gegenwart und die Zukunft des Frauen-Tennis und ist mit einem Einkommen von knapp 40 Millionen Dollar die bestverdienende Sportlerin der Welt. Doch die 23-Jährige, die in Japan als Tochter einer Japanerin und eines Haitianers zur Welt kam, und in den Vereinigten Staaten aufwuchs, und sich zuletzt wiederholt gegen soziale Ungleichheit, Rassismus und Polizeigewalt stark gemacht hatte, sagt von sich, sie sei ein introvertierter Mensch. Zum Schutz ihrer psychischen Gesundheit habe sie sich entschieden, die verpflichtenden Medientermine nicht wahrzunehmen.

Die vier Grand-Slam-Turniere sprachen daraufhin eine Busse über 15'000 Dollar aus und drohten im Wiederholungsfall mit dem Ausschluss von den French Open und weiteren Turnieren. Nun kam Osaka dem zuvor und zieht sich vom Turnier zurück, wie sie am Montag in einer Mitteilung in den sozialen Medien schreibt. «Das beste für das Turnier, die anderen Spieler und für mein eigenes Wohlbefinden ist es, dass ich mich aus dem Turnier zurückziehe. So können sich alle wieder auf das Tennis in Paris fokussieren.» Es sei nie ihre Absicht gewesen, ein Störfaktor zu sein.

«Die Wahrheit ist, dass ich seit den US Open 2018 mit langen Phasen von Depressionen zu kämpfen habe», schreibt Osaka weiter. Sie sei nicht dazu geboren, eine gute Rednerin zu sein, und vor den Medienterminen habe sie regelmässig Angstattacken und leide unter sozialen Phobien. Gleichzeitig entschuldigte sich die 23-Jährige «bei all den coolen Journalisten», deren Gefühle sie verletzt habe. Die Medien hätten sie immer fair behandelt, ihre Entscheidung habe nichts mit ihnen zu tun, sondern seien einzig und allein ihrer Situation geschuldet. Sie habe sich vor dem Turnier ängstlich und verletzlich gefühlt und habe sich deshalb zu diesem Schritt entschlossen.

Osaka hält indessen daran fest, dass sie die Regel, wonach Spielerinnen dazu verpflichtet sind, nach den Partien mit Journalisten zu sprechen, für veraltet hält. Sie anerkenne, dass sie einen schlechten Zeitpunkt für ihre Mitteilung gewählt habe. Bei den Organisatoren der French Open habe sie sich bereits im Vorfeld entschuldigt und angeboten, nach dem Turnier für Gespräche zur Verfügung zu stehen. Osaka, die in Paris noch nie über die dritte Runde hinausgekommen war, kündigte an, auf unbestimmte Zeit zu pausieren. «Aber wenn die Zeit reif ist, möchte ich gerne mit der Tour, den Spielern und der Presse Wege finden, um die Situation zu verbessern.»