French Open
Henri Laaksonen feiert grössten Sieg und erinnert sich an seine Kindheit in Finnland: «Wir spielten, auch wenn es schneite»

Der Qualifikant Henri Laaksonen (29, ATP 150) besiegt den Spanier Roberto Bautista Agut (30, ATP 12) mit 6:3, 2:6, 6:3, 6:2 und steht erstmals überhaupt in der dritten Runde eines Grand-Slam-Turniers.

Simon Häring
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Henri Laaksonen steht zum ersten Mal in der dritten Runde eines Grand-Slam-Turniers.

Henri Laaksonen steht zum ersten Mal in der dritten Runde eines Grand-Slam-Turniers.

Michel Euler / AP

Wie nahe Sieg und Niederlage im Sport beieinander liegen, erlebt derzeit Henri Laaksonen (ATP 150). Am Samstag hatte er im Tiebreak des dritten Satzes im Final der Qualifikation drei Matchbälle abgewehrt. Nun besiegte er bei den French Open den Spanier Roberto Bautista Agut (33, ATP 11) mit 6:3, 2:6, 6:3, 6:2 und steht im achten Anlauf zum ersten Mal in der dritten Runde eines Grand-Slam-Turniers. Und das im Alter von 29 Jahren.

Der Exploit kommt auch deshalb überraschend, weil Laaksonen in diesem Jahr alle vier Partien auf ATP-Stufe verloren hatte. Den letzten Sieg hatte er am 13. Oktober 2020 in Köln errungen. Danach spielte er mit mehr oder weniger Erfolg auf der Challenger-Tour, abseits des öffentlichen Interesses. Nun gelingt dem 29-Jährigen sein bisher grösster Erfolg. Im zehnten Anlauf ist es sein erster Sieg gegen einen Spieler aus den Top 20 der Weltrangliste.

Mit Roberto Bautista Agut besiegt Henri Laaksonen erstmals einen Spieler aus den Top 20 der Weltrangliste.

Mit Roberto Bautista Agut besiegt Henri Laaksonen erstmals einen Spieler aus den Top 20 der Weltrangliste.

Yoan Valat / EPA

137'000 Dollar Preisgeld? «Mein grösster Check!»

Laaksonen sagt: «Es war bisher ein hartes Jahr, erst in den letzten Wochen begann ich, mich auf dem Platz wieder besser zu fühlen.» Mit ein Grund dürfte auch die Rückkehr seines Trainers sein: David Pultr. Im letzten Jahr verzichtete Laaksonen auf die Dienste des Tschechen, mit dem er seit 2018 zusammengearbeitet hatte. Denn weil wegen der Pandemie keine Turniere gespielt werden konnten, hatte Laaksonen auch kein Einkommen.

Nun sind es bereits in Paris 137'000 Dollar. So viel Geld in so kurzer Zeit hat Laaksonen noch nie verdient. «Das ist meine grösster Check», sagt er, der bisher auf ein Karriere-Preisgeld von 1,5 Millionen Dollar kommt.

Seit einigen Wochen arbeitet Laaksonen wieder mit seinem Trainer David Pultr zusammen. Seither ist auch der Erfolg zurück.

Seit einigen Wochen arbeitet Laaksonen wieder mit seinem Trainer David Pultr zusammen. Seither ist auch der Erfolg zurück.

Yoan Valat / EPA

Laaksonens Ziel: Zurück in die Top 100

Aufgewachsen ist er in Lohja, 45 Minuten Autofahrt von Helsinki entfernt. Das Tennisspielen hat Laaksonen nicht etwa in der Halle, sondern auf Sand erlernt. «Ende März, Anfang April waren die Plätze bereit. Manchmal spielten wir schon draussen, als es noch schneite.» 2009 erreichte er im Junioren-Turnier von Roland Garros die Halbfinals. Entsprechend wohl fühlt er sich auf Sandplätzen. Laaksonen sagt: «Ich mag es, wenn ich mehr Zeit habe für meine Schläge. Diese Bedingungen liebe ich.»

Kleiner Wermutstropfen: In der Weltrangliste wird sich Laaksonen wegen der durch die Pandemie bedingten neuen Zählweise vorerst nur marginal verbessern: Von Position 150 auf 137. «Nicht das, was ich mir vorstelle», sagt die ehemalige Nummer 93 der Welt. Und auch nicht gut genug, um bei grösseren Turnieren ins Hauptfeld zu rutschen. Dafür braucht es weitere Siege. Am besten schon am Freitag. Dann trifft Henri Laaksonen auf den Japaner Kei Nishikori (31, ATP 49), der vier Stunden auf dem Platz stand.